Peter Stöger hatte Recht: Der FC Bayern München kann den Sekt langsam kalt stellen. Pierre-Michel Lasogga hat Charakter, Borussia Dortmund zu viele Gesichter und der FC Schalke 04 leider keinen Adam Szalai mehr. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen Lehren aus dem jeweiligen Spieltag der Bundesliga.

1. Erkenntnis: An Peter Stögers Wissen sollte man nicht zweifeln

Wer sich vor der Saison auf einen spannenden Kampf um die Deutsche Meisterschaft gefreut hat, ist wohl spätestens nach dem 7. Spieltag enttäuscht. Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund, der FC Schalke 04, der SC Paderborn - sie alle können dem FC Bayern München nicht das Wasser reichen. Und wer soll die Münchner jetzt noch ärgern? 1899 Hoffenheim? Borussia Mönchengladbach? Also, bitte ...

Köln-Trainer Peter Stöger scheint in seiner Vorahnung bestätigt zu werden: Der FCB wird sich spätestens im März kommenden Jahres die Schale krallen.

Denn so langsam, aber sicher mutieren die Bayern wieder zu den für uns objektive Beobachter nervig dominanten "Super-Bayern" der vorherigen beiden Jahre. Gäääähn! Hinzu kommt, dass sich "Taktgeber" Xabi Alonso in die Rekordbücher passt und Stürmer Robert Lewandowski zu allem Überfluss wieder eingefallen ist, wo das gegnerische Tor steht. Beim nie gefährdeten 4:0-Sieg gegen ein überfordertes Hannover 96 traf der Pole erstmals doppelt für die Münchner. Hannover-Trainer Tayfun Korkut, der seine Mannschaft demütig mit einer Fünfer-Abwehrkette aufs Spielfeld schickte, sagte angesprochen auf seine gewählte Taktik: "Wir hatten schon auch eine Idee." Das ist ja sehr löblich, Herr Korkut. Doch der Unterschied zum FC Bayern ist: Dort gibt es Spieler, die die Klasse haben, die Ideen ihres Trainers umzusetzen.

2. Erkenntnis: Don't mess with the Lasogga

Bis zum Samstag war es noch nicht die Saison von Pierre-Michel Lasogga. Gut, das mag auch daran gelegen haben, dass er für den Hamburger SV spielt. Doch insbesondere der HSV-Fan kann das natürlich nicht als Ausrede akzeptieren. Schließlich werden auch in dieser Saison mit großer Vorliebe kaum zu erreichende Ansprüche an einfach alles gestellt, was mit dem HSV zu tun hat. Daher steht Hoffnungsträger Lasogga erneut besonders im Fokus. Weil die Leistungen des Stürmers bis zum Samstag alles andere als prickelnd waren, ließ HSV-Torwart-Legende Uli Stein kein gutes Haar an dem 22-Jährigen. Steins Meinung zu Lasogga kompakt zusammengefasst: Der kann nix.
Eine durchaus gewagte These zu dem Spieler, dem die Hamburger es überhaupt zu verdanken haben, dass der Klub die mittlerweile etwas albern anmutende "Wir-sind-immer-noch-nicht-abgestiegen"-Stadion-Uhr noch nicht abbauen musste.
Doch weil Lasogga eine dermaßen coole Socke ist - wie das nachfolgende mit seiner Mutter (!) Kerstin geschossene Foto beweist - beantwortet er solche Kritik auf die für einen Topstürmer einzig vernünftige Art: mit einem Tor - in diesem Fall sogar mit dem 1:0-Siegtreffer bei Borussia Dortmund.

Und da Lasogga danach alle Argumente auf seiner Seite hatte, war der Verbal-Konter in Richtung Stein - der in den 80er Jahren ganz nebenbei Deutscher Meister und Landesmeister-Sieger mit dem HSV wurde - für einen Typen wie Lasogga natürlich kein Problem: "Ich kenne diese Person gar nicht. Was er sagt, juckt mich gar nicht." Memo an Herrn Stein: Don't mess with the Lasogga.

3. Erkenntnis: Borussia Dortmund hat zu viele Gesichter

Sie kennen das: Insbesondere im Fußball wird schnell von den "zwei Gesichtern" gesprochen. Eine gängige Floskel, die den krassen Unterschied der Leistungen aufzeigen soll, die eine Mannschaft auf dem Platz abliefert. Der HSV, vor dem Sieg bei Borussia Dortmund Tabellenletzter, bewies eindrucksvoll, dass er noch ein zweites Gesicht hat.

Doch nicht bei den Hamburgern, sondern beim Gegner Borussia Dortmund wird momentan sehr oft von den zwei Gesichtern gesprochen. Da gibt es sowohl das hübsche Champions-League-Gesicht (zwei Spiele, zwei Siege) als auch die hässliche Bundesliga-Fratze (nur ein Punkt aus den vergangenen vier Spielen).

Aber, in punkto Gesichtern ist Dortmund ohnehin ein Sonderfall. Schließlich hat Trainer Jürgen Klopp mindestens zehn davon.

4. Erkenntnis: Manch Schalker vermisst Adam Szalai

So ein Treffen mit alten Kollegen ist schon was Feines. Davon konnte sich der Autor dieses Textes am zurückliegenden Wochenende selbst überzeugen: zusammen abhängen, ein Bierchen trinken - herrlich. Doch bei Fußballern läuft das nicht immer so harmonisch ab. So auch im Fall von Adam Szalai. Der Hoffenheim-Stürmer traf am Samstag auf seine alten Kollegen vom FC Schalke 04.

Nach der Vorsaison wurde der Ungar förmlich aus Gelsenkirchen weggescheucht - fast so, als hätte man herausgefunden, dass er heimlich in schwarz-gelber Bettwäsche schläft. Immer wieder musste der 26-Jährige als Sündenbock herhalten, wenn's bei den "Knappen" offensiv nicht rund lief. Umso schöner muss es für ihn gewesen sein, mit seiner Mannschaft 2:1 gegen den Champions-League-Teilnehmer zu gewinnen und dabei auch noch zu treffen.

Und weil Rache nicht nur süß, sondern im Sport auch sehr emotional ist, feuerte er einen Klopp-ähnlichen Jubelschrei in Richtung Schalke-Bank ab, nachdem er S04-Keeper Ralf Fährmann zum zwischenzeitlichen 2:0 überwunden hatte.

Danach wurde, vielleicht aus alter Verbundenheit zu Szalai, ausgerechnet der Schalker Facebook-Beauftragte zum Poeten. "Treffer Nummer zwei, Adam Szalai", stand beim Eintrag neben dem aktuellen Spielstand geschrieben.

Wie wir exklusiv in Erfahrung gebracht haben, sollen weitere Posts bereits vorbereitet gewesen sein. "Treffer Nummer drei, Jens Kellers Zeit ist bald vorbei" gefolgt von "Treffer Nummer vier, bald ist Mirko Slomka wieder hier".