50 Jahre Rote Karte: Die kuriosesten Platzverweise der Bundesliga

Sie gehört heute zum Fußball wie das Tor oder der Rasen: die Rote Karte. Vor genau 50 Jahren, am 3. April 1971, wurde in der Bundesliga die erste Rote vergeben. Seitdem kam sie oft zum Einsatz – manchmal auch ungerechtfertigt. Das waren die kuriosesten Roten Karten in der Geschichte der Bundesliga. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Zur Rückrunde der Bundesligasaison 1971 wurden die Rote und die Gelbe Karte eingeführt – als optisches Signal für eine Verwarnung und einen Platzverweis. Vorher mussten die Schiedsrichter ihre Strafe mündlich mitteilen.
Zuvor kam das Karten-System bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko zum ersten Mal zum Einsatz. Auch wenn die Rote Karte dort nie gezogen wurde, setzte sie sich weltweit durch.
Die erste Rote Karte überhaupt bekam Eintracht Frankfurt – genauer gesagt Friedel Lutz (Bild) am 3. April 1971. Als dieser von Gegenspieler Jaro Deppe (Eintracht Braunschweig) böse gefoult wurde, ließ er das nicht auf sich sitzen. Beim Revanchefoul sah Schiedsrichter Wilfried Hilker im wahrsten Sinne des Wortes rot.
Die erste Rote Karte in einer Fußball-Weltmeisterschaft wurde am 14. Juni 1974 vom türkischen Schiedsrichter Doğan Babacan gezückt – und zwar im Vorrundenspiel Deutschland gegen Chile. Getroffen hat es den Chilenen Carlos Caszely (Bild), der ein Revanchefoul an Berti Vogts begannen hatte.
Stefan Effenberg (l.), der damals für den FC Bayern München spielte, musste im Spiel gegen FC Schalke 04 das Spielfeld verlassen. Er sah die erste Gelb-Rote Karte am 20. August 1991. Das passierte ihm während seiner Karriere noch öfter - und zwar ganze 111 Mal in 370 Einsätzen.
Die schnellste Rote Karte gab es in einer Partie von Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt. Nur 43 Sekunden dauerte das Spiel für Marcel Titsch-Rivero 2011, bis er vom Platz flog. Er wurde kurz vor Schluss bei Frankfurt eingewechselt und Sekunden später für eine Notbremse bestraft. Das war für den damals 21-Jährigen "ein Albtraum", sagte er später im Interview bei "dfb.de".
Ein Schokoriegel sorgte 1998 für einen Platzverweis: In der Partie Bayer 04 Leverkusen gegen SV Werder Bremen traf den Bremer Torwart Oliver Reck (Bild) ein Schokoriegel. "Ich war einen Moment lang benommen", sagte Reck später in einem Interview.
Ersatzspieler Uwe Harttgen (r.) kam zu Hilfe und hielt dem Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich das Beweisstück entgegen. Der Schiedsrichter erkannte Harttgen allerdings nicht und stellte ihn vom Platz. Offenbar glaubte er, der Spieler sei ein Fan.
Doch das sollte in dieser Partie noch nicht alles gewesen sein: Torwart Oliver Reck berührte bei einem Befreiungsschlag einen gegnerischen Spieler und bekam dafür eine Gelb-Rote Karte – seltsam, da der Torwart noch keine Gelbe Karte zuvor kassiert hatte. Als der Schiedsrichter den Fehler bemerkte, wurde eine Rote Karte daraus. "Ich hatte einen Blackout", sagte Fröhlich später über seine Entscheidungen.
Auch ein Maskottchen zog in der Bundesliga-Geschichte bereits die Rote Karte. Gerade als das Spiel FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund vorbei war, ergriff das Schalker Maskottchen Erwin die Chance und zeigte Schiedsrichter Felix Zwayer die Rote Karte für seine Leistung. Während viele es mit Humor nahmen, sah das Referee Thorsten Kinhöfer anders: Erwin würde den Schiedsrichter bloßstellen. Am Ende gab es eine Abmahnung für Schalke.
Erwin ist allerdings nicht das erste Maskottchen in der Bundesliga, das bereits Bekanntschaft mit der Roten Karte machte. Der Ritter Keule von Union Berlin musste 2002 den Platz verlassen, nachdem er zu ausgelassen einen Treffer seiner Mannschaft gefeiert hatte.
Eine eher unerklärliche Rote Karte gab es im Oktober 2020 im Spiel VFL Bochum gegen Erzgebirge Aue in der 2. Bundesliga. Der Schiedsrichter war der Ansicht, Aue-Spieler Calogero Rizzuto habe bei Soma Novothny vom gegnerischen Team nachgetreten. Viele glaubten jedoch eher, dass sich die Schuhe der beiden im Zweikampf verhakt hatten.
Es gibt Spieler in der Bundesliga, die schon einige Rote Karten in ihrer Karriere kassiert haben. Spitzenreiter sind Jens Nowotny (Bild) und Luis Gustavo - beide mussten ganze achtmal vorzeitig den Rasen verlassen. Nowotny bekam dreimal Gelb-Rot und fünfmal Rot, Gustavo siebenmal Gelb-Rot und einmal Rot.
Willi "Ente" Lippens Platzverweis ist heute Kult: Er musste 1965 im Spiel Westfalia Herne gegen Rot-Weiss Essen den Rasen verlassen. Da es noch keine Roten oder Gelben Karten gab, sagte der Schiedsrichter "Ich verwarne Ihnen" und er antwortete "Ich danke Sie". Prompt flog Lippens vom Spielfeld und wurde wegen respektlosen Verhaltens gesperrt.
Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Vergabe der Roten Karte aus. Im August 2020 beschloss das Regelgremium IFAB, dass Schiedsrichter den Spielern für absichtliches Husten in Richtung des Unparteiischen oder in Richtung der Gegenspieler einen Platzverweis erteilen können.