• Lewis Hamilton hat am Sonntag den WM-Titel in der letzten Runde an Max Verstappen verloren.
  • Während sein Mercedes-Team protestierte und sogar eine Berufung erwägt, zeigt sich Hamilton als vorbildlicher Verlierer.
  • Kleiner Trost für den 36-Jährigen: Er wird am Mittwoch offiziell zum Ritter geschlagen.

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Lewis Hamilton schweigt noch immer. Seit seinen kurzen Statements nach dem kontroversen und für ihn so bitteren Formel-1-Saisonfinale in Abu Dhabi hat sich der 36-Jährige rar gemacht. Selbst in den sozialen Medien, wo er sonst sehr aktiv ist, liest man nichts von ihm.

Dafür meldete sich sein Halbbruder Nicolas auf Instagram zu Wort, wetterte dort: "Die FIA hat ihre eigenen Regeln gebrochen, was eine Schande für unseren gesamten Sport ist." Er sei von dem Sport, dem er so viel gegeben habe, im Stich gelassen worden, so Nicolas Hamilton.

Worte, die auch der frisch zum Ritter geschlagene Lewis Hamilton im ersten Frust hätte sagen können. Man hätte ihm das wahrscheinlich nicht einmal verübelt. Doch der Brite bewies am Sonntag Größe, gratulierte dem neuen Weltmeister Max Verstappen und zollte dem Niederländer Respekt. Keine bösen Worte, keine Vorwürfe, keine verbale Frustbewältigung – Hamilton zeigte damit vor allem seinem Arbeitgeber, wie man mit einer Niederlage umgeht.

Immenser Schaden für die Formel 1

Denn nach den beiden abgewiesenen Protesten gegen die umstrittene Safety-Car-Phase zum Schluss, die Verstappen letztlich den Titelgewinn ermöglichte, ist immer noch eine Berufung durch Mercedes möglich – bis einschließlich Donnerstag. Die Silberpfeile scheinen die Frist zumindest auszureizen.

Der Schaden für die Motorsport-Königsklasse ist jedoch schon jetzt immens. Und es darf zumindest bezweifelt werden, dass Hamilton den achten, den so historischen WM-Titel vor Gericht gewinnen will. Er wäre dann zwar alleiniger Rekord-Weltmeister, hätte Michael Schumacher auch diese Bestmarke entrissen – doch was wäre das dann noch wert?

Verstappen: "Lewis ist ein toller Sportsmann"

Zu den Geschehnissen am Sonntagabend, also zu den Protesten und dem möglichen Versuch, den Titel am grünen Tisch holen zu wollen, hat sich Hamilton nicht öffentlich geäußert. Gerüchten zufolge soll er aber Teamchef Toto Wolff darum gebeten haben, die Proteste zurückzuziehen. Ob das stimmt, ist unklar. Es würde aber zu Hamiltons Verhalten in den Momenten nach der Niederlage passen.

"Lewis ist ein toller Sportsmann", sagte auch Max Verstappen. "Es ist Rennsport und wir alle müssen damit umgehen, ob positiv oder negativ. Aber er wird sehr stark zurückkommen, denn er ist ein unglaublicher Fahrer", sagte der Red-Bull-Pilot.

Er fühlt mit seinem Rivalen, mit dem er sich das ganze Jahr über ein intensives Duell geliefert hat. "Natürlich. Es gab eine Seite, die unheimlich glücklich war, und eine andere, die enttäuscht war. Natürlich habe ich mit Lewis mitgefühlt. Er hat alles richtig gemacht, das gesamte Rennen über", sagte Verstappen.

Nette Jungs gewinnen keine Titel

Interessant: Für den früheren Formel-1-Teamchef Eddie Jordan ist Hamiltons Verhalten ein Grund für die Schlappe gegen den zwölf Jahre jüngeren Rivalen. "Ich denke, Lewis ist jetzt schon zu lange zu weich gewesen. Er muss wieder härter werden", sagte Jordan der BBC.

Er habe es jemandem, der so aggressiv und arrogant wie Verstappen sei, erlaubt, ihn zu ärgern und seinen Titel zu stehlen, so Jordan. Er findet, Hamilton habe seinem Rivalen die Tür geöffnet. "Hören Sie sich an, wie er danach gesprochen hat. Er war so sportlich. Ganz Großbritannien kann stolz sein auf das, was er tut, aber nette Jungs gewinnen keine Titel, und er ist ein netter Kerl geworden", so Jordan.

Der "nette Kerl" hatte am Mittwoch den ersten öffentlichen Auftritt seit dem WM-Finale, er wurde von Prinz Charles in den Ritterstand erhoben. Die feierliche Zeremonie fand auf Schloss Windsor statt, im vergangenen Jahr war sie wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Der Ritterschlag ist die höchste Ehre für britische Sportler, Hamilton ist nach Jackie Stewart, Stirling Moss und Jack Brabham der vierte Rennfahrer, dem diese Ehre zuteil wird. Wie sich am Sonntag gezeigt hat, wohl vollkommen zu Recht.

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