Bayern München ist furios in die neue Saison gestartet: Kein Gegner hatte bisher eine reelle Chance, gegen den Dreifach-Vize zu gewinnen. Ein gelungenes Rotationsprinzip wird in den englischen Wochen der entscheidende Erfolgsfaktor sein. Während die Münchner es schon meisterlich beherrschen, befindet sich Borussia Dortmund noch in der Versuchsphase.

Die Zahlen sprechen für sich: Der FC Bayern hat bisher alle sieben Saison-Pflichtspiele in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League gewonnen und dabei 23 Tore bei nur drei Gegentreffern erzielt. Dabei hat der torgefährlichste FCB-Stürmer der letzten Jahre, Mario Gomez, aufgrund seiner Verletzung noch gar nicht gespielt.

Dennoch wagte es Trainer Jupp Heynckes, seine bisher treffsichersten Spieler, Neuzugang Mario Mandzukic und Thomas Müller, beim Champions-League-Auftakt gegen den FC Valencia zunächst auf der Bank zu lassen. Dafür trafen Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger. Die vier Bayern-Stars bilden das momentane Erfolgsquartett des Saisonstarts: 19 Tore gehen schon auf ihr Konto.

Wechselspielchen ohne Qualitätsverluste

Die Bayern-Bosse haben in der Sommerpause gut investiert. Die Marschrichtung nach zwei titellosen Jahren war klar: "Wenn man große Ziele hat, muss man so einen Kader haben", erklärt Schweinsteiger die Qualitätsfülle in der Mannschaft. Mit Mario Mandzukic, Claudio Pizarro, Xherdan Shaqiri und der späten Verpflichtung von Javi Martinez bewiesen die Planer ein goldenes Händchen.

Trainer Jupp Heynckes ist bei dem hochkarätigen Kader nicht mehr abhängig von einzelnen Leistungsträgern wie Franck Ribéry oder Arjen Robben. Der enorme Konkurrenzdruck scheint die Bayern-Stars zu explosiven Leistungen anzuspornen. Gerade die zuletzt stark kritisierten Sorgenkinder wie Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller blühen regelrecht auf. Auch Toni Kroos zeigte in den bisherigen Partien sein Können. Doch die vielfältigen Besetzungsmöglichkeiten und die Erfolge mit den verschiedenen Startformationen zeigen: Niemand ist unersetzlich.

Auffällig ist auch, dass sich die Mannschaft von einzelnen Rückschlägen nicht mehr so stark verunsichern lässt. Bestes Beispiel ist hierfür Thomas Müller: Bei der Partie gegen Schalke unterliefen dem 23-Jährigen mehrere Fehler, bis er durch ein Tor und eine Torvorlage doch noch zum Matchwinner wurde. "Ich habe mich geärgert, weil ich den einen oder anderen Ball nicht stoppen konnte - als ob ich in der Kreisklasse spiele", sagte er nach dem Spiel. In der vorherigen Saison plagten den Offensivmann bei Misserfolgen häufig Selbstzweifel - jetzt gelingen ihm wieder erstaunliche Treffer.

Abwehr bleibt konstant

Die einzige Konstante bei den Bayern ist bislang die Abwehr: Dante, Jerome Boateng, Philipp Lahm und Holger Badstuber sind gesetzt und überzeugen durch überwiegend gute Leistungen. Doch auch dort gibt es noch größeres Rotationspotential, sobald Außenverteidiger David Alaba wieder fit ist.

Auf eine so qualitativ hochwertige Auswahl können die Dortmunder in den englischen Wochen nicht zurückgreifen. Für den Topstürmer Robert Lewandowski gibt es keine adäquate Alternative. Doch der 22-malige Torschütze aus der vergangenen Spielzeit kommt auch noch nicht richtig in Fahrt und vergab in den letzten Bundesligaspielen schon mehrere gute Chancen. Zudem zeigte die Verteidigung um Mats Hummels und Marcel Schmelzer in jüngster Zeit überraschend schwache Leistungen. Auch der wiedergenesene Mario Götze und der derzeit angeschlagene Marco Reus kämpfen noch mit ihrem Platz im Team. Und dass sie beide gemeinsam funktionieren können, müssen sie noch unter Beweis stellen.

Doch auch bei Bayern gibt es mögliche Gefahrenherde: Bastian Schweinsteiger ist noch immer ein wichtiger Faktor für den Münchner Erfolg. Gegentore nach Standards bleiben nach der schmerzlichen Erfahrung im Champions-League-Finale gegen Chelsea weiterhin eine Schwachstelle in der Bayern-Defensive. Den Beweis lieferte die CL-Partie gegen Valencia. Fraglich bleibt darüber hinaus: Wann und wie findet Mario Gomez nach seiner Genesung, wieder in die Mannschaft zurück. Und was passiert mit Mandzukic?

Auch in der vergangenen Saison hat der spätere Dreifach-Vize gut losgelegt. Darum bemüht man sich momentan bei Bayern um Zurückhaltung: "Wir hatten letzte Saison auch mal acht Punkte Vorsprung auf Dortmund - und wir wissen alle wie es ausgegangen ist", dämpft Karl-Heinz Rummenigge die Euphorie. Denn der Beweis gegen einen wirklich starken Gegner bleibt noch aus. Und die Saison ist noch lang. Und eins ist auch klar: Im Erfolg muckt kein Star auf. Doch sollten sich die ersten Rückschläge folgen, bleibt es spannend zu beobachten, ob die Rotation dann auch noch von allen getragen wird.