Bei Borussia Dortmund geht’s drunter und drüber. Wegen Hans-Joachim Watzke und Peter Stöger. Die Schiedsrichter machen wieder einmal, was sie wollen. Und für Arturo Vidal gelten eigene Regeln. Die (wie immer nicht ganz ernst gemeinten) Lehren des 15. Bundesliga-Spieltags.

Eine Glosse
von Swen Thissen, Chef vom Dienst Mobile & Social Media (nicht mehr im Unternehmen)

1. Lehre: Der 1. FC Köln beweist: Dümmer geht’s immer

Für einen kurzen Moment war es am Sonntag lustig in Köln. Als unter dem Schnee der Elfmeterpunkt nicht zu finden war, als der Schiedsrichter wie einst der Lehrer im Schulsportunterricht elf Schritte machte, um herauszufinden, wo der Strafstoß ausgeführt werden sollte, als der 1. FC Köln das 2:0 (und dann das 3:0) bejubelte, da wehte endlich mal wieder ein Hauch von Hoffnung und verdammt viel gute Laune durch das Rhein-Energie-Stadion.

Doch dann folgte der brutale Höhepunkt eines wahrlich nicht mehr in Worte zu fassenden Absturzes eines Vereins, der im Frühsommer in den Europapokal einzog und sich seither Woche für Woche in seine Einzelteile zerlegt.

Gegen Freiburg, im Duell des Letzten gegen den (vor dem Anpfiff) Vorletzten, gab der "Effzeh“ ein 3:0 aus der Hand. Kassierte in der 90. Minute den Ausgleich. Per Elfmeter. Nach einem selten dämlichen Foul von Salih Özcan. Kassierte in der fünften Minute der Nachspielzeit das 3:4. Per Elfmeter. Nach einem noch viel dämlicheren Handspiel von Sehrou Guirassy.

Dümmer geht’s immer. Das haben die Kölner damit bewiesen. Mit deren Fans kann man nur noch Mitleid haben. So etwas wie das gestrige Drama wünscht man keinem, der mit Herzblut ins Stadion geht. Doch sie werden weiterhin stark sein müssen, die Kölner Anhänger.

Der Abstieg ist damit gefühlt besiegelt. Und so langsam muss man befürchten, dass den Kölnern tatsächlich zuzutrauen ist, eine noch schlechtere Saison zu spielen als der bisherige Negativ-Rekordhalter Tasmania Berlin, der (nach der Drei-Punkte-Regel gerechnet) in 34 Begegnungen nur zehn Zähler holte.

2. Lehre: Rentner-Bonus für den FC Bayern?

Erinnern Sie sich an unsere Aluhut-Lehre des vergangenen Spieltags? An die Behauptung, dass es manche Pfiffe nur gibt, wenn der FC Bayern involviert ist?

Fredi Bobic stellte am Samstag die gleiche Verschwörungstheorie auf, als er behauptete, dass es "bei 17 von 18 Vereinen“ Rot statt Gelb gegeben hätte.

Der Frankfurter Manager bezog sich auf die Verwarnung gegen Arturo Vidal in der fünften Minute. Und in der Tat braucht man für diese Entscheidung viel Fantasie. Denn entweder entscheidet man, dass es kein Foul Vidals an Aymen Barkok war. Oder aber man pfeift, doch dann war es schlicht und einfach eine Notbremse. Denn der einige Meter entfernte Jerome Boateng hätte, bei allem Respekt vor seiner Schnelligkeit, den Frankfurter nie und nimmer vor einem Torabschluss erreichen können.

Für einen war des Schiedsrichters Gnade in jedem Fall eine feine Sache: Tom Starke. Der Fußballrentner musste nämlich im ziemlich winterlichen Frankfurt urplötzlich sein 100. Bundesliga-Spiel bestreiten, weil sich bei den Bayern Neuer-Ersatz Sven Ulreich verletzt abmeldete. Und Starke war es, der mit seinem vergurkten Pass Vidal überhaupt erst in Bedrängnis gebracht hatte.

3. Lehre: Der Videobeweis kann noch viel mehr!

Schon klar, wir wiederholen uns. Doch man muss es immer und immer wieder sagen: Der Videobeweis macht ebenso wenig Spaß wie die Diskussionen über ihn. Die wiederum sind unumgänglich, wenn jede Woche die Schiedsrichter machen, was sie wollen.

Seit Samstag wissen wir, dass der Videobeweis noch viel mehr kann als bisher angenommen.

Erstens: Ab sofort gibt es auch Rot-Gelbe Karten. Und das geht so: Man schaut als Schiedsrichter nicht so genau hin und wedelt einfach mal mit Rot durch die Gegend. Man schickt den Spieler in die Kabine (hier: Frankfurts Marius Wolf), lässt hitzige Diskussionen über sich ergehen, wartet zwei Minuten und hört dann, dass die Entscheidung falsch war. Der beinahe schon unter der Dusche stehende Spieler darf dann zurückkommen und sieht anschließend nur Gelb.

Zweitens: Es ist auch möglich, Elfmeter (oder Tore) doch nicht zu geben, weil fast zehn Sekunden zuvor in einer anderen Situation der Verdacht bestanden haben könnte, falsch entschieden zu haben. So geschehen in Mönchengladbach, wo die Borussia den Elfmeter zum vermeintlichen 2:0 doch nicht ausführen durfte.

Das war so absurd, dass selbst Schalkes Naldo, der den Strafstoß verursacht hatte, nur noch den Kopf schüttelte. "Das ärgert mich. Der Elfmeter war ein Elfmeter. Punkt.“

4. Lehre: Watzke weiß nicht, was er tut – oder ist genial

Am Rande der Präsentation des neuen BVB-Trainers Peter Stöger gestand Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, dass er im Sommer schon einmal versucht habe, Stöger zu Borussia Dortmund zu holen.

Ohne Erfolg.

Nun drängt sich eine Frage auf: Weiß Watzke nicht, was er tut – oder ist er genial?

Die Entlassung von Thomas Tuchel, das lange Festhalten an Peter Bosz, die scheinbare Planlosigkeit in den vergangenen Wochen, all das wirkte wahrlich nicht souverän. Es sei denn, man meint es gut mit dem Boss der Borussia. Und nimmt an, dass er kommen sah, dass Stögers Zeit in Köln abläuft. Dann nämlich hätte Watzke alles richtig gemacht, um nun doch noch seinen Wunschtrainer zu bekommen.

Dass Watzke den einzigen Trainer holte, der in den letzten Wochen in der Tat noch erfolgloser war als Bosz (Bosz: acht Bundesliga-Partien ohne Sieg; Stöger: 14 Bundesliga-Partien ohne Sieg), entbehrt jedoch nicht einer gewissen Komik.

5. Lehre: Peter Stöger hat noch immer Humor

Apropos Komik: Neu-BVB-Coach Stöger bewies bei seiner Antritts-Pressekonferenz, dass er noch immer eine ziemlich coole Socke ist. "An den vergangenen Wochen kann es wohl nicht gelegen haben, dass Herr Watzke mich angerufen hat“, sagte er. Und lächelte vorsichtig.

Anschließend bedankte er sich für das Vertrauen, das nicht selbstverständlich sei. Denn: "Es sind ja sehr viele gute Trainer auf dem Markt.“

Das war allerdings ein fieser Witz auf Kosten der Kollegen. Oder fällt Ihnen ein Trainer ein, dem Sie zutrauen würden, Borussia Dortmund zu trainieren? Peter Neururer? Bruno Labbadia? Mehmet Scholl?
Wobei Scholl natürlich verdammt witzig gewesen wäre nach seinem verbalen Rundumschlag gegen die junge Trainergeneration. Da hätte er endlich mal beweisen können, was er kann. Mal davon abgesehen, eine große Klappe zu haben.

Auf der anderen Seite: Wer will schon einen Trainer holen, dessen Radiosendung allen Ernstes "Mehmet Schollplatten“ heißt? Dann doch lieber Peter Stöger – auch wenn der an seinem optimistischen Gesichtsausdruck noch ein wenig arbeiten muss:

Dabei hat Stöger allen Grund zur Freude. Schließlich hat er nicht nur einen neuen Job, sondern ist auch der einzige Kölner, der in der Europa League überwintern darf.