Der FC Bayern feiert die "schönste" Meisterschaft seit Jahren und wird dabei tatkräftig unterstützt von Franck Ribery und Arjen Robben: Den Oldies gelingt bei ihrem letzten Auftritt in der Allianz Arena noch einmal ein ganz besonderer Auftritt.

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Der FC Bayern wird mal wieder Meister. Und in der Allianz Arena haben sie nichts Besseres zu tun, als hemmungslos zu heulen. Fast wäre man geneigt zu behaupten, es flossen mehr Tränen als Bier.

Aber eben nur fast. Trotzdem war dieser Nachmittag in München-Fröttmaning einer für die Geschichtsbücher. Der Rekordmeister ist nun noch ein bisschen mehr Rekordmeister, baute seine uneinholbare Bestmarke auf jetzt 29 Titel aus.

Es war mal wieder einer dieser Tage im Mai, die die Bundesliga so lange nicht mehr hatte. Zuletzt ging es vor exakt zehn Jahren am letzten Spieltag noch um höchste Weihen, auch damals waren die Bayern beteiligt.

Es blieb Platz zwei hinter dem VfL Wolfsburg. Dieses Mal lautete das Fernduell Bayern gegen Borussia Dortmund und die Münchener hatten eine wahrlich turbulente Woche hinter sich.

Die anhaltenden Debatten um die Zukunft von Trainer Niko Kovac überlagerte die Tage vor dem großen Showdown, dann sickerte auch noch durch, dass der geplante Deal mit Autohersteller BMW - man munkelt von einer 800-Millionen-Euro-Offerte - geplatzt sei.

Die Mannschaft musste also wenigstens aus rein sportlicher Sicht ihre Pflichtaufgabe erfüllen. Dass es eine durchaus emotionale Angelegenheit werden würde, war spätestes zwei Stunden vor dem Spiel klar.

Als der Bayern-Bus am Westeingang der Arena parkte und einen Spieler nach dem anderen ausspuckte, stand Franck Ribery gleich zum ersten Mal im Mittelpunkt. Ribery begrüßte erst wie gewohnt die Ordner am Spielereingang, dann rannte seine Familie auf ihn zu.

Erste Tränen kullerten. Arjen Robben sah seine Entourage zunächst nicht, fast 40 Familienmitglieder und Freunde hatte der Niederländer eingeladen.

Keine Plätze in der Startelf

Im Innenraum baute die Südkurve zeitgleich ihre Choreographie auf, eine kleine Hommage an eine Dekade des ultimativen Erfolgs mit Ribery und Robben. Da wissen die beiden schon, dass sie im letzten Spiel für den FC Bayern zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen.

Am Freitagabend habe Kovac beiden schon Bescheid gesagt, dass er nicht mit ihnen in der Startelf plane. 90 Minuten hat weder Ribery, noch der monatelang verletzte Robben im Tank und auf der Meistermission kann sich Kovac keine Gefühlsduseleien erlauben.

Wie unzählige Male zuvor in den letzten zehn Jahren brauchten die Bayern aber ihr kongeniales Duo dann doch. Ein paar Minuten war der Meisterschaftskampf völlig offen, in München stand es trotz zahlreicher Chancen der Bayern gegen Frankfurt plötzlich 1:1, in Gladbach führte der BVB mit 1:0.

Nur ein weiteres Tor für die Eintracht und den Bayern wäre die Meisterschale noch entglitten. Der Doppelschlag von David Alaba und Renato Sanches war dann das Startsignal für eine Schlussphase wie im Märchen.

Erst durfte der Franzose, bei dessen Einwechslung auf den Rängen schon die ersten Tränen flossen. Sechs Minuten später sprintete Robben aufs Feld. Ein letztes Mal noch sollte es die Vergangenheit richten, mit Serge Gnabry und Kingsley Coman mussten Riberys und Robbens legitime Nachfolger, die Zukunft, den Platz verlassen.

Zuckersüße Meisterschaft

Die Bayern hatten in dieser Saison ja schon einmal einen 3:1-Vorsprung vor eigenem Publikum verspielt, mit den frischen Beinen von Robbery sollte der taumelnden Eintracht aber endgültig der Stecker gezogen werden - und natürlich lieferten die Altstars ein letztes Mal voll ab.

Die Allianz Arena, ansonsten nicht unbedingt als Hort überbordender Leidenschaft bekannt, explodierte förmlich. Wohl ziemlich viele Bayern-Fans unter den 75.000 kannten das ja noch gar nicht: Eine Meisterschaft am letzten Spieltag, auf den letzten Drücker erkämpft nach einer Saison mit Höhen und auch einigen Tiefen.

Und auch den Spielern schmeckte diese siebte Meisterschaft in Folge ganz offenbar besser als einige der Titel in den Jahren davor, wenn Wochen nach der Entscheidung "nur" noch pflichtbewusst nachgefeiert wurde.

"Das war sensationell gut heute", freute sich Thomas Müller am "Sky"-Mikrofon. "Diese Situation, am letzten Spieltag zuhause, Franck kommt rein und macht ein Tor. Arjen kommt rein und macht ein Tor. Es ist Wahnsinn, was die beiden geleistet haben, das weiß jeder hier. Wir hatten dieses Jahr so viel Stress und Ärger, sind nach neun Punkten Rückstand zurückgekommen. Mehr geht nicht."

Uli Hoeneß schlug auf der Tribüne immer wieder die Hände vors Gesicht, wohl aus Scham und aus Ungläubigkeit. Dann konnte auch der Patron nicht mehr und heulte Rotz und Wasser.

"Die Einwechslung war schon emotional, aber mehr übermannt hat es mich, als er das Tor geschossen hat. Dass er an so einem Tag so ein unglaubliches Tor schießt - da konnte ich dann meine Tränen nicht halten, weil ich mich für ihn gefreut habe", beschrieb Hoeneß später bei "Sky" seine Gefühle nach Riberys Tor zum 4:1.

"Ich liebe euch"

Robben mit dem fünften Streich machte den Bilderbuchnachmittag perfekt. "Das waren viele Emotionen, die durch den Körper gehen. Das kann man nicht durch Worte beschreiben. Das muss man einfach erleben. Das ist das Schönste für mich. Mit vielen von den Jungs haben ich sieben, acht oder zehn Jahre zusammengespielt", sagte der Niederländer im TV und später dann vor der Kurve: "Ich werde immer Bayer sein. Das heute war Wahnsinn. Nächste Woche setzen wir noch einen drauf!" Dann steigt das Pokalfinale in Berlin.

Es wird der tatsächlich letzte Vorhang für Robbery. 20 große Titel hat Robben mit den Bayern in zehn Jahren geholt, Ribery sogar 22 in zwölf Jahren. Die beiden haben eine Ära geprägt in München, stehen in einer Reihe mit Ikonen wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Lothar Matthäus oder Stefan Effenberg.

Nächsten Samstag ist endgültig Schluss. Aus ihrem Wohnzimmer haben sich beide schon verabschiedet. Stilecht mit der Familie um sich herum und unter Tränen natürlich. "Danke für alles. 12 Jahre, unglaublich", stammelte Ribery am Stadionmikrofon. "Es war eine tolle Zeit. Ich liebe euch. Mia san Mia."

Mit Aaah und Oooh: Duncan Laurence gewinnt für die Niederlande den Eurovision Song Contest 2019 in Israel. Deutschland hingegen wurde nur Drittletzter mit einer ganz besonders bitteren Pille: Von den Jurys noch mit 32 Punkten bedacht, gab es von den europäischen Zuschauern mit 0 Punkten eine kräftige Ohrfeige. Der Abend in Tel Aviv im Überblick.

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