Wir gratulieren dem FC Augsburg zum Derbysieg und sprechen den FC Bayern München von angeblicher Arroganz frei. Bei Spielen des 1. FC Nürnberg könnte es demnächst ruppig werden, Sebastian Dankert ist mächtiger als Sepp Blatter und selbst Schlusslicht Eintracht Braunschweig darf sich Meister nennen. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen Lehren aus dem jeweiligen Spieltag der Bundesliga.

1. Erkenntnis: Der FC Bayern München ist nicht arrogant

Da verliert der FC Bayern München mal und dann ist es wieder keinem Recht. Dem Verein wird Wettbewerbsverzerrung und Arroganz dem FC Augsburg gegenüber vorgeworfen. Und das nur, weil Pep Guardiola drei Spieler aufgestellt hat, die nicht jeder Schönwetterfan auf Anhieb buchstabieren kann. Die Kritik nach der 0:1-Niederlage gegen doch schon sehr großartig kämpfende Augsburger ist nicht nur Pierre-Emil Hojbjerg, Mitchell Weiser, Ylli Sallahi (lernen Sie diese Namen gerne auswendig) und dem FCA gegenüber gemein, sondern auch noch ungerechtfertigt.

Der FC Bayern wollte dieses Spiel nicht verlieren, das hat man in der zweiten Halbzeit deutlich gesehen. Von Wettbewerbsverzerrung kann also nicht die Rede sein. Und arrogant wäre Guardiola, wenn er der Meinung wäre, in der Champions League gegen Manchester United mit einer B-Elf bestehen zu können. Auch der FC Schalke 04 und andere Teams haben bereits von dem guten Recht Gebrauch gemacht, gewisse Spieler vor großen Spielen vor möglichen Verletzungen zu schützen. Und deshalb gratulieren wir an dieser Stelle noch einmal recht herzlich dem FC Augsburg zum Sieg gegen den Deutschen Meister. Das haben die Schwaben verdient, denn immerhin haben auch etwas erfahrenere Spieler, wie Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller und Manuel Neuer gegen sie auf dem Platz gestanden. Was bleiben sollte, sind die Worte von FCA-Trainer Markus Weinzierl: "Der Kleine schlägt den Großen, das ist eine super Geschichte".

2. Erkenntnis: Fair Play ist ab sofort scheißegal

Ui, war der Raphael Schäfer angefressen. Max Kruse täte gut daran, sich ganz, ganz lange nicht mehr in die Nähe des Torhüters des 1. FC Nürnberg zu trauen. Der würde ihn glatt auffressen. Ein Haps und weg wäre der Kruse. Die Gründe sind eine vermeintliche Schwalbe, die uns passionierten Ornithologen tatsächlich etwas schwalbig vorkam, von der Kruse aber bei "Sky" behauptet, es sei nie und nimmer eine Schwalbe gewesen, und natürlich der darauffolgende Elfmeter und das Tor zum 0:2, das dem FCN gegen Borussia Mönchengladbach endgültig das Genick brach.

Schäfer zieht aus dieser Situation die einzig wahre Lehre dieses Spieltags: "Das Fair Play ist mir jetzt scheißegal, wenn die anderen sich so benehmen." In Nürnberg wird ab sofort also alles weggeruppt (Grüße an Arnd Zeigler, der dieses wunderbare Verb dringend retten möchte, und dem wir bei dieser Mission gerne behilflich sein wollen), was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Damit bekommt der Abstiegskampf noch ein richtiges Gschmäckle, wie der Schwabe sagen würde. Und die nächsten Gegner des "Clubs" sollten keinesfalls die Schienbeinschoner vergessen. Nur so ein Tipp.

3. Erkenntnis: Schiedsrichter Dankert ist der neue mächtige Mann des Fußballs

Vergessen Sie Sepp Blatter und Michel Platini. Vergessen Sie auch alle DFB- und DFL-Präsidenten, die es je gegeben hat. Der Fußball hat einen neuen mächtigen Mann. Er heißt Sebastian Dankert und ist Schiedsrichter. Dieser Mann hat die Macht mit dem Pfiff seiner Pfeife Trainer zu feuern und Mannschaften vor dem Abstieg zu retten - meint zumindest Rudi Völler. Der Sportdirektor von Bayer Leverkusen ist gegenüber "bild.de" nämlich der Überzeugung, man habe Sami Hyypiä nur feuern müssen, weil Dankert im Spiel gegen den HSV zweimal nicht auf Elfmeter entschieden hätte. Nicht etwa, weil Leverkusen von den vergangenen zehn Pflichtspielen nur eines gewinnen konnte. Nein! Das war der Dankert mit seiner Pfeife! Und nur Dankert kann auch den HSV vor dem Abstieg bewahren. Denn er ist der "13. Mann des HSV" (Völler im "Sport1-Doppelpass) und "wenn der HSV den Antrag stellt, dass Herr Dankert noch eines der letzten Spiele pfeift, werden sie definitiv nicht absteigen." Diese Macht hätten wir auch gerne. Aber wir können nicht einmal einen Löffel mit unseren Gedanken verbiegen. Haben wir schön öfter ausprobiert.

4. Erkenntnis: Die Bundesländer küren ab sofort ihre eigenen Meister

Am späten Sonntagnachmittag erreichte uns eine erstaunliche Meldung: "Eintracht Braunschweig ist Niedersachsenmeister", hieß es da. Offensichtlich ist es völlig an uns vorbeigegangen, dass die Bundesländer wohl ab sofort ihre eigenen Meister bestimmen - als Trotzreaktion auf die etwas langweilig gewordene Meisterschaft vermutlich. Allerdings scheint uns das System überdenkenswert. Denn momentan ist Braunschweig ja schon Niedersachsenmeister, wenn sie einmal gegen Hannover gewinnen. Wie Wolfsburg das findet, ist nicht überliefert. Damit ist im Übrigen auch der FC Augsburg Bayernmeister und der VfB Stuttgart Baden-Württemberg-Meister. Und das allein an diesem Wochenende. Die Autokorsos der Meisterfeiern scheinen wir jedoch verpasst zu haben. Mist.