Die Bundesliga könnte selbst von "Adam sucht Eva" einiges lernen, der BVB spielt schon jetzt Nikolaus und Lothar Matthäus erlebt eine Überraschung der ungewöhnlichen Art. Unsere – wie immer nicht ganz ernst gemeinten – Lehren des Spieltags.

Fabian Teichmann
Eine Glosse
von Fabian Teichmann, Redakteur Social Media

1. Lehre: Der BVB spielt jetzt schon Nikolaus

Zum Auftakt des Spieltags am Freitagabend hatte sich Borussia Dortmund für die Gastgeber vom VfB Stuttgart eine herrliche Geste überlegt.

Die Schwarz-Gelben verlegten den Nikolaustag spontan gut zwei Wochen nach vorne und verteilten in der Mercedes-Benz Arena schon Mitte November fleißig Geschenke.

Oder wird das mit den Präsenten in der Schweiz und in Spanien vielleicht anders gehandhabt, lieber Roman Bürki und lieber Marc Bartra?

Man weiß es nicht genau, aber die beiden BVB-Profis lieferten sich geradezu einen Wettstreit, wer denn nun in die Rolle des bärtigen Heiligen schlüpfen soll.

Am Ende einigten sie sich auf ein Unentschieden und servierten dem VfB das 1:0 in der 5. Minute gemeinsam auf dem Silbertablett. Die Slapstick-Einlage hat schon jetzt ihren Platz in jedem Highlightvideo der Saison 2017/18 sicher.

Und damit nicht genug: Nachdem sich die kriselnden Borussen mühsam und mit einer sehr engagierten Leistung in die Partie zurückgekämpft hatten, machten die Dortmunder Weihnachtsmänner ihrem Team wieder einen Strich durch die Rechnung.

Bartra verlor in der 51. Minute den Ball im Mittelfeld. Sekunden später bekam Bürki den Abschluss der Stuttgarter durch die Beine. Böse Zungen würden behaupten, dass er den in seiner Freiburger Zeit mit verbundenen Augen entschärft hätte.

Doch so ist das eben, wenn man in der Krise steckt. Die Truppe von Peter Bosz hat nun von den vergangenen acht Pflichtspielen sage und schreibe eines (!) gewinnen können. Das ist die Bilanz eines Absteigers.

Von einem ernsthaften Bayern-Verfolger kann bei neun Punkten Rückstand auf den Rekordmeister sowieso nicht mehr die Rede sein.

Was also tun? Vielleicht sollte der gute Herr Bosz einfach mal den Grinch in der Dortmunder Weihnachtsstory spielen und dem munteren Schenken einen Riegel vorschieben – und das besser gestern als morgen.

Andernfalls könnte es für den Niederländer – und vor allem dessen Job auf der Trainerbank – eng werden, noch ehe der Nikolaus hierzulande tatsächlich seine Arbeit aufnimmt.

2. Lehre: Lothar Matthäus? Muss man nicht kennen!

Kennen Sie Denis Zakaria? Falls nein, sollten Sie dringend ein Fußballspiel mit Beteiligung des 20-Jährigen anschauen und ihm mal besondere Beachtung schenken. Es wird sich lohnen.

Denn der junge Schweizer ist DIE Entdeckung der bisherigen Saison und schon in seiner Debüt-Spielzeit für Borussia Mönchengladbach einer der besten zentralen Mittelfeldspieler der Liga.

Zakarias Technik und Athletik: gigantisch. Sein taktisches Verständnis: bemerkenswert. Seine Passquoten: tonikroosiös.

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Auch die Kollegen von Sky wurden mittlerweile auf den Shootingstar aufmerksam und unterzogen ihn nach dem 4:2-Sieg seiner Borussia bei Hertha BSC einer echten Feuertaufe: erste Live-Interview-Schalte im deutschen Fernsehen! Eieiei!

Doch wo sich andere Granden der Branche in jungen Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckerten, trat Zakaria auch hier genauso auf wie auf dem Platz: abgezockt, souverän, einfach gut.

Mit einer Seelenruhe beantwortete er Fragen des Sky-Experten Lothar Matthäus zum Spiel in Berlin, seiner persönlichen steilen Karriere und der geglückten WM-Quali mit der Schweiz.

Auch Loddar schien beeindruckt: "Ich bin froh, dass Mönchengladbach wieder so eine Perle gefunden hat", lobte der ehemalige Gladbacher seinen Nach-Nach-Nach-Nachfolger in den höchsten Tönen und wünschte ihm weiterhin viel Glück.

Moderator Sebastian Hellmann aber witterte im Anschluss seine Chance, den armen Denis Zakaria doch noch in die Bredouille zu bringen. Nach Matthäus' Lobeshymne wollte er vom Schweizer wissen, ob er den ehemaligen Weltfußballer überhaupt kenne oder ihn schon kennengelernt habe.

Zakaria setzte sein breitestes Grinsen auf, runzelte dann die Stirn und es platzte aus ihm heraus: "Wer? Nein, kenne ich noch nicht. Da muss ich noch ein bisschen lernen."

Wahnsinn, der Typ: Fußballerisches Talent bis zum Abwinken – und er kennt den Loddar nicht! Herrlich.

Bei diesen Voraussetzungen sollte ziemlich sicher sein, dass dem jungen Mann eine absolute Welt-Karriere bevorstehen dürfte.

3. Lehre: Bundesliga kann von "Adam sucht Eva" lernen

Das Thema Videobeweis wird immer mehr zum Dauerbrenner in den Lehren des Spieltags. Woche für Woche dachte man ja eigentlich, dass es nicht mehr schlimmer kommen könne, doch genauso regelmäßig wurden die Fußballfans eines besseren belehrt.

Nun ist der Gipfel der Unzulänglichkeiten aber endgültig erreicht. Denn mehr als Schiedsrichter Dr. Felix Brych in Kombination mit seinem Videoassistenten bei der Partie zwischen Mainz 05 und dem 1. FC Köln kann man einfach nicht verbocken.

Eine klare Fehlentscheidung des Referees entschied die Partie zugunsten des FSV. Nicht mehr und nicht weniger. Eine traurige Tatsache vor dem Hintergrund, dass solche Fälle durch den Videobeweis endlich ad acta gelegt werden sollten.

Auch zwei Tage später kann nur gerätselt werden, was um alles in der Welt Brych und seinen Mann im Ohr namens Tobias Welz dazu veranlasst haben könnten, in der 43. Minute auf Elfmeter für Mainz nach Foul an Pablo de Blasis zu entscheiden.

Dabei gibt es bereits TV-Formate, in denen Videoüberwachung bestens funktioniert. Aktuelles Beispiel: "Adam sucht Eva", die skrupelloseste Fleischbeschau seit es deutsches Fernsehen gibt.

Für alle, die sich in den Untiefen der Trash-Unterhaltung nicht so recht auskennen: In dieser Show versuchen Normalos und Z-Promis à la Patricia Blanco, Bastian Yotta und Co. auf einer paradiesischen Insel ihren Partner fürs Leben zu finden.

Clou an der Sache: Alle Beteiligten laufen ausschließlich nackt herum und ganz TV-Deutschland schaut ihnen dabei zu. Klingt komisch, ist es auch.

Doch einen Aspekt haben die Macher dieses Nackedei-Wahnsinns absolut perfektioniert: den Nachweis von Körperkontakt. Zu spannend ist es einfach, wenn sich nach stundenlanger Langeweile zwei Knie berühren und die "Videoassistenz" von RTL das mit Zeitlupen und Wiederholungen aller Art honoriert.

Ob in Adams- oder Fußballerkostüm: Dass Kölns Konstantin Rausch den Mainzer Schwalbenkönig nie im Leben an welchem Körperteil auch immer berührt haben kann, hätten in der "Adam sucht Eva"-Redaktion mit Sicherheit 100 Prozent aller Mitarbeiter erkannt.

Dem "Effzeh" hilft das nur leider recht wenig, da er nun nach der zehnten Niederlage im zwölften Spiel auf eine Herkulesaufgabe im Abstiegssumpf zusteuert.

Immerhin hat sich Brych nach der Partie beim Team von Trainer Peter Stöger entschuldigt und seinen Fehler zugegeben. Na Hallelujah, Herr Doktor ...

Über kurz oder lang könnten nur zwei Möglichkeiten der Farce um den Videobeweis Einhalt gebieten: Entweder man führt endlich Challenges wie beim Tennis oder American Football ein oder man stellt dem Videoassistenten tatsächlich einen unparteiischen "Adam sucht Eva"-Redakteur an die Seite. Schlechter kann es ja ohnehin nicht mehr laufen.

4. Lehre: Die Bayern beenden schon mal die Saison

Acht Pflichtspiele sind inzwischen vergangen, seitdem "Don Jupp" Heynckes beim FCB wieder auf der Trainerbank sitzt.

Bilanz: acht Siege, eh klar. Kaum etwas erinnert mehr an den Krampf, den die Münchner noch bis vor wenigen Wochen unter Carlo Ancelotti zusammengespielt haben.

Es macht sich wieder dieses Gefühl der Resignation im Rest Fußball-Deutschlands breit. Sechs Punkte trennen den Rekordmeister inzwischen schon vom direkten Verfolger aus Schalke.

Erinnerungen werden wach an die vergangenen fünf Spielzeiten: fünf Meisterschaften für die Roten, null Spannung in der Liga.

Und das Schlimmste: Es ist alles schon wieder so selbstverständlich. Dass Bayern zuhause gemütlich 3:0 gewinnt? Normal. Dass dabei Thiago und Thomas Müller geschont werden – einfach mal so? Geschenkt.

Dass Robert Lewandowski auch mit neuer grau-blonder Frisur nicht vergessen hat, wo das Tor steht? Irgendwie nicht sehr schön (optisch und aus sportlicher Sicht für alle Gegner).

Sinnbild für die wiederhergestellte Mia-san-Mia-Hierarchie in der Bundesliga war das Tor zum Endstand gegen Augsburg durch Lewandowski: Traumhaft gespielt, eiskalt vollstreckt, ein Tor der Marke Selbstbewusstsein hoch 10.000.

Wolff-Christoph Fuss kommentierte den Treffer bei Sky wie folgt und brachte es mit seiner Wortwahl auf den Punkt: "Nach 49 Minuten beendet der Rekordmeister dieses Spiel."

Alternativ hätte er auch behaupten können: "Nach zwölf Spieltagen beendet der Rekordmeister diese Saison."

Er sagte es nicht. Vielleicht weil er noch Hoffnung auf interessante weitere 22 Spieltage hat.

Doch mit jedem weiteren Wochenende, das so oder so ähnlich wie das zurückliegende verläuft, wird diese Hoffnung für ihn und alle anderen Fans, die sich einen spannenden Titelkampf wünschen, immer weiter schwinden.