Hannover 96 und der VfB Stuttgart gehen als heißeste Aufstiegskandidaten in die neue Zweiliga-Saison. Dahinter tummeln sich gleich mehrere Klubs, denen ebenfalls gute Chancen eingeräumt werden - darunter auch die einstige Skandalnudel der Liga.

Jetzt geht sie endlich los, die beste, aufregendste, erstklassigste 2. Liga aller Zeiten. So wird das Produkt jedenfalls verkauft. Aber in der Tat beherbergt das Unterhaus mal wieder jede Menge Prominenz.

Was unweigerlich zu der dringlichsten aller Fragen führt: Wer von den Favoriten wird am Ende tatsächlich den Aufstieg schaffen? Nach einigen Jahren der großen Überraschungen (Fürth, Braunschweig, Paderborn, Darmstadt) haben sich zuletzt mit Freiburg und Leipzig zwei Großkaliber durchsetzen können.

Auch in dieser Saison verspricht der Kampf um die ersten drei Plätze das größte Spektakel zu werden. Favoriten und Geheimtipps gibt es jeden Fall im halben Dutzend.

VfB Stuttgart

Neuer Trainer, neuer Sportdirektor, kein Präsident mehr und ein Kader, der auch am ersten Spieltag noch Lücken aufweist wie einst die Abwehrkette in den letzten Spielen der Bundesliga.

Über zweieinhalb Monate hatten die Schwaben Zeit, sich auf die erste Zweitliga-Saison seit 39 Jahren vorzubereiten - und trotzdem gibt es immer noch jede Menge Fragezeichen. Es fehlen noch ein Angreifer und mindestens ein Flügelspieler, dazu ein offensiver Mittelfeldspieler. Die Abgänge schmerzen enorm, wenngleich mit Simon Terodde oder Anto Grgic zwei große Hoffnungsträger eingekauft wurden.

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Das größte Plus sitzt auf der Bank: Jos Luhukay gilt als absoluter Aufstiegsexperte. Aber auch der Trainer wird die zu erwartenden Anlaufschwierigkeiten nicht beheben können. Kommt der VfB irgendwann ins Rollen und vor allem auch Torjäger Daniel Ginczek gesund zurück, ist der VfB trotzdem ein Topkandidat auf den Aufstieg.

Hannover 96

Ähnlich verhält es sich mit den Niedersachsen. Hier wurde im Angriff brutal zugelegt: Martin Harnik und Niclas Füllkrug haben eigentlich ein besseres Format als 2. Liga. Und dann gibt es ja auch noch Artur Sobiech und Zugang Sebastian Maier. In der Offensive ist Hannover garantiert das Maß aller Dinge in der 2. Liga.

Hinten drückt allerdings ein bisschen der Schuh. Bleibt Salif Sané, dann sollte die Abwehrreihe einigermaßen stabil bleiben. Sané würde aber lieber wechseln, insofern bleibt diese Baustelle noch bis 31. August geöffnet.

Und im Tor steht mit Philipp Tschauner zwar ein ligaerprobter Mann. Tschauner verkörpert aber nicht die Klasse, die ihn zu einem der Besten seines Berufsstands in der 2. Liga machen würde.

Trotzdem führt im Aufstiegsrennen kein Weg an Hannover vorbei. Dafür ist die Offensive zu stark besetzt und der Kader auch in der Tiefe anderen Mannschaft meilenweit voraus. "Wir wollen und müssen aufsteigen", sagt Klub-Boss Martin Kind. Das wiederum sagt eigentlich schon alles.

1.FC Nürnberg

Der Club wurde in der abgelaufenen Saison zwar Dritter - mit dem Aufstieg dürfte es in dieser Saison aber sehr schwer werden. Trainer René Weiler ist ebenso weg wie Torjäger Füllkrug oder die Leistungsträger Danny Blum, Jan Polak und Sebastian Kerk. Und Guido Burgstaller hat einen möglichen Wechsel auch noch nicht ganz ad acta gelegt.

Der Club hat kaum Geld, um auf dem Transfermarkt richtig zuzuschlagen. Insofern sind die hoffnungsvollen Verpflichtungen Edgar Salli, Enis Alushi oder Tobias Kempe (alle ablösefrei) schon das höchste der Gefühle.

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Trainer Alois Schwartz benötigt einen guten Start, um erst gar keine Debatten - auch um seine Person - aufkommen zu lassen. Auf eine Super-Serie mit 19 ungeschlagenen Spielen am Stück wie in der vergangenen Rückrunde sollte sich der Club nicht verlassen. Es müsste schon alles perfekt zusammenpassen, wenn Nürnberg ganz oben reinstoßen will.

FC St. Pauli

Am Millerntor pflegt man das Understatement auch vor dieser Saison. Zwar kamen mit Aziz Bouhaddouz und Cenk Sahin zwei vielversprechende Neue, die drei schmerzhaftesten Abgänge dürften aber trotzdem kaum zu kompensieren sein: Marc Rzatkowski, Sebastian Maier und Lennart Thy sind nicht mehr da - und damit die drei Offensivraketen der vergangenen Saison.

Die Hoffnungen ruhen auf Trainer Ewald Lienen. Der hat aus dem Abstiegs- einen Aufstiegskandidaten geformt und ist bei den Fans beliebt wie lange kein anderer Coach vor ihm. Aber auch Lienen kann nicht zaubern. St. Pauli dürfte allenfalls Außenseiterchancen haben.

VfL Bochum

Das "St. Pauli des Westens" dürfte der VfL sein. Auch Bochum hat seinen 40-Tore-Sturm komplett verloren. Marco Terrazzino, Onur Bulut und Terodde sind weg. Insgesamt gab es 13 Abgänge und neun externe Zugänge. Eine Herkulesaufgabe für Trainer Gertjan Verbeek. Aber wenn einer gezeigt hat, dass er schnell ein Team formen und von seiner Idee des Fußballs überzeugen kann, dann wohl der Niederländer.

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Bochum hat wie schon in der letzten Saison Außenseiterchancen. Mehr aber auch nicht. "Wir werden den Aufstieg versuchen", sagt Sportdirektor Christian Hochstätter. Gelänge das Unterfangen, wäre das eine mittelschwere Sensation.

1860 München

Natürlich gibt es noch Braunschweig, Kaiserslautern oder Union Berlin, denen von einigen Experten gute Chancen eingeräumt werden. In der Theorie dürften aber die Löwen das diesjährige "Dark Horse" sein.

Sechzig hat dank der Ismaik-Millionen auf dem Transfermarkt ordentlich zugelangt. Ivica Olic und vor allen Dingen Rückkehrer Stefan Aigner haben eine neue Euphorie in München entfacht. Dazu kommt das brasilianische Talent Ribamar.

Trainer Kosta Runjaic ist ein erfahrener Mann, kennt die Liga und hat gezeigt, dass er Mannschaften nach seinem Gusto formen kann. Und vor allem herrscht mit Sportdirektor Thomas Eichin, der auf ausdrücklichen Wunsch von Investor Ismaik geholt wurde, nun endlich so etwas wie Ruhe zwischen den Gelgebern und dem Hauptverein.

Gelingt den Löwen der Start, kann Sechzig seine imposante Anhängerschaft sofort mitnehmen. Die Löwen sind allerdings auch dafür bekannt, in den entscheidenden Situationen gerne mal zu versagen. 1860 bleibt deshalb eine Wundertüte.