Allzweckwaffe des DFB: Glücksgriff Horst Hrubesch geht mit Remis in Rente

Einst hat er gelernt, Dächer zu decken. Beim DFB legte Horst Hrubesch in seinem Leben als Trainer ganz viele Fundamente. Zuletzt bei den Frauen. Mit 67 ist für das frühere Kopfballungeheuer Schluss mit Fußball.

Trotz all seiner Erfolge drängte Horst Hrubesch nie ins Rampenlicht.
Horst Hrubesch blieb immer bei sich, nahbar und authentisch.
Bei der EM-Endrunde 2000 in Belgien und den Niederlanden ist Hrubesch, links, als Assistent des damaligen Bundestrainers Erich Ribbeck an einem der Tiefpunkte des deutschen Fußballs beteiligt: am blamablen Aus in der Gruppenphase.
Neun Jahre später ist wieder eine EM, die der U21. Weil Hrubesch, Mitte, die DFB-Junioren zum Titelgewinn führt, wird er von Mats Hummels, links, und Sandro Wagner, rechts, zu Recht auf Händen getragen.
Die Krönung für "König Horst" aber ist die Silbermedaille aus Rio: Von den Olympischen Sommerspielen 2016 bringt Hrubesch, Zehnter von rechts, mit einem kurzfristig zusammengewürfelten Haufen toller Talente viel mehr mit als erwartet worden war. Für den Sieg im Endspiel benötigt Gastgeber Brasilien das Elfmeterschießen.
Horst Hrubesch hat Stars mit geformt, zum Beispiel in der U21 Leroy Sané, den Pep Guardiola 2016 aus Schalke zu Manchester City holte. Leroys Vater Souleymane war wie Hrubesch ein großer Torjäger, kam aber erst in die Bundesliga, als Hrubesch sie schon verlassen hatte.
Den Posten des Bundestrainers überließ Horst Hrubesch, links, gerne Joachim Löw, rechts. Hrubesch kümmerte sich lieber um Nachschub für Löws Auswahl. Sie wäre ohne Hrubeschs Aufbau- und Zuarbeit niemals 2014 in Brasilien Weltmeister geworden.
Erst recht stünde Deutschland ohne Horst Hrubesch nicht als Europameister von 1980 in den Siegerlisten. Im Finale von Rom schlägt Hrubesch erst mit dem Fuß (zum 1:0) und kurz vor Schluss (zum 2:1) mit dem Kopf zu. Machtlos ist der spätere Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff, ganz links, im Kasten der Belgier.
Zwei Jahre später kommt es gegen Österreich in der WM-Vorrunde zur "Schande von Gijon". Horst Hrubesch erzielt in der zehnten Minute das Siegtor für Deutschland. Danach passiert gar nichts mehr. Algerien wird durch den Nichtangriffspakt um den Einzug in die nächste Runde betrogen.
Im Halbfinale der WM 198 warten die spielstarken Franzosen. In der Verlängerung führen sie bereits mit 3:1. Doch Horst Hrubesch, rechts, im Zweikampf mit Marius Trésor, übernimmt in diesem Fußball-Krimi in Sevilla noch eine Hauptrolle.
Deutschland gleicht zum 3:3 aus, erzwingt das Elfmeterschießen. In dem tritt Horst Hrubesch als zwölfter Schütze an. Zwei Franzosen und ein Deutscher haben bereits verschossen. Hrubesch behält gegen Jean-Luc Ettori die Nerven. Deutschland steht zum vierten Mal nach 1954, 1966 und 1974 in einem WM-Finale.
Das Endspiel in Madrid gewinnen verdient aber die Italiener mit 3:1. Hrubesch kommt in der 62. Minute für Wolfgang Dremmler ins Spiel. Anders als 1980 wird Hrubesch, links, gegen Fulvio Collovati und Gaetano Scirea, diesmal nicht zum Final-Helden.
National ist es die Zeit der großen Rivalität mit dem FC Bayern München. Hrubesch, links, holt mit dem Hamburger SV die Meisterschaften 1979, 1982 und 1983. Die Bayern schlagen 1980 und 1981 zu.
Im Europameisterschaftsjahr 1980 ist Horst Hrubesch, Zweiter von rechts, an einem der größten Siege der HSV-Geschichte beteiligt. Im Rückspiel des Halbfinals des damaligen Europapokals der Landesmeister zerlegen die Hanseaten die Königlichen mit 5:1. Hrubesch trifft zweimal. Das Finale - in Madrid - gewinnt allerdings Titelverteidiger Nottingham Forest trotz Hamburger Überlegenheit mit 1:0.
Drei Jahre später ist es soweit: Der Hamburger SV setzt sich im Endspiel in Athen gegen die favorisierten Turiner (hier Horst Hrubesch gegen Marco Tardelli, links und Sergio Brio) von Juventus durch. Das Tor schießt Felix Magath.
Nach zwei Jahren in Lüttich bei Standard kehrt Horst Hrubesch im Sommer 1985 in die Bundesliga zurück. Im Trikot von Borussia Dortmund aber hinterlässt der Westfale keinen bleibenden Eindruck. In 17 Bundesligaspielen trifft das einstige "Kopfballungeheuer" nur noch zweimal.
In Essen wird Horst Hrubesch, links, 1975 Profifußballer. Er hätte aufgrund seiner Passion und seines Talents aber auch in die Handball-Bundesliga wechseln können. Umso bemerkenswerter, wie sich Hrubesch über unbändigen Willen und ungezählte zusätzliche Trainingseinheiten bis zum Mittelstürmer der Fußball-Nationalmannschaft hochdient.
Dieser Werdegang prägt Horst Hrubesch und bildet die Grundlage seiner erfolgreichen Arbeit mit den verschiedenen Auswahlmannschaften des DFB. Ein schnörkelloser und ehrlicher Typ, auf und neben dem Platz. Hrubesch hat sich mit seiner Karriere einen Traum erfüllt. Und seine Schützlinge sich dank seiner Anleitung so manchen eigenen.
Beim Blick zurück sollte nicht vergessen werden, dass Hrubesch als Vereinstrainer begonnen hat. Auf seiner Liste stehen prominente Namen wie Rot-Weiß Essen, der VfL Wolfsburg, Hansa Rostock, Dynamo Dresden, der FC Tirol Innsbruck und Austria Wien.
Zum krönenden Abschluss seiner Jahrzehnte in Diensten des DFB springt Horst Hrubesch als Bundestrainer der Frauen ein und schafft mit ihnen die Qualifikation für die WM 2019. Achtmal ist er für die DFB-Elf verantwortlich und gewinnt siebenmal in Folge.