Die Meisterschaft ist entschieden. Die Bundesliga war wirklich schon einmal spannender - zumindest in der oberen Tabellenhälfte. Denn unten, im Kampf gegen den Abstieg, geht es heiß her. Vor allem der FC Augsburg und die TSG 1899 Hoffenheim kämpfen mit aller Kraft um den Relegationsplatz. FCA-Kapitän Paul Verhaegh ist weiter fest vom Klassenerhalt überzeugt und laut Fußballexperte und Ex-Bundesligatorwart Darius Kampa hat der damit zumindest teilweise recht.

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Champions League: FC Bayern München, nimm dir ein Beispiel an diesen Aufholjagden

Champions-League-Halbfinale: Der FC Bayern München sollte sich die 1:2-Niederlage gegen Real Madrid im Hinspiel nicht so zu Herzen nehmen. Es sind schon ganz andere Wunder geschehen. Berühmte Aufholjagden, die Mut machen.

Augsburg spürt den heißen Atem von Hoffenheim im Nacken. Der komfortable Fünfpunkteabstand vom 24. Spieltag ist auf ein klitzekleines Pünktchen zusammengeschrumpft. Für die Augsburger lange kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. "Wir sind davon überzeugt, dass wir unser großes Ziel Klassenerhalt erreichen können, obwohl uns jeder in der Winterpause schon abgeschrieben hat", gibt sich FCA-Kapitän Paul Verhaegh kämpferisch. Der Stehaufmännchen-Effekt könnte für Augsburg tatsächlich ein Vorteil sein, findet auch Darius Kampa: "Erst waren sie raus und jetzt sind sie wieder mittendrin. Das gibt Aufschub." Der ehemalige Torwart des 1. FC Nürnberg, der seine Fußballkarriere einst beim FC Augsburg begonnen hat, glaubt jedoch, dass der FCA vor allem einen weiteren Trumpf im Ärmel hat: "Die meisten Spieler haben den Abstiegskampf aufgrund der letzten Saison schon verinnerlicht. Die hatten in den letzten zwei Jahren nur Abstiegskampf und zwar Spieltag für Spieltag. Hoffenheim ist da irgendwie reingerutscht und das ist eine wahnsinnige nervliche Belastung."

Kehrt mit Gisdol Ruhe bei der TSG ein?

Und tatsächlich hätte man sich in Hoffenheim zu Beginn der Saison auf keinen Fall zu den Abstiegskandidaten gezählt. Damals behauptete Ex-Trainer Markus Babbel noch vollmundig, man wolle mit dem Team einen europäischen Wettbewerb erreichen. Mit jedem verlorenen Spiel wurde die Unruhe im Klub schließlich größer. Ein geregeltes Arbeiten war kaum mehr möglich. Mit dem neuen Trainer Markus Gisdol soll nun endlich Ruhe einkehren. Ein erster Schritt wurde mit dem 3:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf bereits gemacht. Laut Kampa gelingt es Gisdol "die Mannschaft dort abzuholen, wo sie sich befindet." Inwieweit der Trainerwechsel jedoch auch langfristig etwas bringe, könne man erst am letzten Spieltag bewerten.

Verhaegh: "Abstiegskampf ist nicht schlecht"

Verhaegh scheint derweil Gefallen am Abstiegskampf gefunden zu haben. Auf die Frage, an welchen Stellschrauben Augsburg drehen müsste, um nicht in jeder Saison unten drin zu stehen, antwortet der Kapitän: "Abstiegskampf in der Bundesliga ist nicht so schlecht. Ich spiele lieber in der ersten als in der zweiten." Der FCA müsse sich weiter schrittweise entwickeln, doch der Holländer sieht seinen Verein auf einem guten Weg. Vor allem die Leistung der Augsburger in der Rückrunde gibt Verhaegh bei dieser Annahme recht. Nur vier Spiele haben die Augsburger seit der Winterpause verloren, zuletzt in einem packenden Spiel gegen den amtierenden Meister Borussia Dortmund (2:4). Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass der FCA aus der Hinrunde nur klägliche neun Punkte mitnehmen konnte.

Dieses Phänomen konnte man bereits in der letzten Saison bei den Schwaben beobachten. Die Hinrunde vermurkste der Neu-Bundesligist komplett, nur um dann in der Rückrunde eine umso beeindruckendere Aufholjagd hinzulegen. "Dafür gibt es keine echte Erklärung für", sagt Verhaegh. "Diesen Druck brauchen wir nicht. Aber klar ist, dass wir zu Saisonbeginn mit den Wechseln auf den Führungspositionen, aber auch mit einigen Spielerwechseln viele Veränderungen im Klub hatten. Das braucht natürlich etwas Zeit, um sich einzuspielen. Dazu kam ein großes Verletzungspech vor der Winterpause." Damit meint er auch sich selbst. Denn der Kapitän konnte seinem Team wegen eines Innenbandrisses von Oktober 2012 bis Mitte März nicht helfen.

Vor Beginn des 29. Spieltags sieht es also so aus, als würde die verschlafene Hinrunde des FC Augsburg tatsächlich dazu führen, dass Schwaben und Sinsheimer den Relegationsplatz unter sich ausmachen dürfen. Dass beispielsweise Werder Bremen, die derzeit mit 31 Punkten sechs Punkte vor den Augsburgern stehen, noch unten rein rutscht, hält Ex-Keeper Kampa für sehr unwahrscheinlich: "Die spielen eigentlich einen guten Fußball. Nur hinten sind sie vogelwild. Und wenn sie aus Versehen noch ein, zwei Spiele gewinnen, dann reicht das locker für Bremen."

Hoffenheim und Augsburg im Kampf ums Überleben. Wer Spannung sucht, findet sie am Tabellenende. Dennoch lässt sich Kampa am Ende noch zu einer Prognose hinreißen: "Wenn ich das Programm anschaue, glaube ich, dass Augsburg im Vorteil ist. Außerdem haben sie einen Punkt Vorsprung und dieser Punkt kann am Ende ausschlaggebend sein."

Das Restprogramm:

FC Augsburg:

14.04. Eintracht Frankfurt (H)

19.04. Borussia Mönchengladbach (A)

27.04. VfB Stuttgart (H)

05.05. SC Freiburg (A)

11.05. Bayern München (A)

18.05. Greuther Fürth (H)

TSG 1899 Hoffeneheim:

13.04. VfL Wolfsburg (A)

20.04. Bayer 04 Leverkusen (A)

27.04. 1. FC Nürnberg (H)

04.05. Werder Bremen (A)

11.05. Hamburger SV (H)

18.05. Borussia Dortmund (A)