Heiko Herrlich entlarvt ganz aus Versehen die Anfälligkeiten des DFL-Konzepts zum Bundesligastart und wird am Wochenende nicht auf der Bank sitzen. Doch der Trainer es FC Augsburg ist kein Dummer und wie ihm wird es noch vielen gehen.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Heiko Herrlich hat wochenlang auf dieses Wochenende gewartet und hingearbeitet. Er wollte endlich sein Trainer-Debüt beim FC Augsburg feiern und seinem neuen Sportchef Stefan Reuter mit drei Punkten gegen den VfL Wolfsburg beweisen, dass er die richtige Wahl gewesen ist.

Nun wird Heiko Herrlich am Samstag nicht auf der Trainerbank sitzen und seine Quarantäne, wo auch immer sie sein wird, nicht verlassen dürfen. Er ist Opfer seiner eigenen Ehrlichkeit geworden. Ohne Hintergedanken hat er auf der Pressekonferenz ausgeplaudert, dass er gegen Auflagen verstoßen hat.

Mal eben Zahnpasta und Handcreme wollte er holen, als er verstohlen das Mannschaftsquartier verließ und zum Supermarkt um die Ecke eilte. Er ging vom Zimmer runter und wieder zurück, weil er seine Maske vergessen hatte, lieferte sich einen Plausch mit der Kassiererin, kaufte ein und kehrte zurück.

Heiko Herrlich ist kein Dummer

Nichts beschreibt die Anfälligkeit des verordneten Spielsystems typischer als diese Anekdote. Heiko Herrlich musste nicht enttarnt werden wie wenige Tage zuvor der Herthaner Kalou bei seinem Facebook-Video. Der Neue in Augsburg folgte einem nachvollziehbaren Trieb und dachte sich nichts dabei.

Sonst hätte er die Geschichte wohl kaum freimütig erzählt. Was aber nutzen die Vorschriften und guten Worte, wenn sogar das Führungspersonal der Liga die Regeln unterschätzt, umgeht und am Ende missachtet? Heiko Herrlich ist kein Dummer. Er hätte früher wissen müssen, was er da anstellt.

So wird es vielen Akteuren in der Bundesliga gehen. Man wird von einigen Vorfällen hören, die bestenfalls zum Schmunzeln reizen, schlimmstenfalls zum Wutausbruch, dass die Grenzen des Miteinanders nicht eingehalten werden. Taugt das Hygienekonzept der Bundesliga deshalb nicht?

Wie groß ist das Restrisiko?

Man kann den Sachverhalt mit dem Straßenverkehr vergleichen. Jeder weiß, dass ein Autofahrer jederzeit eine Rote Ampel überfahren und für die Fußgänger zu einer tödlichen Gefahr werden kann. Soll man deswegen den Straßenverkehr grundsätzlich verbieten? Konsequent wäre es wohl.

Das Hygienekonzept stellt für die Bundesliga Regeln auf, um die Gefahr einer Ansteckung allenfalls zu minimieren. Beseitigen kann die gute Absicht das Risiko nicht. Die Frage ist eher: Wie groß ist das Restrisiko? Der Theorie folgt am Samstag der Praxistest.

Und eines muss klar sein: So wenig wie die Polizei jeden schnappt, der bei Rot über die Ampel fährt, wird nicht jeder Übeltäter überführt. Im Moment können wir über den törichten Heiko Herrlich lachen. Aber wehe, er bleibt kein Einzelfall. Zahnpasta und Handcreme reichen nicht mehr als Ausrede.

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Pit Gottschalk ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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