• Einige Bundesligisten konnten für die ersten Heimspiele der Saison nicht alle Tickets verkaufen.
  • Momentan dürfen zwischen 8.300 und 25.000 Zuschauer unter Auflagen in die Stadien.
  • Die Ultra-Gruppierungen wollen erst wiederkehren, wenn Vollauslastung möglich ist.

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Die Verantwortlichen in den Profiligen des deutschen Fußballs haben lange dem Moment entgegengefiebert, in dem endlich wieder Stadionbesucher zugelassen werden. Seit Beginn der laufenden Saison dürfen nun Fans die Partien ihrer Mannschaft live vor Ort anschauen. Allerdings können einige Bundesligisten aktuell nicht einmal die reduzierten Ticketkontingente vollständig verkaufen.

Auffällig an den ersten Spieltagen war, dass vor allem in den Kurven, also dort, wo normalerweise die eingefleischten Fans sitzen, teils gähnende Leere herrschte. Vor der Pandemie gab es bei den meisten Clubs einen unglaublichen Ansturm auf die Eintrittskarten, die Hotlines waren ständig besetzt.

Stadion-Besuch zu Corona-Zeiten: Es fehlt das Gemeinschaftserlebnis

Die Gründe für das Fernbleiben der Zuschauer sind vielschichtig, wie Kenner der Szene meinen. "Auf der einen Seite gab es Fans, die auch noch Vorbehalte haben, in der aktuellen Situation, in der wir ja über eine sehr gefährliche Variante des Virus sprechen, in ein Stadion zu gehen und mit mehreren tausend Menschen zusammenzukommen", sagt Jakob Scholz, Fan-Vertreter im Vorstand von Borussia Dortmund. "Auf der anderen Seite – und das ist wohl der Hauptgrund, warum man die Karten nicht losgeworden ist – gehen viele Fans zum Fußball, weil sie dieses Gemeinschaftserlebnis lieben."

Fanclubs etwa würden aufgrund der begrenzten Zuschauerzahlen – in Dortmund dürfen aktuell 25.000 in den Signal-Iduna-Park – nur wenige Tickets erhalten. Doch statt dann untereinander auszuwählen, wer zum Spiel gehen darf, verfolgen einige der Fanclubs das Geschehen lieber gemeinsam vorm Fernseher.

Ultras: Ablehnung gegenüber Ticket-Personalisierung

Die Ultra-Gruppen, die normalerweise in den Stadien für die größte Stimmung mit ihren Gesängen und Aktionen sorgen, vertreten sogar einen noch radikaleren Standpunkt als die Fanclubs. Ihr Credo lautet: Entweder alle oder keiner. "Das ist eine ziemlich schwierige Sicht, wie ich finde. Denn ich denke, bis wir so weit sind, dass wir wieder über eine vollbesetzte Südtribüne im Westfalenstadion sprechen, wird noch viel Zeit vergehen", meint Scholz.

Sollte es nicht zu neuerlichen schweren Ausbrüchen hierzulande kommen, könnte die Zahl der zugelassenen Zuschauer stetig steigen, aber das Erreichen der 100-Prozent-Marke scheint vor dem kommenden Sommer unrealistisch. Auf Ablehnung bei vielen aktiven Anhängern stößt übrigens auch die Personalisierung der Eintrittskarten. Eine Anonymisierung ist jedoch nicht möglich, da für den Stadionbesuch ein Impf- oder Genesenen-Nachweis oder ein negativer Corona-Schnelltest vorgewiesen werden muss.

Priorität des Fußballs in der Lebensplanung gesunken

Scholz sei gespannt, wie lange etwa die Ultra-Gruppen mit ihrer Position durchhielten. Er wisse, dass einzelne Mitglieder auch aktuell schon ins Stadion gingen. Dass die eingefleischten Anhänger von Borussia Dortmund und anderen Bundesligisten für immer wegbleiben, war sowieso nie zu erwarten.

Anders sieht das eventuell bei einstigen Stadionbesuchern aus, die für gewöhnlich nur einen schönen Samstag- oder Sonntagnachmittag verbringen wollten. "Einige Fans sind sicherlich auch von der Routine entwöhnt. Die meisten Menschen waren anderthalb Jahre nicht im Stadion. Vorher hatten viele ihr Leben darauf ausgerichtet, jetzt ist bei einigen die Priorität des Fußballs in der Lebensplanung gesunken", lautet die Einschätzung der bundesweiten Fanvereinigung "Unsere Kurve".

Die Vereinsverantwortlichen geben sich derweil kämpferisch. Sie möchten alles versuchen, die Zuschauer wieder zu ihren Heimspielen zu locken. Das hat nicht nur mit dem Support für die eigene Mannschaft zu tun, sondern auch wirtschaftliche Gründe.

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