In der zweiten Reihe deutscher Fußballvereine geht die Angst vor der Champions League um, die Torhüter wollen auch mal Tore schießen und in Hoffenheim ist immer was geboten. Der 23. Spieltag der Bundesliga bringt uns einige neue Erkenntnisse. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen Lehren aus dem aktuellen Spieltag der Bundesliga.

1. Erkenntnis: Keiner will in die Champions League

Waren es die bitteren Niederlagen von Bayer 04 Leverkusen und Schalke 04 im Achtelfinale der Champions League, die potentiellen Kandidaten auf die Königsklasse den Angstschweiß ins Gesicht trieben? Will tatsächlich niemand außer dem FC Bayern München und Borussia Dortmund sich mit den besten Mannschaften Europas messen? Es sieht fast so aus: Leverkusen liefert eine Pleite nach der anderen, am Wochenende eine Heimniederlage gegen Mainz. Wolfsburg lässt sich von 1899 Hoffenheim mit 6:2 abschießen. Schalke liegt nach einer halben Stunde 4:0 gegen die Bayern hinten. Gladbach kommt nicht über ein peinliches 1:1 in Braunschweig hinaus (siehe auch 3. Erkenntnis).

Jetzt hat auf einmal Mainz auf dem sechsten Platz wieder Chancen, sich für die Champions League zu qualifizieren. Und nach dem jüngsten Mainzer Auftritt in Europa zu urteilen, stünden uns da nicht gerade die ganz großen Spiele bevor (sie schieden in der EL-Quali gegen den europäischen Spitzenklub Metan Medias aus). Aber keine Angst: Wenn es so weiter geht, dann ist die gute Position in der Uefa-Fünfjahreswertung bald futsch - und dann dürfen Bayern und Dortmund wieder alleine die Bundesliga in Europas Königsklasse vertreten.

2. Erkenntnis: Lachen verboten!

Schalke kassiert die zweite böse Klatsche innerhalb von vier Tagen, was Jefferson Farfan nicht daran hindert, gut gelaunt mit den Kollegen Pizarro und Rafinha auf dem Platz Späßchen zu machen. Von Einfühlungsvermögen oder außergewöhnlicher Intelligenz zeugt das nicht gerade. Der Peruaner sollte eigentlich wissen, dass das weder bei Fans noch bei Kommentatoren gut ankommt. Und so stürzen sich auch gleich alle - inklusive Schalkes Manager Horst Heldt und Trainer Jens Keller - auf diese Verfehlung. Und bieten gleichzeitig Farfans Kollegen die Möglichkeit, in Deckung zu gehen.

Denn natürlich bietet Farfan mit seinem Verhalten reichlich Angriffsfläche; auf der anderen Seite lenkt das die Aufmerksamkeit von Kevin-Prince Boateng ab, der im Spiel nur zu sehen war, als er Papadopoulos mit einem Rückpass so in Bedrängnis brachte, dass der ein Foul begehen musste und die rote Karte kassierte. Oder von Jens Keller, dessen Defensiv-Taktik gegen Bayern völlig in die Hose ging. Oder von Horst Heldt, dessen Entscheidung für Jens Keller ihm in den nächsten Wochen um die Ohren fliegen könnte. Aber zum Glück hat ja Farfan gelacht - da ist der Rest nicht mehr so wichtig.

3. Erkenntnis: Torhüter wollen auch Tore schießen

Torwart bei Braunschweig zu sein, ist kein Spaß. 42 Gegentore gab es diese Saison schon für die Eintracht und als Ausgleich dafür nur 17 eigene Tore zu bejubeln. Eigentlich kein Wunder, dass Torhüter Davari auch mal mitmischen will und sich den Ball aus lauter Trotz einfach selbst in den Kasten schiebt. Sein Gegenüber Marc-Andre ter Stegen möchte ihm in nichts nachstehen und sieht bei seinem Eigentor noch schlechter aus. Das Kuriose bei dem Treffer: Fast das gleiche Malheur ist ihm schon im Länderspiel gegen die USA unterlaufen. Wird das vielleicht eine neue Taktik gegen Gladbach - Rückpässe von schräg-links provozieren? Augsburg kann das am nächsten Spieltag ja gleich mal ausprobieren.

4. Erkenntnis: Hamburg ist nicht zu retten

So schnell ist neuer Schwung wieder verpufft: Einem ungeplanten Sieg des Hamburger SV gegen Dortmund folgt eine ungeplante Niederlage bei Werder Bremen. Und das Schlimme an Letzterer: Von einem Aufbäumen war nichts zu spüren. Als der HSV fünf Minuten vor Schluss immer noch einem Ausgleich hinterherläuft, da passen sich seine Spieler den Ball gemütlich im Mittelkreis zu. Nun muss es ja nicht immer die Brechstange sein, aber ein bisschen mehr Einsatzwille hätte bei einem 1:0-Rückstand schon da sein dürfen. Man weiß gar nicht, wo der nette Herr Slomka anfangen soll, um die Mannschaft vielleicht noch aufzuwecken. Spätestens mit dem Auftritt gegen Bremen sollte auch dem letzten Fan klar sein, dass kein Verein unabsteigbar ist.

5. Erkenntnis: Leute, schaut Euch Hoffenheim-Spiele an!

Vergessen wir mal Bayern, BVB und Schalke: Das echte Spektakel findet derzeit bei Hoffenheim statt. In der Partie gegen Wolfsburg fällt der 100. Treffer in einem Spiel mit Beteiligung von 1899. Die Kraichgauer stehen zwar nur im Mittelfeld der Tabelle, haben aber eine unglaubliche Tordifferenz von 52:48 vorzuweisen. Das macht 4,3 Tore pro Spiel. Nur Bayern und Dortmund trafen häufiger, nur der HSV kassierte mehr Tore. Bei welcher anderen Mannschaft sind Ergebnisse wie 6:2 (gegen Wolfsburg), 4:4 (gegen Bremen) oder 5:1 (gegen Hamburg) Alltag? Titel wird es in dieser Saison zwar mal wieder keinen geben, aber der Unterhaltungswert bei Hoffenheim ist einfach enorm.