Die Euphorie hält weiter an. Marco Reus bleibt bei Borussia Dortmund. Der Aufschwung ist greifbar. Reus' Treueschwur mit "Symbolkraft" (Trainer Jürgen Klopp) soll sich jedoch nicht nur auf das nächste Bundesligaspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 auswirken. In Dortmund plant man jetzt die Zukunft. Doch wie könnte diese aussehen?

Marco Reus bleibt bis 2019 bei Borussia Dortmund - falls er seinen Vertrag erfüllt. Damit ist immerhin eine Personalie beim BVB gesichert. Wie allerdings der Rest der Mannschaft in den nächsten Spielzeiten aussehen wird, weiß vermutlich nicht einmal Jürgen Klopp. Sicher ist nur: Es wird einen Umbruch geben. Um Reus soll ein Team der Zukunft entstehen und zu diesem Zweck werden einige verdiente und weniger verdiente Spieler ihren Platz für andere räumen müssen.

Der BVB will um seinen Superstar das Team der Zukunft bauen.

Die laufende Horror-Saison der Dortmunder hat den Verantwortlichen deutlich gezeigt, dass vor allem in schwierigen Zeiten nicht alle Spieler dem Druck standhalten können; dass einige nicht ins System passen; und dass andere vielleicht ein bisschen zu viel gekostet haben und dafür zu wenig leisten.

Wer steht auf der Streichliste?

Auf der Streichliste des BVB finden sich wohl die erwartbaren Ciro Immobile, Henrikh Mchitarjan, Adrian Ramos und Milos Jojic, der zuletzt sogar aus dem Champions-League-Kader gestrichen wurde, aber auch Meisterhelden wie Kevin Großkreutz, Roman Weidenfeller oder auch der verletzungsgeplagte Marcel Schmelzer. Großkreutz, der im vergangenen Jahr mehr durch Eskapaden als durch gute sportliche Leistungen auffiel, könnte womöglich zu seinem zweiten Herzensklub, dem 1. FC Köln, abwandern. Roman Weidenfeller werden wohl vor allem sein Alter und einzelne Schwächephasen im Abstiegskampf zum Verhängnis. Australiens Nationaltorhüter Mitch Langerak steht bereits in den Startlöchern, um seine Nachfolge anzutreten. Spanische Medien berichten allerdings auch, der BVB sei an den Diensten von Barcelonas Torwart Marc-Andre ter Stegen interessiert.

Die Jugend rückt nach

Als Schmelzer-Ersatz steht bereits Jeremy Dudziak bereit. Der 19 Jahre alte Linksverteidiger spielt bereits seit fünf Jahren bei Borussia Dortmund und wurde zum Ende der Winterpause mit einem Profivertrag ausgestattet. Trainer Jürgen Klopp hält große Stücke auf den Teenager. "Technisch ist er herausragend unterwegs", schwärmt er. Dudziak habe einen "großen Schritt gemacht, was seine Seriosität im Spiel angeht".

Doch Dudziak ist nicht das einzige Talent, das in die A-Mannschaft drängt. Auch den erst 16-jährigen Felix Passlack und Dzenis Burnic traut Klopp offenbar den Sprung in den Profikader zu. "Aber da kommen noch viel mehr Jungs aus der U17 und aus der U19, das sind nicht nur die beiden", bestätigt Klopp die offenbar angedachte Verjüngung des Kaders. Beispielsweise werden auch die derzeit verliehenen Jonas Hofmann und der stellvertretende U21-Kapitän Moritz Leitner zum BVB zurückkehren. Besonders Mittelfeldmann Leitner gilt als großer Hoffnungsträger und Kandidat für die Stammelf.

Die möglichen Transferziele

Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis sich die Jungen zu Leistungsträgern und Stützen der Mannschaft entwickeln. So lange kann der BVB nicht warten. Dafür gibt es zu viele Baustellen. Vor allem im Sturm muss Schwarz-Gelb aufrüsten. Die als Lewandowski-Ersatz verpflichteten Ciro Immobile und Adrian Ramos konnten dem zum FC Bayern München abgewanderten Polen nicht einmal annähernd das Wasser reichen. Als heißer Kandidat für Dortmunds Offensive gilt Max Kruse von Borussia Mönchengladbach. Im Vertrag des 26-Jährigen ist laut "Sportbild" eine Ausstiegsklausel über zwölf Millionen Euro festgeschrieben. Für den BVB ist diese Summe wohl zu stemmen - trotz fehlender Champions-League-Einnahmen in der nächsten Saison. Allerdings soll auch der VfL Wolfsburg an dem Stürmer interessiert sein.

Und auch in der Abwehr und im Mittelfeld könnten sich Löcher auftun. Mats Hummels, Dortmunds Abwehrchef, und Mittelfeldmotor Ilkay Gündogan werden schon länger mit zahlungskräftigen Konkurrenten aus England und Spanien in Verbindung gebracht. Auch wenn Reus' Verlängerung gerne auch als Ansporn für seine abwanderungswilligen Teamkollegen gesehen wird, auslaufende Verträge ebenfalls zu verlängern, wird es für den BVB doch schwierig, ohne internationale Platzierung Hummels und Gündogan langfristig zu binden.

Es macht daher Sinn, dass auch Sami Khedira als möglicher Zugang gehandelt wird, der Gündogan im zentralen Mittelfeld ersetzen könnte. Auch der 20-jährige Dennis Praet von RSC Anderlecht gilt als Kandidat für die Dortmunder Zentrale. Er könnte im Sommer für zehn Millionen Euro wechseln.

Mit Marco Reus steht also gerade einmal ein sehr rudimentäres Gerüst des "neuen" BVBs. Sein Verbleib lässt die Borussen aber mit wiedererstarktem Elan in die Zukunft blicken. Und vielleicht ist eine Generalsanierung nach einer derart verkorksten Saison nicht einmal die schlechteste Idee.