Nach dem Eklat von Leverkusen droht Roger Schmidt ein sportrechtliches Nachspiel. Die vom Bayer-Coach beim 0:1 gegen Dortmund provozierte fast zehnminütige Spielunterbrechung wird nun zum Fall für den Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Selbst als sich die erste Aufregung ein wenig gelegt hatte, zeigte Bayer 04 Leverkusen nur bedingt Reue. "Ich weiß, die Schiedsrichter werden sich wieder alle gegenseitig in Schutz nehmen. Jeder wird sagen, unser Trainer hätte vom Platz gehen müssen", klagte Rudi Völler.

Auf Fragen nach den nun drohenden Konsequenzen für den eigenen Coach reagierte der Sportdirektor gar sarkastisch: "Ich weiß nicht, ob der Herr Zwayer nun gesperrt wird. Das kann ich mir nicht vorstellen."

Der Sportdirektor von Bayer Leverkusen leistete sich bei Sky einen seiner legendären Wutausbrüche. Völler lieferte sich mit Moderator Hellmann ein äußerst hitziges Rededuell und war im Laufe des Interviews kaum zu beruhigen.

Felix Zwayer unterbricht Spiel

Der Zwist zwischen Referee Felix Zwayer und Schmidt erhitzte die Gemüter. Schmidt hatte sich den Anweisungen des Schiedsrichters, den Innenraum des Stadions zu verlassen, aus Ärger über den Führungstreffer des BVB widersetzt und damit für ein Novum in der Bundesliga-Historie gesorgt.

Erst nach der Spielunterbrechung räumte er seinen Platz in der Coaching-Zone und verfolgte die restliche Partie laut Bayer-Kapitän Stefan Kießling von der Kabine aus.

Schmidt entschuldigt sich

"Ich habe da natürlich eine Vorbildfunktion und der bin ich heute auch nicht gerecht geworden. Ich bin zu stur gewesen", bekannte Schmidt.

Doch es dürfte seiner Position in den nun folgenden Ermittlungen nicht zuträglich gewesen sein, dass er schon im nächsten Satz erneut über Zwayer klagte: "Dass der Schiedsrichter bei freier Sicht diesen Elfmeter nicht pfeift, vielleicht auch, weil ich vorher zu emotional war. Ich hoffe nicht, dass es so war, aber mir fällt keine andere Erklärung dazu ein."

Zwayer gibt Fehlentscheidung zu

Damit stellte Schmidt indirekt eine Verbindung zwischen seiner Verbannung und einer Fehlentscheidung des Referees wenige Minuten später her.

Zwayers Reaktion auf diese Anschuldigung fiel kurz und knapp aus: "Kein Kommentar." Allerdings räumte der Schiedsrichter ein, das von Schmidt angesprochene klare Handspiel des Dortmunders Sokratis im Strafraum übersehen zu haben: "Dazu muss ich sagen, dass wir bedauerlicherweise falsch entschieden haben. Wenn wir die Perspektive der Fernsehbilder gehabt hätten, hätten wir auf Elfmeter entschieden."

Krug: "Längere Sperre durchaus denkbar"

Eine Entscheidung des DFB-Kontrollausschusses über eine mögliche Sperre für Schmidt ist bislang nicht gefallen. Hellmut Krug, Schiedsrichterberater der DFL, meinte gegenüber der "Bild": "Eine längere Sperre für Roger Schmidt ist durchaus denkbar."

Auch Schiri-Chef Herbert Fandel hatte kein Verständnis für die Reaktion des Bayer-Coaches: "Es kann nicht sein, dass der Trainer eine Entscheidung ignoriert und eine persönliche Erklärung des Unparteiischen durch sein Verhalten erzwingen will."

(ska/fte/dpa)