Schiedsrichter Knut Kircher sollte einen Bogen um Volksfeste machen, Thomas Müller kann einfach kein Fairplay, Alex Meier ist total unnormal normal, die Champions League rentiert sich nicht und Borussia Dortmund wird zum Mäuschen. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

Sabrina Schäfer
Eine Glosse
von Sabrina Schäfer, Redakteurin Sport und stellvertr. CvD

1. Erkenntnis: Knut Kircher und Robert Kempter sollten Volksfeste meiden

Eigentlich ist Markus Weinzierl ja ein wahnsinnig netter, ruhiger Mensch. Dachten wir zumindest immer. Doch nach dem Spiel seines FC Augsburg beim FC Bayern München wurde der FCA-Trainer doch dezent ausfallend. "Wir sind beschissen worden", motzte er in die Mikrofone.

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Jetzt muss man dazu sagen: Weinzierl hat in seiner Grundaussage absolut Recht. Der Elfmeter, der seinen Augsburgern das Unentschieden kostete, war ein äußerst unlustiger Witz. Und darüber kann man sich als Trainer ruhig mal aufregen. Was uns eher Sorgen macht, ist, dass in München demnächst ein relativ großes Volksfest stattfinden soll. Das an sich ist noch nicht besonders besorgniserregend (außer man lebt in München, mag kein Bier und auch keine Australier - aber das nur am Rande), aber wir würden Schiedsrichter Knut Kircher und seinem Assistenten Robert Kempter dringend raten, sich von dort fernzuhalten.

Denn wie wir vergangene Woche dank der "Bild" gelernt haben, sorgt Markus Weinzierl gerne mal auf Volksfesten für Ärger. Also angeblich zumindest. Wir würden das Risiko ja nicht eingehen ...

2. Erkenntnis: Ein Thomas Müller schießt nicht vorbei

"Thomas Müller wäre der Star gewesen heute, wenn er Fair Play gespielt und rübergeschossen hätte. Aber das kann man, glaub ich, nicht erwarten", haderte Augsburgs Jan-Ingwer Callsen-Bracker nach dem Spiel bei den Bayern mit der Treffsicherheit des Elfmeterschützen. Aber lieber Jan-Ingwer, das kann man wirklich nicht erwarten. Immerhin geht es hier um Thomas Müller. Den Mann, der selbst die beschissenste Flanke zu Gold macht; der sogar mit verbundenen Augen und auf den Rücken gebundenen Händen treffen würde; der vermutlich an keinem ballähnlichen Gegenstand vorbeigehen kann, ohne ihn zu treten; der 19 seiner 21 Pflichtspielelfmeter verwandelt hat.

"Seid gewarnt, ihr Abwehrketten! Diesen Müller stoppt man nicht!"

Will heißen: Selbst wenn Thomas Müller der ultimative Über-Fairplay-Player des Jahrtausends hätte werden wollen und er deshalb versucht hätte, die Kugel tatsächlich vorbeizusetzen, er hätte vermutlich trotzdem getroffen. Das ist bei Müller nun mal so.

3. Erkenntnis: Alex Meier ist total normal

Alex Meier war fünf Monate verletzt. Anderen Spielern muss man nach einer derart langen Zeitspanne erstmal wieder Abseits erklären und das Tor zeigen. Alex Meier braucht das nicht. Alex Meier tut nämlich einfach so, als wäre er überhaupt gar nie nicht weg gewesen. Und deshalb trifft Alex Meier gegen den 1. FC Köln gleich dreimal. Nur falls jemand dachte, er hätte irgendwas verlernt. Ganz normal ist das nicht, könnte man meinen. Ist es aber doch. Das hat nämlich Frankfurts Armin Veh sehr schlüssig erklärt: "Dass Alex Meier drei Tore nach fünf Monaten macht, ist unnormal. Aber er ist ja auch unnormal - also ist doch wieder alles normal."

Jetzt ist eigentlich nur noch eine Sache zu klären: Warum spielt dieser Meier eigentlich nicht in der Nationalmannschaft?

4. Erkenntnis: Die Champions League rentiert sich nicht

Warum wollen eigentlich immer alle Champions League spielen? Jaja, es gibt ziemlich viel Schotter für ein paar Spielchen, aber rentiert sich das wirklich? Denn anscheinend lähmt allein die Aussicht darauf, gegen Hochkaräter wie Olympiakos Piräus, Bate Borrisow oder ZSKA Moskau antreten zu müssen, die Beine. Anders ist es ja wohl kaum zu erklären, dass sich sämtliche deutsche Champions-League-Teilnehmer ausgerechnet am Spieltag vor dem Beginn der Königsklasse anstelle von Ruhm allerhöchstens mit Ketchup bekleckert haben. Der FC Bayern war gegen den FC Augsburg nicht mal gut genug für die 2. Liga (und das sagen nicht wir, das sagt Jerome Boateng), der VfL Wolfsburg schnarchte sich gegen Aufsteiger Ingolstadt zu einem Unentschieden und Bayer 04 Leverkusen ergab sich gleich ganz dem fröhlichen Aufsteiger aus Darmstadt. Oh und äh, Borussia Mönchengladbach, die schweigen wir mal lieber ganz tot ...

5. Erkenntnis: Der BVB wird zum Mäuschen

Nachdem Borussia Dortmund gegen Hannover 96 eine bärenstarke Aufholjagd hingelegt hat und damit weiterhin vor den Bayern auf Platz eins der Tabelle steht, könnte man schon etwas forschere Töne vom BVB erwarten. Zumindest der All-time-classic "Wir wollen es den Bayern so schwer wie möglich machen" wäre doch durchaus mal angebracht, oder? Stattdessen Mäuschentöne aus dem Pott: "Das geht mir zu schnell", mauschelt Watzke. Und Thomas Tuchel findet, man tue gut daran, sich erst einmal auf sich selbst zu konzentrieren.

Wenn die Herren demnächst noch davon sprechen, dass man sich erst freue, wenn der Klassenerhalt geschafft ist, wissen wir endgültig: Watzke hat im Sommer ein Öffentlichkeitsarbeitsseminar bei FCA-Manager Stefan Reuter besucht.