Alex Meier feierte gegen den 1. FC Köln ein sensationelles Comeback: Im ersten Spiel nach fünf Monaten Verletzungspause traf der Stürmer von Eintracht Frankfurt dreifach. Der amtierende Torschützenkönig unterstrich beim 6:2-Sieg einmal mehr seine Klasse. Es wird Zeit, dass auch Joachim Löw das anerkennt - und Meier für die Nationalmannschaft nominiert. Ein Kommentar.

Ein Kommentar
von Swen Thissen, Chef vom Dienst Mobile & Social Media (nicht mehr im Unternehmen)
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Fußballer mit seltsamen Frisuren

So haarsträubend geht es auf den Köpfen so mancher Fußballer zu.

Alex Meier ist amtierender Torschützenkönig der Bundesliga. Er hat in 296 Liga-Spielen für Eintracht Frankfurt 104 Tore geschossen und 44 vorbereitet, hinzu kommen elf Treffer im DFB-Pokal und neun im Europacup. Am Samstag feierte der 32-Jährige ein sensationelles Comeback nach fünfmonatiger Verletzungspause: Drei Tore erzielte Meier beim 6:2-Sieg gegen Köln, spielte kluge Pässe, stopfte Lücken, hatte bei seiner Auswechslung knapp elf gelaufene Kilometer auf dem Tacho. "Alex ist nicht normal", sagte sein Trainer Armin Veh. Minutenlang feierten die Fans ihren "Fußballgott". Wieder einmal. Nur einen Mann scheinen die sensationellen Leistungen Meiers kalt zu lassen: den Bundestrainer.

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Als Meier im Herbst im ZDF-Sportstudio zu Gast war, schickte auch Joachim Löw nette Grüße per Videobotschaft - schloss dort aber auch kategorisch aus, dass Meier noch für die DFB-Elf wird auflaufen dürfen. Der Stürmer nahm es mit Fassung zur Kenntnis, schaute allerdings ein wenig verdutzt in die Kamera. Denn ein stichhaltiges Argument hatte Löw nicht genannt.

Vielleicht hat der Bundestrainer den Meier-Höhenflug unterschätzt. Doch heute, knapp ein Jahr später, weiß Fußball-Deutschland, dass Meier in der Form seines Lebens ist, während die Nationalmannschaft ein Stürmerproblem hat: Miroslav Klose spielt nicht mehr für die DFB-Elf, Lukas Podolski läuft seit Jahren seiner "Sommermärchen"-Form hinterher, Mario Gomez kommt nicht richtig auf die Beine, Kevin Volland hat in Hoffenheim Probleme, Marco Reus ist häufig verletzt, André Schürrle sitzt in Wolfsburg meist nur auf der Bank. Wie kann man es sich da erlauben, den Torschützenkönig zu ignorieren? Wer kann da nachvollziehen, dass Meier nicht einmal zu einem Testspiel-Wochenende eingeladen wird, damit sich Löw den Frankfurter genauer anschauen kann?

Auch das Alter spricht nicht gegen Alex Meier

Es scheint, als hätte Löw eine Grundsatzentscheidung gegen Meier getroffen - und wolle an dieser nun nicht aufgrund des Leistungsprinzips, sondern aus Sturheit festhalten. Meier ist ein feiner und laufstarker Fußballer, in der Defensivbewegung eine Bank, mit 1,96 Metern Körpergröße auch mit dem Kopf gefährlich und seit vier Jahren durchgehend in Top-Form - von zwei Verletzungspausen abgesehen. Nicht einmal das Alter ist ein Argument gegen Meier: Wenn ein Bundestrainer in der 60. Minute den Luxus hat, den treffsichersten Stürmer der Bundesliga einwechseln zu können, ist es völlig egal, ob der Joker 22, 32 oder 42 Jahre alt ist.

Dass Meier auch menschlich hervorragend zur Nationalelf passen würde, ist unbestritten. Er ist bescheiden, zurückhaltend, nimmt sich selbst nicht zu wichtig, strotzt aber gleichzeitig vor Ehrgeiz. "Die zweite Halbzeit war ja gar nicht so gut, das geht besser", sagte er nach der 6:2-Gala gegen Köln. Und: "Ich musste doch nur Kopf und Fuß hinhalten - es war nicht schwer, die Tore zu erzielen. Das war die Arbeit der Vorbereiter."

Passend zu dieser zurückhaltenden Art hat Meier schon mehrfach gesagt, dass er nicht mehr von der Nationalmannschaft träume. Er klopft keine Sprüche, sondern macht weiter - und erzielt für die Eintracht seine Tore. Und vielleicht wird auch der Bundestrainer irgendwann doch noch erkennen, dass dieser Mann in die Nationalmannschaft gehört. Denn auf einen Mann wie Alex Meier darf Joachim Löw eigentlich nicht verzichten.