Hannover (dpa) - Salif Sané war bei Hannover 96 eine unerwünschte Person. Der Trainer wollte den Verteidiger nicht mehr in seiner Mannschaft haben, der Clubchef gab ihn zum Verkauf frei. Doch seit wenigen Tagen erfreut sich Sané beim Fuball-Bundesligisten neuer Beliebtheit.

Spätestens seit seiner Hauptrolle beim 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg darf der 24-Jährige auf einen längeren Aufenthalt bei den Niedersachsen hoffen. "Wenn er so weiter macht, gibt es keinen Grund, ihn abzugeben", sagte Manager Dirk Dufner nach der Partie: "Wenn er seine Chance nutzt, sind wir offen." Vor kurzer Zeit hörte sich das bei Clubchef Martin Kind noch ganz anders an, als er über die Verkleinerung des Kaders in der Winterpause sprach. Sané schien keine Zukunft bei 96 zu haben.

Der schlaksige Senegalese galt als schwer erziehbar und undiszipliniert. Trainer Tayfun Korkut, der die Mannschaft zu Jahresbeginn übernommen hatte, sortierte Sané vor Saisonbeginn aus. Auf dem offiziellen Mannschaftsfoto fehlt er daher. Der Coach setzt auf Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit.

Sané, für den Pünktlichkeit keine besonders wichtige Eigenschaft für einen Fußballprofi zu sein scheint, wurde in die zweite Mannschaft abgeschoben. "Er muss schauen, dass er das in den Griff kriegt", sagte Korkut zu den Undiszipliniertheiten. Fünf Monate lang durfte Sané nicht mit den 96-Profis trainieren. In der Regionalliga lernte er unter anderem Cloppenburg und Rehden kennen. Die erzieherische Maßnahme scheint gewirkt zu haben. Zumindest hob Korkut die Verbannung Ende November auf und forderte, der Spieler müsse "den Hintern hochbekommen". Am Wochenende wechselte der Coach den zuletzt im März eingesetzten Spieler in der Schlussphase gegen Werder erstmals wieder in der 1. Liga ein. Und am Dienstagabend stellte er Sané für den verletzten Christian Schulz in der Innenverteidigung auf.

Sanés glücklicher Führungstreffer mit dem Hinterkopf war so etwas wie das i-Tüpfelchen auf eine starke Leistung. An der Seite von Marcelo spielte der 24-Jährige aufmerksam und zweikampfstark. "Er zeigt die richtige Reaktion", lobte Dufner. Der Manager freute sich "besonders, denn ich habe ihn damals geholt". Vom Absteiger AS Nancy hatte Dufner den in Lormont geborenen und bei Girondins Bordeaux ausgebildeten Spieler vor anderthalb Jahren nach Hannover gelotst.

"Er hat Riesenpotenzial und kann es noch besser machen", sagte der Manager nun. Auch Korkut, bisher sein größter Kritiker, lobte nach dem Sieg: "Die größere Verantwortung hat er angenommen, und er hat es gut gemacht." Und Torwart Ron-Robert Zieler erklärte: "In dieser Form kann er uns weiterhelfen." Und Sané selbst? Der sagte am Dienstagabend gar nichts. Wortlos verschwand er in die Nacht.