Absage an den FC Bayern München, Absage an Real Madrid: Marco Reus hat seinen Vertrag bei Borussia Dortmund vorzeitig verlängert. Der neue Kontrakt gilt sogar für die 2. Liga. Doch was steckt hinter dem Deal? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Warum ist die Vertragsverlängerung von Marco Reus für den BVB so wichtig?

Marco Reus stand bei Borussia Dortmund noch bis 2017 unter Vertrag. Allerdings hätte der 25-Jährige den BVB im Sommer 2015 für eine festgeschriebene Ablösesumme von 25 Millionen Euro verlassen können - der FC Bayern München und Real Madrid galten seit Monaten als Interessenten. Im neuen Kontrakt des Nationalspielers ist indes keine Ausstiegsklausel enthalten.

Absage an Bayern und Real: 25-Jähriger verlängert Vertrag in Dortmund.

Die BVB-Bosse Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc verfolgten beim Poker mit Marco Reus zwei Ziele: Den Nationalspieler so lange wie möglich an den BVB zu binden und - noch wichtiger - die Ausstiegsklausel aus dem Vertrag zu streichen. Der finanzielle Gewinn von 25 Millionen Euro, den der BVB durch einen Verkauf seines Leistungsträgers lediglich eingenommen hätte, könnte den sportlichen Verlust keineswegs kompensieren.

Jetzt hat Reus seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2019 verlängert. Das bedeutet allerdings nicht zwingend, dass Reus auch in den kommenden Jahren das schwarz-gelbe Trikot tragen wird. Vielmehr bedeutet es, dass Dortmund die Ablöse ab sofort entscheidend mitbestimmen kann. Und die liegt dann eher bei 50 als bei 25 Millionen Euro.

Auch für Reus lohnt sich der Deal. Der 25-Jährige soll nach Informationen der "Bild"-Zeitung nun rund acht Millionen Euro Grundgehalt kassieren. Zuvor waren es wohl etwas mehr als vier Millionen Euro jährlich. Zudem ist Reus' Verlängerung ein Zeichen an andere Leistungsträger: Umworbene Spieler wie Mats Hummels oder Ilkay Gündogan könnten nachziehen und sich ebenfalls langfristig an den Klub binden.

Gilt Marco Reus' neuer Vertrag auch für die 2. Liga?

Ja. Das hat Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei "Sky Sport News HD" bestätigt. Doch selbst wenn Reus' neue Arbeitspapiere auch bei einem Abstieg gültig sind, werden wir den Nationalspieler in der kommenden Saison wohl nicht gegen den SV Sandhausen oder den 1. FC Heidenheim kicken sehen. Sollte der BVB - aktuell auf Relegationsrang 16 - am Ende der Spielzeit absteigen, würden sich Reus und Watzke sicherlich schnell darüber einig werden, dass der Offensivspieler die Borussia für eine entsprechende Ablösesumme verlassen darf.

Was sprach für eine Vertragsverlängerung von Marco Reus?

Trotz der sportlichen Tristesse beim BVB gab es durchaus ein paar Punkte, die für einen Verbleib sprachen. Der Nationalspieler ist in Dortmund geboren und seit jeher großer Fan des BVB. Reus gilt als äußerst heimatverbunden, seine Familie wohnt in Dortmund.

Zudem stellte sich der Klub hinter den 25-Jährigen, als er wegen der sogenannten "Führerscheinaffäre" in die Schlagzeilen geriet. Im Dezember vergangenen Jahres wurde bekannt, dass Reus jahrelang mit einem gefälschten niederländischen Führerschein fuhr - weil er selbst nie eine Fahrlizenz erworben hatte.

Dass Reus sein Jahreseinkommen inklusive Werbeeinnahmen auf geschätzte zehn Millionen Euro steigert, ist natürlich ebenfalls ein nicht zu vernachlässigender Punkt.

Was bedeutet Marco Reus' Entscheidung für die nahe Zukunft des BVB?

Erst der eminent wichtige 3:0-Auswärtssieg beim SC Freiburg, jetzt die Vertragsverlängerung mit Reus: Es sind endlich mal ein paar schöne Tage aus Sicht der BVB-Fans. Insbesondere die Tatsache, dass sich mit Reus der wohl wichtigste Spieler des BVB zum Klub bekennt, kann für einen enormen Schub in Dortmund sorgen.

Kann sich Borussia Dortmund die Vertragsverlängerung finanziell überhaupt erlauben?

Dennoch bleibt die Frage: Kann sich der BVB Reus' Gehaltserhöhung auch ohne Champions-League-Einnahmen leisten? Zwar hat Watzke den einst hoch verschuldeten Verein konsolidiert, dennoch spielt der BVB finanziell gesehen immer noch nicht in einer Liga mit Klubs wie dem FC Bayern München oder dem VfL Wolfsburg.

Einen Ausverkauf im Sommer hat Watzke zwar ausgeschlossen. Es ist aber gut möglich, dass sich der BVB im Sommer von einst teuren Spielern wie Ciro Immobile oder Henrikh Mkhitaryan trennen und sportlich neu aufstellen wird.

Was sagen Mitspieler und Verantwortliche von Borussia Dortmund zum Verbleib von Marco Reus?

Manager Michael Zorc reagiert euphorisch auf Reus' Verbleib: "Marco Reus hätte zu fast jedem Top-Klub auf der Welt wechseln können. Durch seine Entscheidung hat er gezeigt, dass sein Herz für seine Heimatstadt und für seinen Heimatverein schlägt. Er ist ein ganz wichtiger Baustein für Borussia Dortmunds sportliche Zukunft", sagte der 52-Jährige kurz nach der offiziellen Bekanntgabe des Deals.

Watzke schlägt in eine ähnliche Kerbe: "Marco kann in Dortmund eine Ära prägen, so wie es vor ihm Uwe Seeler in Hamburg oder Steven Gerrard in Liverpool getan hat. Dass er sich inmitten einer sportlichen Krise für den BVB entschieden hat, zeigt ein Höchstmaß an Identifikation, auf das wir sehr stolz sind."

Ciro Immobile, beim 3:0-Sieg des BVB beim SC Freiburg 90 Minuten lang auf der Bank, ist von Reus' Entscheidung ebenfalls äußerst angetan: "Ein super Zeichen. Wir freuen uns sehr. Marco ist Dortmunder durch und durch. Umso schöner, dass er bei uns bleibt", zitiert die "Bild"-Zeitung den Italiener.

Wie sind die Reaktionen im Social Web?

Auch das Social Web reagierte natürlich auf die Sport-Meldung des Tages: