Leverkusen hält sich nicht an den Kirchenkalender, Thomas Müller appelliert an die Schland-Fans und manchmal, aber nur manchmal, brauchen Torhüter ein kleines bisschen Zuneigung. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen Lehren aus dem jeweiligen Spieltag der Bundesliga.

1. Erkenntnis: Manchmal ist Ostern zweimal im Jahr

Wir waren uns so sicher: Ostern ist für dieses Jahr vorbei. Aber offensichtlich handelte es sich dabei nur um das erste Ostern. Das zweite Ostern hat Bayer Leverkusen an diesem Wochenende gegen Borussia Dortmund gefeiert. "Wir waren tot vor einigen Wochen", sagte Torhüter Bernd Leno nach dem 2:2 gegen den BVB - damit ist Leverkusen aber definitiv nicht mehr tot, haben wir erkannt. Also ist Bayer auferstanden. Und auferstanden wird nur an Ostern. Wissen wir aus dem Religionsunterricht.

Trotzdem wollen wir die Leverkusener nur sehr ungern als Messias des Fußballs bezeichnen. Erstens wird mit diesem Begriff allzu freimütig umgegangen (googlen Sie ruhig mal "Messias Fußball" und lassen Sie sich überraschen, wer schon alles ein Messias sein durfte) und zweitens: Wenn Leverkusen der Jesus des Fußballs sind, wer ist dann der Fußballgott - Sie wissen schon, der Vaterschaft wegen? Bastian Schweinsteiger? Jürgen Kohler? Sascha Mölders? Es gibt einfach zu viele …

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Was, die waren bei den Bayern?

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2. Erkenntnis: Manchmal müssen wir alle ein bisschen Bayern sein

Der FC Bayern München hat ein richtig fieses Spiel vor der Brust. Am Dienstag geht es im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid (20:45 Uhr, LIVE bei uns im Ticker und auf Sky). Und nach der maximal bescheidenen Leistung gegen Werder Bremen in der ersten Halbzeit, machen sich die München offenbar Sorgen, dass dieses Rückspiel gar nicht so einfach werden könnte. Wegen 0:1-Rückstand und dezenter Formkrise. Und weil ein 5:2 gegen Bremen zwar ganz ok ist, aber gegen Real nur wenig hilft.

Jedenfalls glaubt Thomas Müller, dass man am Dienstag durchaus ein bisschen mehr gedrückte Daumen vertragen könnte und fordert deshalb: "Wir brauchen von allen Unterstützung. Von allen rund um den Verein, von den Medien, der Presse – wir sind ja alle Deutsche. Wenn wir es am Dienstag nicht schaffen, dann könnt ihr uns ruhig zerlegen, aber vorher brauchen wir Unterstützung."

Schlauer Schachzug von Müller, in zweierlei Hinsicht. Einmal, weil sich im WM-Jahr der Schland-Fan gerne beim Patriotismus-Schlafittchen packen lässt. Und zweitens, weil Müller uns für ein bisschen Daumendrücken die Erlaubnis zum Nachher-Draufhauen gibt. Kritisieren ohne schlechtes Gewissen also. Endlich.

3. Erkenntnis: Manchmal braucht ein Torwart auch ein bisschen Zuneigung

Ein Tipp für alle Fans, die bei Elfmetern gegen die eigene Mannschaft gerne mal kurz vor dem Herzinfarkt stehen: Jubelt doch öfter mal Eurem Torwart zu. Einfach so. Auch wenn er gerade nichts besonders Tolles gemacht hat. Torhüter brauchen auch Zuneigung. Denn wenn diese eigenwilligen Menschen keine Streicheleinheiten bekommen, dann holen sie sie sich. Mit aller Gewalt. Das hat uns Kevin Trapp, der Torwart von Eintracht Frankfurt, im Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim gelehrt. Weil er offenbar ein paar Sympathiebekunden nötig hatte, ließ Trapp im Strafraumgewusel den Hoffenheimer Modeste über sich drüber fallen. Den Elfmeter hielt der Frankfurter dann. Die Fans jubelten und Trapp hatte sein Ziel erreicht: "Ich wollte halt gefeiert werden."

4. Erkenntnis: Manchmal will der HSV einfach nur Gutes tun

Der Hamburger SV ist die missverstandenste Mannschaft des Spieltags. "Unwürdig" nennt Sky-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis den Auftritt des HSV beim FC Augsburg. Und auch die Fans sind dann doch ziemlich sauer auf ihren Verein. Klar, so eine 1:3-Niederlage gegen den FCA kann durchaus so wirken, als hätte man überhaupt keine Lust mehr zu kämpfen; als hätte sich die Mannschaft (Heiko Westermann, den torgefährlichsten Hamburger, nehmen wir da mal aus) längst mit dem Abstieg abgefunden.

Dabei hat der HSV etwas im Fußball Revolutionäres getan. Er hat sich selbst zurückgenommen. Er hat verloren, um anderen das Jubeln zu ermöglichen. Die Niederlage des HSV beim FCA ist die selbstloseste Tat der Fußball-Saison. Denn mit minimalstem Aufwand hat es die Slomka-Truppe geschafft, nicht ein, nicht zwei, nicht drei, sondern gleich vier Teams vor dem Abstieg zu retten! Eintracht Frankfurt, der SC Freiburg, Hannover 96 und Werder Bremen werden sich an diese Großtat auf ewig erinnern, da sind wir uns sicher!