Borussia Dortmund verschafft sich frisches Geld. 114,4 Millionen Euro will der BVB mit einer Kapitalerhöhung von Investoren einsammeln. Die Partner "Puma", "Signal Iduna" und "Evonik" seien als Großaktionäre bereit, einen beträchtlichen Teil der bis zu 24,6 Millionen neuen Aktien aufkaufen. Damit erhält der einzige börsennotierte Verein im deutschen Profi-Fußball einen enormen finanziellen Spielraum - aber was plant der BVB mit dem ganzen Geld?

Für einen Klub wie den BVB wäre eine dreistellige Millionensumme auf der Einnahmenseite eine völlig neue Dimension. Bereits die 26 Millionen, die Borussia Dortmund vor wenigen Wochen durch den Verkauf von neun Prozent seiner Aktien an Hauptsponsor "Evonik" erlösen konnte, galten als Meilenstein.

Nun stellt sich die Frage: wie werden die Schwarz-Gelben das erworbene Geld einsetzen? Der BVB verfolgt dabei mehrere Ziele. Zuerst geht es im nationalen Vergleich darum, auf der einen Seite den Abstand zum FC Bayern München nicht zu groß werden zu lassen. Und auf der anderen Seite, sich der Konkurrenz der gut alimentierten Klubs erwehren zu können. "Wir sind gut beraten, in den Rückspiegel zu schauen, was hinter uns passiert", sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der "Westfalenpost".

Die Hauptkonkurrenten der Borussia hat Watzke dabei genau im Visier. Der BVB-Macher nennt die TSG 1899 Hoffenheim, aber auch "Leverkusen und Wolfsburg, Leipzig kommt irgendwann hoch, das ist nur eine Frage der Zeit. Da müssen wir aufpassen. Wir sind da so ein bisschen ein Old-School-Vertreter, der sich versucht, gegen die New Economy zu behaupten."

Borussia Dortmund: Schwarze Zahlen ohne finanzielles Risiko

Die Maxime der Borussen ist eindeutig: Watzke wird mit dem frischen Geld zunächst die letzten Ausläufer des Beinahe-Crashs des BVB vor zehn Jahren ausradieren. 40 Millionen Euro stehen noch an Verbindlichkeiten aus. "Wir werden die Basis für zukünftiges Wachstum verbreitern. Wir möchten alles, was Borussia Dortmund noch an Finanzverbindlichkeiten hat, auf Null stellen. Wir könnten nach einer geglückten Kapitalerhöhung komplett schuldenfrei sein. Das bedeutet, dass wir jedes Jahr Geld sparen würden, das wir dann ins Mannschaftsbudget stecken könnten", betont Watzke.

Der BVB will trotz der immensen Einnahmen nicht erneut den Fehler begehen, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. Zunächst steht die Konsolidierung an, auf deren Basis dann die nächsten Entwicklungsschritte folgen sollen.

"Wir wollen am besten schon 2017 über 300 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften - und zwar ohne Transfers. Das würde bedeuten, dass wir die Mannschaft mit 120 Millionen budgetieren könnten, ohne jemals rote Zahlen zu schreiben. Das ist der Weg. Und nicht irgendeine Initialzündung durch eine Einmalzahlung", verspricht Watzke keine wilden Shoppingtouren, sondern solides Wirtschaften mit Weitblick.

Zum Vergleich: Derzeit beträgt der Etat der Lizenzspielerabteilung rund 70 Millionen Euro. Ein Anstieg auf rund 120 Millionen wäre eine enorme Steigerung - allerdings ohne dabei das ganz große finanzielle Risiko einzugehen. "Unser Ziel muss es sein, dass uns - wie bei den Bayern - kein Spieler mehr weggekauft wird", sagt Watzke.

Das Beispiel Marco Reus

Fest steht also: Auf die Schnelle wird der BVB sich und seinen Kader nicht verändern. Der Klub setzt weiter auf ein organisches Wachstum, das auf Dauer mehr Wettbewerbsvorteile verspricht als kurzfristige Hauruck-Aktionen. In den verbleibenden Tage bis zum Ende der Transferperiode wird die Borussia also kaum eine spektakuläre Verpflichtung präsentieren.

Vielmehr könnte ein erster Schritt in Sachen Kaderplanung die Wahrung der eigenen Pfründe sein. Nicht zuletzt um Marco Reus war in den vergangenen Tagen und Wochen ein heftiger Streit entbrannt: Kein Tag vergeht ohne neue Spekulationen um Reus, dessen Vertrag, eine vermeintliche Ausstiegsklausel und die Heerschar an interessierten Klubs, die den Nationalspieler angeblich lieber heute als morgen von Borussia Dortmund loseisen wollen.

Dabei hat sich der BVB hinsichtlich der Personalie Marco Reus längst deutlich positioniert. Die Aussicht auf die üppigste Finanzspritze aller Zeiten nährt aber die Hoffnung, den begehrtesten Spieler des Kaders auch mittel- oder sogar langfristig an Dortmund binden zu können.

Jedenfalls sollte es an den finanziellen Rahmenbedingungen kaum mehr scheitern, wenn es beispielsweise darum geht, Reus dessen Ausstiegsklausel abzukaufen und damit deutlich mehr Planungssicherheit zu haben. Dass man den umtriebigen Bayern damit ein Schnippchen schlagen könnte, wäre für den BVB zudem ein schöner Nebeneffekt.

Watzke baut schon einmal vor, wenn er seinem Star ein wenig Honig ums Maul schmiert. "Ich kenne Marco glaube ich ganz gut und kann sagen, dass es ihm nicht in erster Linie um Geld geht." Trotzdem würde auch den BVB-Bossen etwas mehr Ruhe um den 25-Jährigen ganz gut gefallen. In Dortmund haben sie jedenfalls noch eine ganze Menge mit ihm vor. "Marco Reus kann als Spieler von Borussia Dortmund eine Epoche prägen", sagt Watzke. "Er kann eine Legende werden."