Dieter Hecking steht neben sich, Arjen Robben ist eifersüchtig, beim FC Schalke 04 winkt ein sensationeller Deal und für Mats Hummels kommt es knüppeldick: Die (wie immer nicht ganz ernst gemeinten) Lehren des Bundesliga-Spieltags.

Eine Glosse
von Swen Thissen, Chef vom Dienst Mobile & Social Media (nicht mehr im Unternehmen)

1. Lehre: Dieter Hecking weiß nicht, was er tut

Seit Dieter Hecking Trainer in Mönchengladbach ist, läuft es endlich wieder bei der Borussia. Der Europapokal ist nach dem Sieg in Köln regelrecht greifbar, in zwei Wochen winkt der Einzug ins Finale des DFB-Pokals. Seit Samstag jedoch drängt sich die Frage auf, wie groß Heckings Anteil am Höhenflug wirklich ist.

Kurz nach dem entscheidenden Tor im Derby redete er wie verrückt auf Jonas Hofmann ein, der mit einer Trinkflasche neben der Bank stand. Er forderte den Mittelfeldspieler auf, endlich wieder Ruhe ins Spiel zu bringen. In der Theorie war das eine exzellente Idee, schließlich galt es in einer packenden Partie einen knappen Vorsprung über die Zeit zu retten.

Nur eine entscheidende Kleinigkeit hatte Hecking nicht auf dem Schirm: Er hatte Hofmann nach 75 Minuten aus dem Spiel genommen.

Hofmann reagierte so ernst wie möglich und antwortete: "Trainer, eigentlich haben Sie mich schon ausgewechselt." Ehe er in lautes Gelächter ausbrach.

Hecking hatte für Hofmann übrigens Josip Drmic gebracht, der in der 81. Minute den Pfosten traf – den Abpraller verwandelte Lars Stindl zum 2:3. Man könnte also sagen, dass Hecking clever gewechselt hat. Wenn er gewusst hätte, was er tut ...

2. Lehre: Timothy Chandler verwirrt seinen Trainer

Eintracht Frankfurt ist Drittletzter der Rückrunden-Tabelle, was maximal einfach zu erklären ist: Die SGE hat in elf Partien nur sechs Tore erzielt.

Seit dem 5. Februar hat die Eintracht in der Bundesliga kein Spiel mehr gewonnen, obwohl sie oft – auch am Freitag gegen Werder Bremen – die bessere Mannschaft war. Das Problem ist: In Abwesenheit des verletzten Alex Meier versieben die Frankfurter Woche für Woche in allerbester Slapstick-Manier mehrere Großchancen.

Man könnte meinen, dass in dieser verkorksten Situation die Mitspieler sich zumindest gegenseitig Mut zusprechen sollten, um nicht endgültig den Kopf in den Sand zu stecken. Timothy Chandler sieht das anders.

Der Außenverteidiger hatte vor dem Foulelfmeter zum 2:2 nichts Besseres zu tun als zu Niko Kovac zu rennen, um dem Trainer mitzuteilen, dass er der Meinung sei, Marco Fabian solle nicht den Strafstoß treten, sondern Omar Mascarell. Kovac war ein wenig verwirrt. "Sag es ihm doch selbst, wenn du das glaubst, mich hört doch gerade eh keiner", antwortete er.

Fabian beantwortete das Misstrauen des eigenen Mitspielers auf seine Weise und erzielte den Ausgleich. Vielleicht findet er im Lauf der Woche auch noch die Zeit, Chandler zu erklären, wie man Teamkameraden zur Seite steht – und wie nicht.

3. Lehre: So kann Schalke RB Leipzig attackieren!

Für Fans von Traditionsvereinen ist und bleibt es ein Bauchschmerzthema, dass RB Leipzig die Bundesliga aufmischt. Und 1899 Hoffenheim auf Rang drei macht die Situation nicht gerade angenehmer.

Der FC Schalke 04 könnte nun einen hervorragenden Gegenplan entwickelt haben, um selbst ein paar Getränkehersteller-Millionen abstauben zu können – mit einem Wechsel, der grandiose Marketingmöglichkeiten bietet:

Zugegeben, Cola mit K zu schreiben ist nicht ganz so einfach, aber das bemerkt wahrscheinlich ohnehin kaum jemand. Man muss nur behaupten, das sei die neue deutsche Rechtschreibung.

Und ohnehin: Wen kümmert schon korrektes Deutsch, wenn die Millionen eines Getränkeherstellers winken könnten?

Die Königsblauen müssen Coca Cola nur diese Werbeslogans vorschlagen – und Red Bull kann sich warm anziehen:

  • Kola ist gut. Coke ist besser!
  • Wenn Coke kommt, kann Kola einpacken.
  • Kola? Nur mit Coke wird dein Spiel richtig prickelnd!

Innenverteidiger Naldo würde übrigens gerne Marketingbotschafter des neuen Sponsors werden und ist auch bereit, wirklich jeden Quatsch mitzumachen. Er bewies bereits am Samstag, dass er keine Angst vor seltsamen Kleidungsstücken hat:

Fünf Dinge, die die Dominanz des FC Bayern gegen Borussia Dortmund zeigten - und warum die Bayern noch eine Klasse besser sind.

4. Lehre: Hans-Joachim Watzke vermisst einen Robben-Treter

Seit knapp acht Jahren spielt Arjen Robben beim FC Bayern, seit acht Jahren spielt er also mindestens zweimal pro Saison gegen Borussia Dortmund.

Am Samstagabend durfte man feststellen: So viel Platz hatte er gegen den BVB seit 2009 nie. Die völlig überforderte junge Dortmunder Mannschaft fand kein Mittel gegen den Rekordmeister, erst recht nicht gegen den überragenden Niederländer.

Deutlicher wurde den Dortmundern schon lange nicht mehr vor Augen geführt, warum sie nur noch Jäger des Bayern-Jägers Leipzig sind. Und die Dortmunder Verantwortlichen machten daraus nach dem Topspiel, das aufgrund der mangelnden Spannung eigentlich kein Topspiel war, auch gar kein Geheimnis.

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erklärte am Tag nach der Vorführung im "Doppelpass" bei Sport1, wie sein Verein Robben hätte verteidigen können: "Das Robben-Tor hätten wir nur verhindern können, wenn ihn jemand ordentlich umgenietet hätte."

5. Lehre: Mats Hummels ist angefressen - und verletzt

Carlo Ancelotti sagte nach der Partie gegen den BVB einen Satz, der erahnen lässt, wie spannend der Trainer die Begegnung gegen Dortmund fand: "Am Mittwoch steigt das erste große Spiel der Saison."

Dennoch ließ er nach dem Topspiel seine Zufriedenheit überschwänglich an Franck Ribéry aus. Der Coach setzte nach der Auswechslung des Franzosen zur Kuss-Attacke an:

Bei so viel Liebe des Trainers platzte Arjen Robben fast schon vor Neid. Er sagte bei Sky: "Ich bin schon ein bisschen eifersüchtig. Aber ich glaube, ich werde auch noch einen Kuss bekommen."

Mats Hummels hätte ein wenig Zärtlichkeit deutlich dringender nötig. Er wurde vom Trainer gegen den BVB fürs Real-Spiel geschont und saß bis zu seiner Einwechslung in der 79. Minute ein wenig angefressen auf der Bank herum, weil er sich, wie Sky-Reporter Ecki Heuser erzählte, von seinen Ex-Mitspielern ein paar Fragen gefallen lassen musste, ob er in München in Topspielen nur Bankdrücker sei.

Am Sonntag kam es dann noch schlimmer: Hummels musste trainieren, weil er gegen Dortmund nicht von Beginn an spielte, und verletzte sich, während die anderen Stammkräfte gemütlich im Fitnessraum ausradelten. Der Verteidiger wird die Partie gegen Madrid definitiv verpassen. Ancelottis Hummels-Plan ist somit grandios gescheitert.

Womöglich ist es nun ganz gut, dass Boateng ein wenig Spielpraxis sammeln durfte. Zumal er gegen Dortmund prompt eine der besten Szenen des Spiels hatte, als er in bester Ich-bin-dein-Lieblingsnachbar-EM-Manier den Schuss von Pierre-Emerick Aubameyang von der Linie kratzte und so das 3:2 verhinderte.

Vielleicht tröstet die Bayern nach dem Hummels-Schock die Tatsache, dass auch Real auf einen Verteidiger wird verzichten müssen: Pepe fällt aus. Dessen Verletzung war nicht minder dämlich als die Hummels-Geschichte: Er wurde vom eigenen Mitspieler, Toni Kroos, ausgeknockt - doppelter Rippenbruch!