Nun hat es der Hamburger SV also geschafft. Der Katastrophenklub aus dem Norden hat sich in die Relegation gegen die SpVgg Greuther Fürth gerettet. Der Abstieg ist aufgeschoben. Der Größenwahn an der Elbe kann weitergehen. Leider ...

Es war ein symptomatisches Bild am Samstagnachmittag in der Mainzer Coface Arena: Heiko Westermanns Versuch, eine Mainzer Flanke brasilianisch per Bruststopper zu seinem Torwart Rene Adler zu passen, geht gnadenlos schief. 1:0 für Mainz 05 gegen den Hamburger SV. Zur Erinnerung: Noch vor nicht all zu langer Zeit galt Westermann in Jogi Löws Nationalmannschaft als festes Mitglied des Kaders. Und als Nationalspieler, als der er sich wahrscheinlich selbst immer noch sieht, klärt man eben nicht einfach so, indem man den Ball auf die Tribüne drischt. Nein, man löst die Situation mit Technik und Esprit. Auch im Abstiegskampf. Auch im Finale um Relegation oder sofortigen Ligaabschied.

Dass es am Ende nochmal gut ging und die Hamburger sich mit der SpVgg Greuther Fürth um Ab- und Aufstieg duellieren können, sorgt für gute Stimmung im hanseatischen Lager. Als neutraler Beobachter muss man sich fragen: Meint ihr das ernst, liebe Hamburger? Habt ihr etwa mit einem leidenschaftlichen Kampf drei Punkte in Mainz geholt und damit in letzter Sekunde aus eigener Kraft die Katastrophe verhindert? Nein, habt ihr nicht! Mit der gleichen selbstgefälligen Art, mit der ihr insgesamt 75 Gegentore (!) in dieser Saison gefangen habt, seid ihr in Mainz baden gegangen.

Ein Zitat von Sportdirektor Oliver Kreuzer macht den Hamburger Größenwahn deutlich: "Der Erstligist ist in solchen Partien immer Favorit." Möglicherweise galt diese Weisheit in der Vergangenheit manchmal. Dieses Mal aber mit Sicherheit nicht. Der HSV ist durch seine hanebüchenen Abwehrfehler, die Arroganz der ehemaligen großen Namen Adler, van der Vaart und Co. so weit von der Favoritenrolle entfernt wie wohl noch nie ein Erstligist zuvor in der Relegation.

Immerhin, laut HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow wird es keine Nicht-Abstiegs-Prämie geben. Immerhin? Alleine dass das Thema überhaupt angeschnitten wird, spricht Bände. Oder denkt man bei Red Bull etwa darüber nach, Sebastian Vettel einen Bonus zu zahlen, wenn er sein Auto nicht zu Schrott fährt?

Auch wenn man sich im Lager der Hamburger und bei den Bundesliga-Traditionalisten des Landes damit unbeliebt macht: Als Fußballfan kann man sich nur wünschen, dass der HSV absteigt. Denn Größenwahn muss bestraft werden. Und auch wenn man es an der Elbe nicht gerne hört: Es wäre wohl wirklich zu Eurem Besten.