Sven Ulreich treibt beim FC Bayern die Entpepisierung voran, Pierre-Emerick Aubameyang bekommt Konkurrenz durch Naby Keita, Vedad Ibisevic versteht die Welt nicht mehr und ja, der Videoschiedsrichter ist auch schon wieder ein Thema. Die (wie immer nicht ganz ernst gemeinten) Lehren des 6. Bundesliga-Spieltags.

Eine Glosse
von Swen Thissen, Chef vom Dienst Mobile & Social Media (nicht mehr im Unternehmen)

1. Lehre: Die Entpepisierung schreitet voran

Witze über den Fehler von Sven Ulreich im Spiel des FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg muss man wahrlich nicht machen. Der Anschlusstreffer für die Gäste war ohnehin schon amüsant genug.

Dass Manuel Neuer diesen harmlosen Schuss auch mit verbundenen Augen und nur mithilfe seines legendären Reklamierarms problemlos gehalten hätte, weiß Ulreich selbst. Immerhin hat endlich mal wieder ein deutscher Torhüter einen Ball schleichen lassen, wie es Fußballdeutschland seit dem Karriereende von Oliver Reck nicht mehr gesehen hat.

Aber seien wir ehrlich: Ulreich war nicht das größte Problem des FC Bayern, bei dem die Entpepisierung mehr und mehr voranschreitet. Von der Leichtigkeit des Spiels, dem selbstverständlichen Siegeswillen, dem andauernden Powerfußball ist nicht mehr viel zu sehen. Entwickelt sich der FC Bayern seit Guardiolas Weggang in die richtige Richtung? Entwickelt Trainer Carlo Ancelotti sein Team überhaupt in irgendeine Richtung? Man darf, muss aber nicht zweifeln.

Was die Bayern gegen Wolfsburg zeigten, war erschreckend wenig. Doch wie bei Ulreich sind fiese Sprüche oder doofe Witze nicht angebracht. Freuen wir uns lieber darüber, dass die Chance besteht, dass in der Bundesliga endlich, endlich, endlich mal wieder Spannung im Titelrennen aufkommen könnte. Erst recht, wenn Borussia Dortmund weiterhin derart überzeugt wie am Samstag gegen Mönchengladbach.

Immerhin durften die Bayern sich am Tag nach dem Rückschlag ein wenig auf der Wiesn ablenken (Bilder vom Besuch auf dem Oktoberfest sehen Sie hier). Da konnte dann auch Ulreich wieder lächeln:

2. Lehre: Vedad Ibisevic spricht undeutlich – oder der Schiri hört schlecht

90. Minute in Mainz: Rot gegen Vedad Ibisevic. Schiedsrichterbeleidigung. Der Berliner Angreifer verstand die Welt nicht mehr. Und sagte im Interview bei Sky Sätze, die Fragen aufwerfen: Ist Schiedsrichter Tobias Stieler schwerhörig? Leidet Ibisevic unter Gedächtnisverlust? Spricht der Angreifer zu undeutlich? Oder ist das die schlechteste Ausrede, die sich je ein Spieler ausgedacht hat?

Wir zitieren Ibisevic: "Der Schiedsrichter hat mich nicht verstanden. Er wollte mich rausschicken. Ich meinte, es sei besser drauf zu bleiben wegen der Nachspielzeit. Daraufhin meinte ich, das sei schlecht. Dann hat er mich runtergeschickt. Meine Mitspieler meinten, der Schiedsrichter hat verstanden, dass ich gesagt hätte, er sei 'scheiße'. Ich hoffe, es gibt auch da Lippenleser."

3. Lehre: Da ist es, das albernste Trikot der Welt

Es gibt in Deutschland ja einige Klubs, die sich selbst als Karnevalsverein feiern. Der 1. FC Köln zum Beispiel. Oder der 1. FSV Mainz 05.

Der VfB Stuttgart gehörte bis Samstag nicht dazu. Doch dann liefen die Schwaben im albernsten Trikot auf, das je im deutschen Profi-Fußball getragen wurde – und das ist durchaus eine Kunst, wenn man bedenkt, dass der TSV 1860 München jedes Jahr ein hässliches Wiesn-Trikot herausbringt und Tim Wiese einst in grellpinken Leibchen auflief.

Doch das Fritzle-Trikot des Aufsteigers ist definitiv nicht zu überbieten. Es ist mit Worten kaum zu beschreiben. Daher: Sehen Sie einfach selbst …

4. Lehre: Der Swag hat Leipzig erreicht

Fußballer, die den Swag aufdrehen, gibt es einige. David Alaba und seine Freunde beim FC Bayern beispielsweise, Pierre-Emerick Aubameyang in Dortmund sowieso.

Doch der neue König des Swags kommt aus Leipzig. Naby Keita, wegen einer Sperre am Samstag nur Zuschauer, saß in einem Outfit auf der Tribüne, das sein Trainer Ralph Hasenhüttl nach der Partie mit den Worten "Wir mussten in der Kabine auch schon schmunzeln" dezent-zurückhaltend umschrieb:

5. Lehre: Ein paar Regeln für den Videoschiedsrichter

Eigentlich sollte es in dieser Woche nicht schon wieder eine Lehre über den Videoschiedsrichter geben. Aber was will man machen, wenn die Probleme von Woche zu Woche eher größer als kleiner werden?

Weil wir aber eigentlich keinen Bock mehr darauf haben, andauernd über ein unsäglich undurchdachtes System zu meckern, schlagen wir hiermit drei Maßnahmen vor, damit der Videoschiedsrichter endlich zu einer Erfolgsgeschichte wird:

  • Pfeif- und Winkverbot für Schiedsrichter und deren Assistenten, die sich nicht sicher sind, was sie da gerade sehen - wofür gibt es denn einen Videoassistenten, der im Zweifel entscheiden kann? In Leipzig hingegen winkte der Mann an der Seitenlinie vor dem (nicht gegebenen) 1:1 durch Luka Jovic für Eintracht Frankfurt, weil er glaubte, der von Jonathan de Guzmán getretene Eckstoß sei im Aus gewesen. Die TV-Bilder von Sky konnten das hinterher nicht beweisen.
  • Klare Kommunikation, wann ein Videoschiedsrichter einzugreifen hat. Und wann nicht. Denn kein Mensch versteht, was nun der Unterschied war zwischen dem Elfmeter für Mainz gegen Hertha BSC und den strittigen Entscheidungen zwischen dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt am Mittwoch, als der Mann in der Videozentrale sich nicht meldete.
  • Verbindliche Regeln für die Videoschiedsrichter in Köln: Ab sofort sind Pinkel- und Raucherpausen während der Partie verboten. Ebenso wie Mittagsschläfchen. Dann kann es nicht mehr passieren, dass eine Elfmeter-Fehlentscheidung wie am Freitag zu Gunsten des FC Bayern nicht revidiert wird.

Und ja, all das hätte man sich VOR der Saison bereits überlegen können. Hat man aber nicht. Also muss man nun die richtigen Lehren (des Spieltags) ziehen …