Der Puls steigt, die Trikots sind gebügelt, es kann losgehen: Wenn heute Abend Borussia Dortmund auf den FC Bayern München trifft (LIVE bei uns im Ticker und auf Sky), dann schaut ganz Fußballdeutschland zu. Kein Wunder, immerhin mausert sich das Duell der ständigen Tabellennachbarn langsam aber sicher zum deutschen Clasico. Aber welche Mannschaft hat die besseren Chancen in diesem Spiel der Spiele? Wir machen den Eins-zu-Eins-Vergleich.

Die Torhüter: Weidenfeller vs. Neuer

Eines steht schon mal fest: Ein Torhüter-Problem haben beide Mannschaften nicht. Immerhin hütet sowohl bei Dortmund als auch bei Bayern ein Nationalspieler den Kasten. Vor allem Roman Weidenfeller hat das Potenzial, zum Helden dieser Partie zu werden. Da seine Abwehr getrost als zusammengewürfelt bezeichnet werden kann, wird der BVB-Torhüter genug Chancen bekommen, sich auszuzeichnen. Doch auch Manuel Neuer wird sich nicht - wie so oft - gemütlich zurücklehnen können. Beide Keeper wissen jedoch bestens mit derartigen Stresssituationen umzugehen.

Fazit: Ein klares Remis.

Die Abwehr: Großkreutz und Co. vs. Triple-Sieger-Abwehr

Der FC Bayern wird mit der selben Abwehr auflaufen, die auch schon in Wembley auf dem Feld stand: Lahm, Boateng, Dante, Alaba. Größte Änderung zu den vergangenen Spielen: Kapitän Lahm rückt aus dem defensiven Mittelfeld wieder auf die Rechtsaußen-Position. Einen Unterschied macht das aber nicht. Denn Mr. Souverän lässt auf keiner Position etwas anbrennen.

Bei Borussia Dortmund sieht die Sache ganz anders aus. Da steht Trainer Jürgen Klopp nämlich kein einziger von den Wembley-Recken zur Verfügung. Improvisation ist angesagt und von Journalisten-Seite das ein oder andere Ratespielchen. Ziemlich sicher ist: Kevin Großkreutz wird Lukasz Pisczek auf Rechtsaußen vertreten. Das macht er schon seit einiger Zeit und zwar ziemlich gut. Auf links wird wohl Youngster Erik Durm auflaufen. Der hat schon ein paar sehenswerte Auftritte hingelegt. Gegen einen Spieler vom Kaliber Thomas Müller musste er allerdings noch nie bestehen. In der Zentrale wird es dann langsam eng. Dort muss Klopp wohl oder übel auf Sokratis zurückgreifen. Der Grieche war aufgrund seines Patzers gegen den FC Arsenal in die Kritik geraten. Er darf auf keinen Fall einen schlechten Tag erwischen - sonst scheppert es im BVB-Kasten.

Doch wer soll neben ihm spielen? Unter der Woche verpflichtete Klopp noch schnell den vereinslosen Manuel Friedrich. Er wäre spielberechtigt, hat jedoch nur sehr wenig Praxis. Gegen die Bayern ein absolutes Risiko. Alternativen wären: Sven Bender oder auch Sebastian Kehl. Egal, wen Klopp aufstellt, an die Souveränität der Bayern-Defensive kann der zusammengewürfelte Abwehrhaufen von Borussia Dortmund überhaupt nicht herankommen.

Fazit: Vorteil Bayern

Das defensive Mittelfeld: Bender und Sahin vs. Martinez

Eigentlich darf Sven Bender auf keinen Falls in die Innenverteidigung rücken. Denn dann wäre auch Dortmunds wunderbare Doppel-Sechs gesprengt. Nuri Sahin und der eine Teil der Bender-Zwillinge haben den Ausfall von Ilkay Gündogan wunderbar abgefedert. Man glaubt es Bender, wenn er "vom blinden Verständnis untereinander" spricht und Sahin "einen idealen Partner" nennt. Noch besser versteht sich Bender eigentlich nur mit seinem Zwillingsbruder.

Bei den Bayern ist Pep Guardiola von der Doppel-Sechs abgerückt. Bei ihm wird wohl Javi Martinez alleine das defensive Mittelfeld bilden. Dass der Spanier das kann, daran besteht kein Zweifel - sonst hätten ihn die Bayern ja nicht für viel Geld nach München gelotst. Der Mann kann abräumen und aufbauen. Allerdings musste der Allrounder vergangene Woche das Training mit seiner Nationalmannschaft abbrechen. Angeblich eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wie fit der Sechser wirklich ist, wird sich jedoch erst im Spiel zeigen.

Fazit: Vorteil Dortmund

Auf Seite 2 geht's weiter: Die Offensive

Das offensive Mittelfeld: Reus vs. Götze

Im offensiven Mittelfeld dreht sich die ganze Partie ohnehin nur um eine Frage: Wie wird Mario Götze mit dem sicherlich nicht besonders netten Empfang der Dortmunder Fans zurecht kommen? Und wird er überhaupt Einwürfe und Ecken ausführen? Beim FC Bayern ist man sich jedenfalls sicher, dass der bayerische Zugang ganz hervorragend mit dem Druck umgehen kann. Das ist ja sozusagen ein Einstellungsmerkmal beim Rekordmeister. Dass Götze spielen wird, gilt seit dem Ausfall von Franck Ribery als sicher. Er ist der einzige Spieler, der den Franzosen adäquat ersetzen kann.

Und noch einer brennt ganz besonders auf das Duell mit dem Erzfeind: Arjen Robben. Der Siegtorschütze vom Champions-League-Finale möchte natürlich seinen Ruf als neuer Dortmund-Schreck festigen. Seine derzeitige Verfassung lässt diesen Wunsch ohne Weiteres zu. Der Holländer spielt eine überaus souveräne Saison bisher. Genauso wie seine Mitstreiter in der Zentral: Thomas Müller und Toni Kroos. Vor allem Kroos hat sich als Schweinsteiger-Ersatz mehr als bewährt.

Bei Borussia Dortmund kann Jürgen Klopp in der Offensive fast schon aus dem Vollen schöpfen - zumindest im Vergleich zur Abwehr. Dort werden alle Augen auf Götzes Kumpel Marco Reus gerichtet sein, der an einem guten Tag jede Abwehr - auch die des FC Bayern - im Alleingang aushebeln kann. Sein zentraler Nebenspieler ist Henrikh Mkhitaryan. Der hat in diesem Spiel wohl vor allem eine Mission: Dem deutschen Bundestrainer Jogi Löw zu beweisen, dass der sich seinen Namen wohl besser hinter die Ohren schreiben sollte. Und es ist das erste Spiel, in dem der Götze-Nachfolger auf seinen Vorgänger trifft. Da lohnt es sich genau hinzuschauen - besonders für Liebhaber der Fußballtechnik.

Das offensive Mittelfeld gestaltet sich also wirklich ausgeglichen. Es wird vor allem darauf ankommen, wie gut die Bayern den Ausfall von Franck Ribery kompensieren.

Fazit: Remis

Der Sturm: Lewandowski vs. Mandzukic

Ist das schon das Duell "Nachfolger gegen Vorgänger" im Bayern-Sturm? Eigentlich egal, denn die Wechsel-Posse um Robert Lewandowski wurde inzwischen totdiskutiert. Und in einem Stürmervergleich zählt ohnehin nur das eine: Tore. Da hat Robert Lewandowski um einen Hauch das Näschen vorne. Der hat in der laufenden Spielzeit nämlich schon neunmal getroffen, während sein Kollege auf Bayern-Seite Mario Mandzukic mit acht Toren leicht hinterherhinkt. Ein Defizit, dass der kroatische Nationalstürmer sicherlich nur zu gerne gegen Dortmund ausbügeln würde.

Fazit: Remis

Schlussfazit

Auch wenn die Dortmunder aufgrund ihrer Verletzungsmisere arg geschwächt in dieses Topspiel gehen - das wird noch lange kein sicheres Ding für den FC Bayern. Die Fans können sich spannendes Fußballspiel zweier "högschd motivierter" (frei nach Jogi "Wie-heißt-er-noch-mal") Mannschaften vor großartiger Kulisse freuen. Und wir sind LIVE für Sie dabei. Ab 18:30 Uhr im Ticker.