Mit dem neuen Torhüter Pepe Reina begrüßt Bayern Münchens spanischer Coach Pep Guardiola bereits den vierten Landsmann im Kader. Dieses Konzept kann aufgehen, birgt aber auch viele Risiken.

Pep Guardiola genoss das Bad in der Menge. Der Bayern-Coach lehnte sich zufrieden gegen eine Werbebande und schaute dem Treiben seiner Mannschaft zu. Zwischendurch schnappte er sich bei der Saison-Eröffnung der Münchner in der ausverkauften Allianz Arena selbst den Ball und zeigte den Zuschauern, dass er das Fußballspielen noch nicht verlernt hat. Doch der Grund für Guardiolas Stimmungshoch waren nicht nur die vollen Ränge. Der 43-Jährige ist glücklich darüber, endlich seinen kompletten Kader beisammen zu haben.

Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Mario Götze, Jerome Boateng, Thomas Müller und Manuel Neuer waren zuletzt nach ihrem dreiwöchigen WM-Urlaub zurückgekehrt und stiegen gleich im Trainingslager in den USA voll in die Vorbereitung ein. Am Samstag präsentierte sich der Rekordmeister samt seiner Nationalspieler den eigenen Fans. Und dabei konnten die Anhänger auch ein neues Gesicht bestaunen: Pepe Reina.

Letzte Planstelle besetzt

Der 31-Jährige wurde als Nummer zwei hinter Neuer verpflichtet. Mit Reina dürfte die letzte Planstelle in Guardiolas Kader besetzt worden sein. Weitere Neuzugänge seien nicht vorgesehen, sagte Guardiola kürzlich. Und es ist einmal mehr ein Spanier, der seinen hochwertigen Kader verstärkt. Reina ist jedenfalls der perfekte Mann für den Posten hinter Neuer, der unumstrittenen Nummer eins.

Mit Reina hat sich Guardiola neben Neuzugang Juan Bernat sowie den bereits bei Bayern spielenden Thiago Alcantara (seit 2013) und Javi Martinez (2012) den vierten Spanier geschnappt. Viele Fans freuen sich über so viel spanisches Temperament im Bayern-Kader. Doch es gibt auch Kritiker, die die Vereinskultur der Münchner dadurch in Gefahr sehen.

Guardiolas Spanienkolonie eine Gefahr?

Ihre Befürchtung: Guardiola kauft sich seine eigene kleine Spanienkolonie zusammen. Besteht vielleicht sogar die Gefahr, dass die Spanien-Connection München den Rücken kehrt, sollte auch Guardiola den Verein verlassen wollen, wenn es einmal nicht so gut läuft?

Die Gefahr der Grüppchen-Bildung ist bei vier Spaniern auf dem Trainingsplatz durchaus gegeben, das wird auch Guardiola wissen. Thiago verstand sich schon vergangenes Jahr mit Claudio Pizarro blendend - im Training und privat. Auch Rafinha gesellte sich gerne dazu.

Den Skeptikern könnte man entgegnen, dass sich die neuen Spanier unter ihren Landsleuten besser integrieren lassen, sich sofort wohl fühlen und für gute Stimmung im Team sorgen. Guardiola muss die richtigen Hebel finden, damit am Ende alle Sorgen um eine drohende spanische Problemzone unbegründet bleiben.

Reina zum Schnäppchenpreis

Keine Frage: Die Bayern haben mit Reina zum Schnäppchenpreis von kolportierten 3,2 Millionen Euro wohl einen echten Glücksgriff getan. Der Keeper ist routiniert und im besten Torhüteralter. "Reina ist ein etablierter, sehr erfahrener Spieler, der das Profil von der sportlichen Leitung erfüllt", begründete Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge den Transfer.

Gerade in der vergangenen Saison konnte der an den SSC Neapel ausgeliehene Reina zeigen, was für ein erstklassiger Torwart er ist. Unter seinem alten Mentor Rafael Benitez absolvierte er 30 Spiele in der Serie A und fünf Partien in der Champions League. Dabei sammelte er mit Liverpool und zuletzt dem SSC Neapel Erfahrungen auf höchstem internationalem Niveau.

Kein Problem mit der Bank

Dass sich Reina auch nicht zu schade ist, hinter einer klaren Nummer eins auf der Bank Platz zu nehmen, zeigte der gebürtige Madrilene in Spaniens Nationalmannschaft. Dort begnügte sich Reina lange mit seinem Status als Ersatz für Iker Casillas. In den neun Jahren seit seinem Debüt für die "Seleccion" kam Reina bislang auf lediglich 33 Einsätze. Immerhin wurde er als Bankdrücker zweimal Europa- und einmal Weltmeister.

Reina wird sich auch bei den Bayern auf der Ersatzbank wiederfinden. Denn eines ist klar: Neuer wird auf Jahre hinaus die klare Nummer eins in München sein. Dem ist sich auch Reina ganz sicher bewusst.