Sechs Spieltage sind absolviert und die Bundesliga beglückt uns schon wieder mit der vollen Bandbreite der Emotionen - die ersten Gewinner und Verlierer, die Enttäuschungen und Enttäuschten, die Newcomer und Rekordbrecher. Eine Zwischenbilanz.

Die Gewinner: Der FC Bayern München pflügt schon wieder durch die Liga. Gegen die Kleinen genügt eine bessere B-Mannschaft und in den Spitzenspielen walzt der Rekordmeister einfach über die Konkurrenz hinweg (3:0 gegen Leverkusen, 5:1 gegen Wolfsburg). Nur Borussia Dortmund hält mit. Wie gut der neue BVB aber tatsächlich ist, wird sich Anfang Oktober zeigen. Dann gastiert Dortmund bei den Bayern.

In der Bundesliga passiert Mysteriöses: die Lehren des Spieltags.

Die Verlierer: Für ein paar mit großen Erwartungen gestartete Angreifer verläuft die Saison bisher zum Teil katastrophal. Andre Schürrle wollte mit einer vernünftigen Vorbereitung in den Beinen endlich ein fester Bestandteil der Wolfsburger Startformation werden. Die Bilanz bisher: 154 Minuten Einsatzzeit, kein Spiel über 90 Minuten, kein Tor, kein Assist und ziemlich schwache Leistungen. Kevin Kuranyis Rückkehr ist auch nur unwesentlich besser verlaufen. Der ehemalige Nationalspieler war zuletzt nur noch Ergänzungsspieler. Ähnlich wie bei Josip Drmic, der das enttäuschende Jahr in Leverkusen mit dem Wechsel nach Gladbach wieder wettmachen wollte. Bisher ist der Schweizer aber eine einzige Enttäuschung.

Die Überraschung(en): Ingolstadt und Darmstadt hätte man so eine fixe Eingewöhnung wohl nicht zugetraut. Der FCI erweist sich als ebenbürtiger Gegner, in zehn der zwölf absolvierten Halbzeiten bisher blieben die Schanzer ohne Gegentor. Und Darmstadt? Lebt das Mantra des Underdogs wie ein Klischee und ist dazu noch in der Lage, mit einfachstem Fußball die Großen zu ärgern. Die beiden Aufsteiger halten sich erstaunlich gut, das Polster auf die Abstiegsplätze beträgt schon sieben beziehungsweise acht Punkte.

Presse reagiert mit Unverständnis auf Rücktritt des Trainers.

Die Enttäuschung: Es soll ein paar ganz Verwegen gegeben haben, die Borussia Mönchengladbach in dieser Saison sogar den Meistertitel zugetraut haben. Nach sechs Spieltagen kann man wohl schon sagen, dass daraus nichts wird. Trotz des ersten Saisonsiegs wird es noch eine ganze Weile dauern, bis sich die Fohlen aus dem Tabellenkeller gearbeitet haben.

Der Aufreger: Lucien Favre bekam bei den meisten Buchmachern die niedrigste Quote bei der Wette auf den ersten Trainerrauswurf der Saison, der Schweizer lag damit sogar noch besser im Rennen als Bayerns Pep Guardiola. Nach fünf Spielen warf Favre völlig unerwartet von sich aus hin und erzwang im wahrsten Sinne des Wortes die erste Trennung zwischen Klub und Coach. Das hatte es in der Bundesliga so auch noch nicht gegeben. Die Buchmacher zahlen übrigens nur zögerlich aus, schließlich war Favres Abgang kein Rauswurf im herkömmlichen Sinn.

Der schlimmste Pfiff: Bayerns Elfmeter gegen Augsburg. Ausgerechnet dem besten deutschen Schiedsrichter Knut Kircher wurde diese Fehleinschätzung von seinem Assistenten Robert Kempter untergejubelt. Einen so lächerlichen Elfmeter hat es - abgesehen von zahllosen dreisten Schwalben - schon lange nicht mehr gegeben.

Das Comeback: Ein halbes Jahr war Alex Meier nach einer Knie-OP außer Gefecht und nicht wenige fragten sich, ob es der 32-Jährige noch einmal auf das Niveau der Vorsaison schaffen kann. 189 Sekunden benötigte Meier, um die Frage zu beantworten. Mit der ersten Ballaktion traf er gegen Köln ins Netz und ließ danach noch zwei Tore folgen. Ein Dreierpack zum Comeback - eigentlich standesgemäß für den Torschützenkönig der vergangenen Saison.

Der steilste Rekord: Stuttgart, Hannover, Hoffenheim - sie alle haben neue Negativrekorde. Borussia Dortmund dagegen ist so gut gestartet wie keine andere Mannschaft in 52 Jahren Bundesliga. Pierre-Emerick Aubameyang hat in jedem der sechs Saisonspiele bisher getroffen. Und doch überstrahlt Robert Lewandowski alles. Dessen fünf Tore in neun Minuten gegen Wolfsburg sprengen alle Dimensionen. "Marsmensch Lewandowski!", schrieb Italiens "Gazzetta dello Sport". Das trifft es wohl ganz gut.

Der Newcomer: Nun, ganz so neu ist Leroy Sane nicht in der Bundesliga. Aber jetzt startet Schalkes Nachwuchshoffnung mal so richtig durch. Mit seinen Turbodribblings wirbelt er gegnerische Abwehrreihen nur so durcheinander. Natürlich geht im Überschwang auch mal etwas schief, Tore wie die gegen Stuttgart und Frankfurt zuletzt machen aber Lust auf noch mehr in naher Zukunft.

Der Rückkehrer: 500 Fans strömten an einem Sonntag gegen Mitternacht zum Bremer Flughafen, nur um ihn willkommen zu heißen: Claudio Pizarros dritter Anlauf bei Werder Bremen versetzte eine ganze Stadt kurzzeitig in einen kollektiven Rausch. Das Trikot mit der Nummer 14 wurde tausendfach verkauft, Pizarro selbst sprach sogar schon von der Champions League. Aber Piza - bald 37, zuletzt fast nur verletzt - taugt als großer Hoffnungsträger wohl nur bedingt.

Das Sorgenkind: Nicht nur Platz 18 gibt Anlass zu großen Zweifeln an der Bundesligatauglichkeit von Hannover 96. Es ist vielmehr der kaum existente Plan, wie die Mannschaft Fußball spielen will. Das Team taumelt nur so durch seine Spiele, Trainer Michael Frontzeck ist schwer angezählt. Hinter den Kulissen ist mit Martin Bader ein neuer Geschäftsführer gefunden - die großen Baustellen kann aber auch der bis zur Winterpause nicht zuschütten. Und die Fans sind früh in der Saison schon wieder auf Konfrontationskurs mit Boss Martin Kind. Hannover gibt im Gesamtpaket derzeit ein bedenkliches Bild ab.

Hier schlummert Potenzial: Beim VfB Stuttgart stehen Leistungen und Ertrag im krassen Missverhältnis. Vielleicht löst der Sieg in Hannover den Knoten, die Spielweise der Schwaben (nur die Bayern haben sich mehr Torchancen erarbeitet) steht jedenfalls für ein Spektakel. Auch in Dortmund wächst Großes: Mit Julian Weigl reift ein großer Stratege heran. Der spielt zwar kaum einmal spektakulär, ordnet aber mit seinen 19 Jahren das Spiel des BVB wie schon ein Routinier.