Die Partie zwischen dem FC Bayern München und RB Leipzig entpuppt sich als eher untypisches Spitzenspiel. Der Ausgang war für die Gemengelage in der Liga allerdings absolut perfekt.

Meine Meinung
von Stefan Rommel

Die Messlatte am Sonntag lag ganz besonders hoch. Am Samstagabend legten Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund einen denkbar wilden Ritt hin. Das bessere Ende für die Werkself und die später erfolgte Absage von Gladbachs Spiel gegen Köln formte eine Ausgangslage, die wie gemalt für den FC Bayern war: Die Münchener sind nicht nur sprichwörtlich wahre Meister darin, die kleinen und großen Stolperer der Konkurrenz zu nutzen und die Dinge auf ihre Seite zu ziehen.

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Da kam die Partie gegen RB Leipzig gerade recht. Zwei der großen Vier konnten oder durften nicht punkten, der FC Bayern hatte die große Chance auf ein echtes Statement im Titelrennen und es wäre nur typisch für die Bayern gewesen, diese Möglichkeit auch zu nutzen. Der Rekordmeister aber schaffte es nicht, sich von Leipzig, Dortmund und Gladbach abzusetzen und eine spannende Meisterschaft so langsam in die richtigen Bahnen zu lenken.

Für die Fans der Bundesliga, die ab dem Frühjahr nicht wieder einen Alleingang der Bayern erleben wollen, ist das eine schöne Nachricht. Die Lesart des 0:0 in der Allianz Arena weist einen Punktgewinn für die Gäste aus, während die Bayern zwei verloren hätten. Dass beide im Gleichklang bleiben und damit Gladbach mit einem Sieg im Nachholspiel gegen den 1. FC Köln aufschließen könnte, macht die Gemengelage nur noch spannender.

FC Bayern mit Vollgas - RB Leipzig beeindruckt

Dabei sah es überhaupt nicht so aus, dass Leipzig erstmals überhaupt etwas mitnehmen könnte aus München. Nach bisher drei Niederlagen ohne eigenes Tor in der Allianz Arena wurde Julian Nagelsmanns Mannschaft von den Bayern in den ersten 25 Minuten beinahe erdrückt.

Leipzig wollte eine Spur tiefer stehen, als es die Mannschaft gewohnt ist, wurde von den Münchener aber derart weit zurückgedrängt und eingeschnürt, dass das erste Tor nur eine Frage der Zeit schien. Und Leipzig schien alles andere als ein Tabellenzweiter und Meisterschaftsanwärter zu sein - sondern spielte wie eine Truppe aus dem Mittelfeld der Liga, die das Spiel nur irgendwie überstehen will.

"So, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war es nur eine Frage der Zeit, wann wir das Gegentor bekommen", musste auch Timo Werner nach dem Spiel am "Sky"-Mikrophon zugeben. Die Bayern taten das, was sie seit der Amtsübernahme von Hans-Dieter Flick in jeder Partie tun: Sie drückten von der ersten Minute an das Gaspedal voll durch, in der Hoffnung auf schnelle Tore und irreparable Schäden beim Gegner.

Nur waren die Bayern nicht so scharf und eiskalt vor dem Tor wie in den letzten Wochen. Trotz herausragend gutem Gegenpressing und vielen Durchbrüchen über die Flügel gab es nur zwei vorzeigbare Torchancen zu notieren, die Leipzig mit etwas Glück zunichte machte - und dann irgendwann selbst anfing, an der Partie teilzunehmen.

Bayerns (kleine) Probleme bleiben

"Wir haben uns Mitte der ersten Halbzeit sehr gut gefangen und angefangen, selbst Fußball zu spielen", beschrieb Werner die dann ausgeglichenere Partie. Leipzig rückte immer mal wieder höher auf, setzte die Bayern nun selbst früher unter Druck und bekam so einen Fuß in die Tür. Was in der ersten Halbzeit aber komplett fehlte, waren eigene Aktionen vor dem gegnerischen Tor. Die boten sich Leipzig aber dann relativ schnell nach dem Wechsel.

Mal wieder traten dabei zwei zentrale Probleme der Bayern auf, die auch Flick noch nicht lösen konnte beziehungsweise die systemimmanent sind: Schafft es eine Mannschaft, den Ball länger als vier, fünf Pässe in den eigenen Reihen zu halten und dem bayerischen Gegenpressingdruck zu widerstehen, sind die hinter dem Balldruck geöffneten Räume anspielbar. Dann sieht Bayerns Restverteidigung nicht immer gut aus, so wie bei den beiden Durchbrüchen und hundertprozentigen Chancen von Marcel Sabitzer und Werner.

Und die Bayern schaffen es einfach nicht mehr, nach einer bärenstarken Anfangsphase das Leistungsniveau hoch zu halten. Stattdessen gab es schon wieder merkwürdige Einbrüche wie schon in den letzten Partien gegen Mainz oder Hoffenheim. Die hatte Flick danach jeweils angesprochen und musste nun auch gegen Leipzig wieder ähnlich reagieren. "Die erste Halbzeit hat mir sehr gut gefallen von meiner Mannschaft, besonders mit den ersten 25 Minuten war ich sehr zufrieden. Danach ist uns etwas die Seriosität abhanden gekommen, wir hatten auch Glück."

Leipzig war vielleicht die bessere, auf alle Fälle aber die gefährlichere Mannschaft in der zweiten Halbzeit. Die Bayern waren um Kontrolle bemüht, vernachlässigten dadurch aber ihre Offensivbemühungen. Und weil beides nur bedingt funktionierte, spielten beide Mannschaften auf Augenhöhe bis zum Abpfiff. "Wir wussten, dass die Hauptstärke der Leipziger das Umschalten ist. Deshalb haben wir das Spiel langsamer gemacht, aber uns dadurch auch unserer Stärken beraubt", erklärte Thomas Müller den Leistungsabfall der Bayern.

Am Ende sind alle zufrieden

Und dann gab sich der Routinier sogar noch ungewohnt zurückhaltend, so wie man weder ihn noch seine Mannschaft kennt. "Das 0:0 ist ein Okay-Ergebnis. Wir haben nicht mehr die Energie, den absoluten Siegeswillen. Wir waren zufrieden mit dem Ergebnis. Wir haben den Punkt gesichert." Die Bayern sichern in der eigenen Arena einen Punkt: Das muss man wohl auch als kleinen Ritterschlag für den Gegner einordnen. Jedenfalls hat sich Leipzig trotz einer sehr schwierigen Anfangsphase als widerstandsfähig genug gezeigt, um den Bayern zu trotzen.

Aus den vier Punkten Vorsprung, mit dem RB noch in die Winterpause gegangen war, hätten nach der Partie und nach nur vier Rückrundenspielen plötzlich vier Punkte Rückstand werden können. Insofern war es sehr wichtig für die Bullen, den Lauf der Bayern einzubremsen und selbst den Anschluss zu halten. Das torlose Remis lässt letztlich alle halbwegs zufrieden zurück.

Die Bayern, weil sie Tabellenführer bleiben und ihren kleinen Vorsprung wahren. Die Leipziger, weil sie einen "guten" Punktgewinn einfuhren und wie im Hinspiel zeigten, dass sie mit den Bayern auf Augenhöhe agieren können. Und die Fans in Deutschland, die sich auch in den kommenden Wochen auf ein interessantes Titelrennen freuen können. "Es ist ein harter Weg, dieses Jahr Meister zu werden", sagte Hansi Flick. Vermutlich hat er Recht.

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