Toni Kroos hat keinen Bock mehr auf lästige Winteraccessoires, Pep Guardiola steht ab sofort auf Gitarristen und Thiago schreibt schon mal an seiner Biographie, während der Rest der Bayern in der Nase popelt. Weil gestern sozusagen ein kleiner Bundesliga-Spieltag war, ziehen wir heute für unsere Serie die Lehren aus dem Spiel des FC Bayern München beim VfB Stuttgart.

1. Erkenntnis: Toni Kroos mag keine Handschuhe

Dieser vermaledeite Winter! Ständig muss man sich warm einpacken und dann schwitzt man doch wieder unter den Handschuhen. Toni Kroos vom FC Bayern München scheint die Nase jedenfalls gestrichen voll zu haben vom kalten Wetter und pfefferte nach seiner Auswechslung gegen den VfB Stuttgart in der 60. Minute die lästigen Winteraccessoires erst einmal in die Ecke. Und weil er weiß, dass Papa Pep das gar nicht mag, wenn er so mit seinen Sachen umgeht, hat er lieber mal ganz gezielt an seinem Trainer vorbei geschaut.

Diese Erklärung erscheint uns plausibel für das dezent pubertäre Verhalten des Mittelfeldspielers. Wenn es nämlich gar nicht um die Handschuhe ginge, sondern Kroos tatsächlich sauer über seine Auswechslung wäre, dann müssten wir jetzt einen ellenlangen Artikel über die Probleme des FC Bayern, Kroos möglichen Wechsel und Pep Guardiolas Führungsstil schreiben und dafür ist uns heute einfach zu kalt.

Der HSV ist da, wo er hingehört und Slomka bringt uns zum Heulen.

2. Erkenntnis: Thiago offenbart eine neue Seite an sich

Was für ein Schuss! Der helle Wahnsinn! Gut, Zlatan Ibrahimovic lächelt vermutlich müde über den wunderschönen Seitfallzieher von Thiago in der 93. Minute, aber wir applaudieren. Zumal uns der Spanier damit eine ganz neue Seite von sich offenbart: der Mann hat ja Mumm! Wir wussten natürlich schon, dass er ein hervorragender Fußballer ist. Und sicher hat Thiago schon als 12-Jähriger Seitfallzieher, Fallrückzieher, Übersteiger und Dreifachsalti geprobt wie ein Verrückter (Details können Sie sicher in der in vermutlich fünf Jahren erscheinenden Biographie "Thiago - Wie ich zu Guardiolas Musterschüler wurde" nachlesen).

Aber in der 93. Minute, beim Stand von 1:1 - und seien wir ehrlich, ein Unentschieden wäre aus Bayern-Sicht einer Niederlage gleich gekommen - einfach mal zu einem derartigen Kunststück anzusetzen, das verlangt vor allem Mut und ein kleines bisschen Wahnsinn. Und weil wir Wahnsinn mögen, erklären wir Thiago ab sofort zu unserem neuen Lieblings-Bayernspieler. Herzlichen Glückwunsch! Obwohl VfB-Trainer Thomas Schneider natürlich recht hat, wenn er sagt: "Das Tor ist ein Sonntagsschuss." Aber Sonntage mögen wir auch.

3. Erkenntnis: Pep erkennt die Schönheit des Mittelstürmers

Wäre ein Fußballteam eine Band, der Mittelstürmer wäre der Gitarrist. Sieht am besten aus, bekommt die meiste Aufmerksamkeit (weil schöne Tore fast so toll sind wie ein gutes Gitarrenriff) und kriegt natürlich auch alle Mädchen ab. Kurz gesagt: Alle stehen auf den Gitarristen, äh Mittelstürmer. Nur einer lässt sich von diesem Glanz nicht blenden: Pep Guardiola. Oder muss es "ließ" heißen? Immerhin wechselte der Bayern-Trainer gegen Stuttgart zwei Mittelstürmer auf einmal ein. Auch wenn Sie den einen vielleicht kurzzeitig für den lange verschollenen Bruder von Gennaro Gattuso gehalten haben, das war in der Tat Claudio Pizarro - mit Bart. Und der andere war natürlich Mario Mandzukic. Und wir reiben uns verwundert die Augen und fragen uns, ob Pep Guardiola doch noch zum Stürmerliebhaber wird.

4. Erkenntnis: Bayern hat das Verlieren verlernt

Stammtische sind etwas Feines. An Stammtischen hört man so wundervolle Sachen wie "Die Bayern könnten auch 90 Minuten in der Nase popeln und würden trotzdem gewinnen". Nach dem Spiel gegen den VfB Stuttgart, stimmen wir zu. Das tut uns wirklich leid für alle anderen Mannschaften, aber wenn nicht einmal die wirklich, wirklich gut mitspielenden und stark kämpfenden Stuttgarter einen Punkt gegen die Bayern holen, dann schafft das auch sonst keiner. Nur gut, dass wir uns von einer spannenden Meisterschaft ohnehin schon lange verabschiedet haben.