Vor dem Champions League-Achtelfinale muss der FC Bayern seine Defensiv-Aussetzer in den Griff bekommen.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer, Freier Autor

Meisterschaft? Entschieden. Im Pokal? Gut dabei. In der Champions League? Mit Besiktas Istanbul einen verhältnismäßig leichten Gegner vor der Brust. Besser kann es eigentlich nicht laufen beim FC Bayern. Man muss schon mit der Lupe hinsehen, um ein Haar in der Suppe zu finden.

Wenn man das allerdings tut, ist in dieser Rückrunde schon ein Trend zu erkennen, der weiter zu beobachten sein wird. Trotz fünf Siegen in der Bundesliga im Jahr 2018 ist beim Rekordmeister nicht alles Gold, was glänzt.

Sicher, ein gewisser Spannungsabfall ist bei 18 Punkten Vorsprung nur allzu verständlich. Dennoch fällt auf, dass die Defensive der Münchner nicht immer sattelfest agierte.

Über ein Gegentor pro Partie

Sechs Gegentore haben die Münchner in den fünf Rückrundenpartien kassiert. Zwei gegen Werder, zwei gegen Hoffenheim und jeweils eins gegen Schalke und Leverkusen. Im gleichen Zeitraum in der Hinrunde unter Carlo Ancelotti kassierten die Bayern nur drei Treffer.

Rechnet man den aktuellen Gegentor-Schnitt der Rückrunde hoch auf eine gesamte Saison, würde die Elf von Jupp Heynckes insgesamt 40 Gegentore kassieren. So viele wie zuletzt in der Saison 2008/2009 unter Jürgen Klinsmann.

Auffällig auch: Die Münchner ließen auch etwas mehr Abschlüsse zu (10) als im Rest der Saison (8). Der Gegentreffer-Anstieg ist also kein Zufall.

Wie gesagt: All das ist Jammern auf sehr hohem Niveau und doch sollte das Trainerteam um Heynckes genau hinschauen. Denn die Aufgaben werden tendenziell größer. Vor allem in der Champions League könnten eine Reihe von offensivstarken Teams auf die Münchner warten. Wer am Mittwoch das Duell zwischen Paris St. Germain und Real Madrid verfolgte, bekam eine Ahnung davon.

Wer darf im zentralen Mittelfeld starten?

Es ist schwer, die sporadisch auftretenden Defensivprobleme an einem speziellen Grund festzumachen. Auffällig: Neben einem Gegentor nach einer Ecke hatten fünf der sechs Gegentreffer ihren Ursprung in Vorstößen durch die Mitte.

Mehrfach gelang es dort den Gegnern in den Rücken der Münchner Mittelfeldreihe zu kommen. Immer wieder stimmten hier die Abstände zwischen Viererkette und Mittelfeld nicht. Auch einige frühe Ballverluste führten zu gegnerischen Chancen.

Spannend werden deshalb vor allem die personellen Entscheidungen im defensiven Mittelfeld. Javi Martínez etwa fehlte zuletzt gegen Mainz und Schalke. Für ihn starteten Vidal und Tolisso. Auch Rudy bekam mal wieder eine Chance.

Martínez ist der mit Abstand beste Defensivanker im zentralen Mittelfeld. Der Baske hat das volle Vertrauen des Trainerteams, das schon in der Triple-Saison konstant auf ihn setzte. Die Rückkehr von Thiago sorgt nun für noch mehr Auswahl im Zentrum.

Gegen Werder und Schalke verzichteten die Bayern zuletzt zwei Mal auf einen zweiten zentralen Mittelfeld-Spieler und bauten mit James, Müller, Robben, Ribéry und Lewandowski auf eine extrem offensive Ausrichtung. Gegen die europäischen Top-Teams wahrscheinlich ein zu riskantes Unterfangen.

Auch in der Innenverteidigung hat Heynckes inzwischen die freie Auswahl. Boateng und Hummels dürften aufgrund ihrer Erfahrung in der Champions League einen kleinen Vorteil vor Niklas Süle haben.

In der Liga sind die Defensiv-Aussetzer für den FC Bayern locker zu kompensieren. Spätestens wenn die großen Gegner in der Champions League kommen, könnte jedoch jeder Fehler hart bestraft werden. Auch wenn man genau hinschauen muss, um derzeit ein Haar in der Suppe zu finden: Die Münchner müssen an ihrer defensiven Stabilität arbeiten.

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