Jürgen Klopp hat in diesen Tagen sein XXL-Grinsen aufgesetzt. Der Trainer von Borussia Dortmund kann auf eine relativ reibungslose Vorbereitung zurückblicken, wenn man mal davon absieht, dass die fünf Weltmeister in den ersten Trainingswochen fehlten.

Die sechs Testspiele wurden aber allesamt gewonnen. Die Gegner hießen allerdings nicht Bayern München oder Real Madrid, sondern Hessen Kassel oder 1. FC Heidenheim. Zweieinhalb Wochen vor Saisonbeginn wird es langsam Zeit, dass es losgeht.

Für den BVB ist es das Jahr eins nach Robert Lewandowski, den es nach vier Jahren und insgesamt 131 Toren zum FC Bayern München zog. Wie schon vor einem Jahr Mario Götze. Lewandowski ist ein herber Verlust, keine Frage. Doch in Dortmund schaut man keinen Millimeter zurück. Im Gegenteil. Die Sinne sind geschärft, die Blicke nach vorne gerichtet.

Neuaufstellung des Kaders

Mit einem neuen Team geht man zuversichtlich in die Saison. Denn der BVB hat seine Transfer-Hausaufgaben nach dem letzten Einkauf von Weltmeister Matthias Ginter vom SC Freiburg für rund zehn Millionen Euro mehr als gründlich erledigt und ist damit so breit aufgestellt wie noch nie. Selbst Nationalspieler Mats Hummels kann sich seines Stammplatzes nicht mehr sicher sein. Ginter ist derweil einfach nur froh im neuen Verein zu sein. "Es ist kein Geheimnis, dass die Borussia mir sehr am Herzen liegt und auch schon immer lag", sagte der 20-Jährige im Trainingslager des BVB im Schweizer Bad Ragaz. Vor Ginter wurden schon für den Angriff geholt: Adrian Ramos von Hertha BSC (neun Millionen Euro), Ciro Immobile vom AC Turin (18,5 Millionen Euro) und der ablösefreie Dong-Won Ji vom FC Augsburg. Gutes Personal also, welches Hoffnung auf Titel weckt.

Die große Frage unter den Anhängern der Schwarz-Gelben aber ist: Wie wird Klopp im neuen Jahr spielen lassen ohne Lewandowski vorne im Sturmzentrum? In den Testspielen wechselte der Coach bisher immer zwischen zwei Systemen, einem 4-2-3-1 und einem 4-4-2. Die zweite Variante käme besonders Dortmunds Offensivmann Pierre-Emerick Aubameyang entgegen - das hat auch er selbst bereits erkannt. Es ist also kein Geheimnis, dass der Franzose lieber ganz vorne spielt als auf den Außenpositionen.

Dortmunds Königstransfer Immobile, zuletzt Serie-A-Torschützenkönig, braucht dagegen noch etwas Eingewöhnungszeit, das spüren sie beim BVB. Nach dem 1:0-Sieg im Test gegen Chievo Verona gab es erstmals Kritik am 24-Jährigen: "In so einem Spiel muss man sich mehr zeigen auf der Position", bemängelte Klopp. Ramos hingegen wirkt schon ganz munter. Für den Ex-Berliner ist es wohl keine große Umstellung plötzlich auf ganz hohem Level zu laufen.

Rückkehr der Verletzten

Drei Spieler sind quasi Neuzugänge: Innenverteidiger Neven Subotic trainiert nach seinem Kreuzbandriss seit vier Wochen wieder und ist mit Feuereifer dabei. Zudem stehen die beiden Mittelfeldspieler Jakub Blaszcykowski und Ilkay Gündogan vor ihrer Rückkehr ins Mannschaftstraining. Bei dem Trio besteht die berechtigte Hoffnung auf ein baldiges Comeback. Die wohl beste Nachricht: Superstar Marco Reus absolviert schon wieder leichtes Lauftraining - nur sechseinhalb Wochen nach dem Teil-Riss des vorderen Syndesmosebandes und einem knöchernen Bandausriss an der Fersenbein-Vorderseite - also jener Verletzung, die ihn die Teilnahme an der WM gekostet hatte. Sein Comeback ist für den 3. Spieltag, also nach der Länderspielpause, geplant.

Was ist drin in der neuen Saison?

Ziel für Borussia Dortmund wird erneut die direkte Champions-League-Qualifikation sein und der abermalige Einzug ins Pokalfinale. Ein Plus für Klopp und seine Mannen: Da sie bei Verletzungen diesmal ausreichend Ersatz haben und die Vorbereitung der Bayern wegen deren acht WM-Fahrern und der USA-Tour etwas strapaziöser ist als die des BVB, sollte es diesmal in der Meisterschaft nicht so einseitig laufen wie letztes Mal.