Väter und Söhne in der Formel 1: Mick Schumacher ist bereits der neunte Junior

Mick Schumacher ist nicht der erste Rennfahrer, der seinem Vater nacheifert. Zum neunten Mal in der Geschichte der Formel 1 führt die erbliche Vorbelastung dahin, wo bereits der Vater Spuren hinterließ.

Dem Erbe verpflichtet: Damon Hill bewundert 2008 an der Geburtsstätte der Formel 1 im englischen Silverstone die Büste seines Vaters Graham. Graham Hill fährt 1962 und 1968 zum WM-Titel in der Formel 1. Drei Mal nacheinander, 1963 bis 1965, verliert er allerdings auch den Kampf um die Krone und wird Gesamt-Zweiter.
Für Damon Hill, hier als Sechsjähriger am 15. Juli 1967 in Silverstone, ist die Rennstrecke von klein auf seine zweite Heimat und Sammelpunkt für die ganze Familie. Mama Bette nimmt die Rundenzeiten. Sie zeigen, wie gut Damons Vater im Rennen liegt. 1967 in Silverstone ist Graham Hill nach 74 von 80 Runden vorzeitig zurück an der Box und wegen eines Motorenproblems ausgeschieden.
Ein Jahr später, am 6. Oktober 1968 in Watkins Glen in den USA, ist Graham Hill auf dem Weg, zum zweiten Male Weltmeister zu werden. An jenem Tag ist nur der Schotte Jackie Stewart schneller als Hill, muss aber noch bis 1969 auf seinen ersten WM-Triumph warten. Graham Hill wird 1969 WM-Siebter. Er stirbt sechs Jahre später als Formel-1-Teamchef beim Absturz seines eigenen Flugzeugs.
Sohn Damon, für den die Rennstrecke von klein auf die zweite Heimat ist, debütiert erst als 32-Jähriger 1992 in der Formel 1. 1994 und 1995 muss er sich im Titelrennen dem späteren Rekordweltmeister Michael Schumacher geschlagen geben, ehe es 1996 so weit ist: Weltmeister, 34 Jahre nach dem ersten Titel seines Vaters. Als WM-Zwölfter verabschiedet sich Damon Hill 1999 nach 22 Siegen in 115 Rennen aus der Formel 1.
2011 deutet alles darauf hin, als folge mit Josh Hill Damons Sohn und Grahams Enkel dem Beispiel seiner männlichen Ahnen. Josh beweist in der Formel Renault sein Talent. Das Design seines Helmes unterstreicht die Verwandtschaft, ist es doch jenes seines Vaters und seines Großvaters. 2013 aber, mitten in der Saison der Formel 3, beendet Josh Hill seine Motorsport-Karriere.
Sechs Jahre lang ist Lotus-Gründer Colin Chapman, rechts, der Teamchef von Joshs Großvater Graham. Er arbeitet mit den besten Fahrern seiner Zeit zusammen. Zu ihnen gehört auch der US-Amerikaner Mario Andretti, links.
Andretti fährt als 28-Jähriger erstmals in der Formel 1, in einem Lotus. Zehn Jahre später, 1978, ist er deren Weltmeister, in einem Lotus. Diese Aufnahme stammt aus dem Großen Preis von Belgien in Zolder am 16. Mai 1976. Andretti gehört zu den 14 Ausfällen des Rennens. Seinen 128. und letzten Grand Prix absolviert Andretti als 42-Jähriger zum Saisonende 1982 in Las Vegas in einem Ferrari - wieder fällt er aus.
Elf Jahre später, im Alter von 31 Jahren, schnuppert auch Marios Sohn Michael Formel-1-Luft. Zu viel mehr reicht es aber nicht. Michael geht für McLaren 13-mal an den Start, platziert sich aber immerhin ein Mal auf dem Podium: Er wird am 12. September 1993 in Italien, der Heimat seiner Vorfahren, in Monza hinter Damon Hill und Jean Alesi Dritter.
Als Michaels Vater Mario Andretti 1982 zwei Mal in einem Ferrari fährt, hat die Scuderia gerade ihren Star auf tragische Weise verloren: Der tödlich verunglückte Kanadier Gilles Villeneuve gilt bis heute wegen seines furchtlosen Fahrstils und seiner amtemberaubenden Geschwindigkeit als Ikone der Formel 1 und Ferraris.
Sein Leben endet am 8. Mai 1982 auf der Rennstrecke im belgischen Zolder. Villeneuve, 1979 Vize-Weltmeister, 1980 WM-Zehnter, 1981 WM-Siebter, ist auf der Jagd nach der Bestzeit. Ein Missverständnis mit dem Deutschen Jochen Mass, den er überholen möchte, wird Villeneuve zum Verhängnis. Der 32-Jährige fliegt aus seinem abhebenden Auto und bricht sich an einer Streckenbegrenzung das Genick.
Jacques Villeneuve hat im Alter von elf Jahren seinen Vater an den Rennsport verloren - und wird selbst Rennfahrer. 15 Jahre nach dem Tod seines Vaters schafft Jacques Villeneuve, was seinem Vater trotz dessen Talents und Draufgängertums nicht vergönnt war: Weltmeister zu werden.
Jacques Villeneuve ist nach nur zwei Jahren oder 34 Rennen der beste Fahrer der Formel 1. Er gewinnt im Williams als Nachfolger von Weltmeister Damon Hill den beinharten Kampf um den Titel gegen Michael Schumacher. Der provoziert im entscheidenden Rennen eine Kollision mit Villeneuve und wird daraufhin aus der WM-Wertung genommen. Villeneuves Teamgefährte Heinz-Harald Frentzen erbt WM-Platz zwei. Villeneuve fährt noch bis 2006 in der Formel 1, zuletzt für BMW-Sauber.
Ein WM-Konkurrent von Jacques Villeneuves Vater Gilles ist Ende der 70er und Anfang der 80er-Jahre Nelson Piquet (hier nach seinem Sieg am 9. August 1987 auf dem Hungaroring). Zwischen 1978 und 1991 bestreitet der Brasiliener 204 Grand Prix. Er gewinnt 23 davon und holt 1981, 1983 und 1987 den WM-Titel.
Nelson junior reicht an die Bedeutung seines Vaters in der Formel 1 später nicht annähernd heran. 1985, also genau zwischen zwei Weltmeisterjahren seines Vaters, geboren, nimmt Nelson Piquet junior 2008 und 2009 an ingesamt 28 Rennen teil.
Dass er 19 WM-Punkte einfährt, ist heute ebenso vergessen wie seine beste Platzierung: ein zweiter Platz im Rahmen des Großen Preises von Deutschland am 20. Juli 2008 auf dem Hockenheimring. Denn da gibt es ja zwei Monate später diesen Unfall.
Nelson Piquet junior kracht in Singapur mit seinem Renault - auf Geheiß seines Teamchefs Flavio Briatore, wie sich herausstellt - absichtlich in die Mauer. Eine anschließende Safety-Car-Phase ermöglicht Piquets Teamkollegen Fernando Alonso den Sieg. Die Aktion geht als "Crashgate"-Skandal in die Sportgeschichte ein. Briatore wird auf Lebenszeit gesperrt, und Piquet junior verliert 2009 mitten in der Saison sein Cockpit an den Franzosen Romain Grosjean.
Neben der Familie Schumacher kann in Deutschland nur die Familie Winkelhock mit Vater und Sohn in der Formel 1 aufwarten. Manfred, links, erlebt seinen Sohn Markus jedoch nur fünf Jahre lang. Manfred Winkelhock stirbt am 12. August 1985, einen Tag nach einem schweren Unfall im Rahmen eines Sportwagen-Rennens im Mosport Park in der nähe des kanadischen Toronto. Er wird nur 32 Jahre alt.
Zuvor ist Manfred Winkelhock in 47 Formel-1-Rennen aktiv, fährt jedoch nur zwei WM-Punkte ein. Er holt sie 1982 in Brasilien für den deutschen Rennstall ATS, hier zu sehen ein Jahr später, ebenfalls in Brasilien. Außerdem sitzt Winkelhock bis 1985 noch für Brabham und RAM-Hart hinter dem Steuer.
Sohn Markus, hier mit seinem ebenfalls rennfahrenden Onkel Joachim, der jedoch nie in der Formel 1 mitfährt, schreibt mit seinem einzigen Formel-1-Einsatz Geschichte.
In einem unterlegenen Spyker führt Markus Winkelhock in seinem einzigen Formel-1-Rennen sechs Runden das Feld an, weil er am 22. Juli 2007 im Unwetter auf dem Nürburgring als einziger mit Regenreifen gestartet war.