Es ist viel passiert in der Hinrunde der Bundesliga-Saison 2014/15. Der FC Bayern München spielt in einer anderen Welt und Borussia Dortmund stürzt ebenso ab wie eine ganze Armada an Traditionsklubs. Die Gewinner und Verlierer der Vorrunde, die Aufreger und andere kuriose Entgleisungen der Liga - das alles gibt es hier.

Die Gewinner der Hinrunde:

Die Bayern spielen mal wieder in einer anderen Liga: Elf Punkte Vorsprung auf den Zweiten, 14 Siege aus 17 Spielen, dazu der neue Rekord von nur vier Gegentoren nach der Vorrunde. Pep Guardiolas Mannschaft ist der Liga längst entwachsen, die Meisterschaft praktisch entschieden. Seit Guardiolas Amtsantritt haben die Bayern in der Bundesliga 2,65 Punkte im Schnitt geholt - eine unfassbare Statistik.

Arjen Robben hat eindrucksvoll bestätigt, dass man dem WM-Blues energisch trotzen kann. Der Niederländer ist der Spieler der Hinrunde und weist mit 13 Scorerpunkten in 13 Einsätzen einen unglaublichen Wert auf - den besten aller Feldspieler der Liga. Wenig überraschend gingen die Bayern immer als Sieger vom Platz, wenn Robben aktiv war. Sein neuer Teamkollege Xabi Alonso ist nicht nur eine Bereicherung für den Rekordmeister, sondern für die gesamte Bundesliga. Gegen Köln durchbrach der Spanier mit 216 Ballkontakten die magische 200er-Schallmauer als erster Spieler der Geschichte.

Rekordjäger gab es aber auch außerhalb Münchens: Der FC Augsburg hat die beste Hinserie seiner Vereinsgeschichte gespielt und stellt mit Markus Weinzierl den Trainer der Saison bisher. Und der SC Paderborn, für die meisten Experten vor der Saison eine Art Tasmania Berlin der Neuzeit, steht mit 19 Punkten im Mittelfeld der Tabelle. Zwischenzeitlich war der Aufsteiger sogar mal Tabellenführer.

Die Verlierer der Hinrunde:

Mit der Tradition geht es bergab. Mit Hamburg, Bremen, Dortmund und Stuttgart stehen vier der fünf Klubs im Keller, die die meisten Bundesliga-Spielzeiten auf dem Buckel haben. Nur die Bayern fehlen in dieser Liste. Besonders dramatisch war der Absturz des BVB. 16 Plätze und unglaubliche 30 Punkte liegen zwischen Dortmund und dem einstigen Rivalen aus München. Zehn Niederlagen nach 17 Spielen sind für die Borussia schlicht indiskutabel. Immerhin hat der BVB noch nicht zum Allheilmittel des Trainerwechsels gegriffen, so wie die anderen drei Klubs. Besonders kurios ging es mal wieder in Stuttgart zu, wo der als Retter angekündigte Armin Veh nach zwölf Spieltagen von sich aus das Handtuch warf. Der HSV bewegt sich mit nur neun erzielten Toren am Rande des Kollaps, Werder Bremen brachte in München das Kunststück fertig, in 90 Minuten keinen einzigen Torschuss und keinen Eckball zu erspielen.

Die Aufreger der Hinrunde:

Hakan Calhanoglu hat abseits des Platzes mit einem pikanten Interview im "Aktuellen Sportstudio" für großes Aufsehen gesorgt, ebenso wie Marco Reus. Der hat ein echtes Seuchenjahr hinter sich, fehlte insgesamt 149 Tage wegen Verletzungen und verpasste deshalb auch die WM. Zu allem Überfluss kam dann auch noch die Führerschein-Affäre dazu, die Reus' Image beträchtlich geschadet hat und unter Umständen noch weiter schaden wird. Jedenfalls ist der 25-Jährige seine Rolle als Vorbild erst mal los.

Auf Schalke wurde Co-Trainer Sven Hübscher von einem Sturmfeuerzeug am Kopf getroffen, das Geschoss wurde aus dem VIP-Bereich auf das Spielfeld geworfen. Der Täter ist weiter unbekannt, immerhin kam Hübscher "nur" mit einer Platzwunde davon.

Die Entscheidungen der Hinrunde:

Am 17. Oktober setzt Robert Hartmann als erster Schiedsrichter im deutschen Profi-Fußball beim Zweitligaspiel zwischen Bochum und Darmstadt das Freistoßspray ein. Nach acht Spieltagen hat sich die DFL doch dazu durchgerungen, auf das Spray zu setzen - mit großem Erfolg, vor allem für die Schützen: An den ersten sieben Spieltagen der Bundesliga gab es ohne Spray nur sechs Treffer nach einem direkten Freistoß zu bejubeln, seitdem waren es 17! Im Schnitt fällt also fast ein Tor mehr pro Spieltag, seit das Spray eingesetzt wird.

Am 4. Dezember stimmen die Ligavertreter über die Torlinientechnologie ab der Saison 2015/16 ab. Das Ergebnis: Mit 15:3 Stimmen setzen sich die Befürworter durch.

Die Torschützen der Hinrunde:

Zunächst die Nicht-Torschützen: Wolfsburgs Junior Malanda brachte das Kunststück fertig, an den ersten beiden Spieltagen in München und gegen Frankfurt gleich zweimal aus kürzester Entfernung das leere Tor nicht zu treffen. Der HSV hat den Uralt-Rekord des VfL Bochum aus dem Jahr 1979 übertroffen - mit 509 Minuten ohne Tor zum Anfang einer Saison. Und Christoph Kramers Eigentor aus 45 Metern dürfte auf lange Zeit unerreicht bleiben.

Die Liga hatte aber auch Erfreuliches zu bieten: Alexander Meier blüht im Herbst seiner Karriere nochmals auf und liegt mit 13 Toren an der Spitze der Torjägerliste. Karim Bellarabi, der Shooting-Star der Saison, traf am ersten Spieltag gegen Dortmund nach neun Sekunden zum schnellsten Tor der Bundesligageschichte. Und Paderborns Moritz Stoppelkamp netzte aus 82,3 Metern gegen Hannover ein. Seitdem gibt es die Moritz-Stoppelkamp-Allee vor dem Stadion in Paderborn - sie erstreckt sich natürlich über 82,3 Meter.