Cheftrainer Niko Kovac und Sportdirektor Hasan Salihamidzic haben die Lage beim FC Bayern München beruhigt. Doch die Bewährungsprobe kommt erst noch.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

Für Münchner Verhältnisse ist in den vergangenen Wochen Ruhe eingekehrt beim FC Bayern. Nach der schweren Krise im Spätherbst, gewannen die Bayern sieben der vergangenen acht Pflichtspiele und sind damit seit dem 10. November ungeschlagen.

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Zwar beträgt der Rückstand auf den BVB immer noch sechs Punkte, doch viele Kommentatoren sprachen in den vergangenen Tagen beinahe überschwänglich davon, dass Trainer Niko Kovac und Sportdirektor Hasan Salihamidzic als Führungsduo nun endlich die Kurve bekommen hätten. Beide standen nach unruhigen Monaten im Jahr 2018 im Fokus der Kritik.

Ende der Rotation bringt Stabilität

In der Tat tritt der FC Bayern inzwischen stabiler auf als in weiten Teilen der Hinrunde.

Das Positionsspiel ist immer noch verbesserungswürdig und es fehlen nach wie vor Überraschungsmomente im Spiel, doch insgesamt tritt die Kovac-Elf entschlossen und ordentlich strukturiert auf.

Das liegt auch daran, dass Kovac der Rotation für den Moment ein Ende gesetzt hat. Kovac vertraut einer Formation und einer Elf, die von Spiel zu Spiel wenn überhaupt nur minimal angepasst wird. Aktuell zahlt sich das aus.

Auch Salihamidzic hat in den letzten Tagen Akzente gesetzt. Die angekündigte Transferoffensive mit konkreten Namen wie Lucas Hernandéz, Benjamin Pavard oder Callum Hudson-Odoi. Dazu das klare Nein zu einem Sportvorstand Oliver Kahn.

Hoeneß und Rummenigge haben sich zudem in den vergangenen Wochen merklich zurück gehalten. Die einen interpretieren das als Profilgewinn, andere weisen darauf hin, dass Brazzo vor allem Transfers ankündigt, aber noch wenig Konkretes eingetütet hat.

Diese Kritik ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Brazzo hat sich weit aus dem Fenster gelegt. Mit seinem öffentlichen Werben um England-Youngster Hudson-Odoi hat er das öffentliche Interesse erst richtig auf den jungen Ergänzungsspieler vom FC Chelsea gelenkt. Die Preissteigerung, die damit einhergehen dürfte, hängt damit zusammen.

Brazzo kündigt an – Barcelona liefert

Auch bei der Personalie Pavard läuft längst nicht alles rund. VfB-Sportdirektor Michael Reschke musste jedenfalls öffentlich darauf hinweisen, dass ein offizieller Abschluss des Transfers keinesfalls erfolgt sei. Auch die Möglichkeit eines Winterwechsels lehnte der ehemalige technische Direktor des FC Bayern strikt ab.

Während es aber bei Pavard zumindest für den Sommer wohl nur noch um Formalien geht, hakt es bei Hernandéz nach wie vor.

Gleichzeitig geht andernorts die Post ab. Zum Beispiel beim FC Barcelona, der in dieser Woche Ajax-Juwel Frenkie de Jong für rund 75 Millionen Euro nach Spanien locken konnte.

Ob in München neben Perspektivspieler Alphonso Davies noch ein weiterer Zugang im Winter kommt? Fraglich.

Liverpool gibt die Richtung vor

Ohnehin kommt der echte Test für die Münchner Verantwortlichen erst im Februar. Die Spiele gegen den FC Liverpool im Champions-League-Achtelfinale werden entscheidend für die weitere Bewertung des sportlichen Führungsduos.

Die Duelle gegen Jürgen Klopp sind immer von großem Prestige geprägt. Doch es geht um mehr.

Der FC Liverpool spielt aktuell den wohl spektakulärsten Fußball Europas. Viele blicken an die Anfield Road, wenn es um attraktiven und erfolgreichen Fußball geht. Die europäische Spitze ist der Maßstab für den FC Bayern. Die Spiele gegen Liverpool werden dafür die ultimative Verortung.

So wichtig klare Siege gegen Frankfurt oder Hannover sind – in der Champions League spielt die Musik. Hier muss vor allem Kovac Rechnung ablegen. Erst hier lässt sich bewerten, ob sich der Eindruck der letzten Wochen bestätigt.

Kommen die Münchner gegen Klopps "Reds" weiter, bringt das richtig Kredit. Verliert der FC Bayern klar, steht auf einmal wieder alles in Frage und beide müssen sich erneut öffentlich erklären. So sind die Mechanismen nun mal. Vor allem beim FC Bayern.

Insofern lässt sich nüchtern festhalten: Kovac und Salihamdzic haben die erste Krise ihrer gemeinsamen Amtszeit ordentlich gemeistert. Doch täuschen lassen sollte sich niemand. Die echte Bewährungsprobe kommt erst noch.

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