Sebastian Vettel (Ferrari) hat am Dienstag zum Auftakt der zweiten Testwoche in Barcelona die Bestzeit erzielt. Seine 1:20.396 Minuten vom Vormittag wurden in den vier Stunden nach der Mittagspause nicht mehr unterboten. Auch nicht von Lewis Hamilton, der bei Mercedes am Nachmittag anstelle von Valtteri Bottas übernahm.

Vettel schraubte sein Konto auf erstaunliche 171 Runden, was im Hinblick auf die Zuverlässigkeit ein ermutigendes Signal ist. Aber auch der neue Silberpfeil lief ohne Probleme. Hamilton (91) und Bottas (86) schafften zusammen 177 Runden. In der Zeitentabelle belegten die beiden die Positionen vier und zwei, mit 0,412 beziehungsweise 0,200 Sekunden Rückstand.

Bei guten Wetterbedingungen (9-17 Grad Luft-, 17-32 Grad Asphalttemperatur) absolvierten sowohl Ferrari als auch Mercedes die ersten wirklich produktiven Runs dieses Winters, im Bereich von jeweils zehn Runden. Nach dem Schneechaos der Vorwoche ein Segen für die Ingenieure, die nach repräsentativen Daten lechzen.

Dass jetzt endlich "richtig" gefahren wird, zeigte sich auch daran, dass speziell am Mercedes die Reifen teilweise Blasen zogen. Was den Rückschluss zulässt, dass Bottas und Hamilton beauftragt waren, auf ihren mittellangen Runs auch mal die Haltbarkeit der Pirellis genauer unter die Lupe zu nehmen - teilweise ohne Abkühlrunden, die so manch anderer immer wieder eingeschoben hat.

Am Ende des Tages lagen dann die aus dem Vorjahr bekannten Topteams voran. Vettel hatte seine Bestzeit auf Medium-Pirellis erzielt, Bottas und Hamilton auf Soft. Der drittplatzierte Max Verstappen (Red Bull/+0,253) fuhr seine schnellste Runde auf Medium. Allerdings blieb er um 16:22 Uhr auch einmal mit technischen Problemen (Batterie) stehen.

Probleme bei McLaren-Renault

Von den 130 Runden, die der RB14 trotzdem geschafft hat, können andere nur träumen. McLaren zum Beispiel wurde von einer ganzen Serie von Problemen geplagt. Bereits am Morgen blieb Stoffel Vandoorne (12./+1,550) einmal in der Boxengasse stehen; wenig später verursachte er mit einer defekten Batterie bei Start und Ziel die erste rote Flagge.

Noch vor der Mittagspause konnte er wieder ins Geschehen eingreifen, doch kurz vor 16:00 Uhr stand er wieder neben der Strecke, diesmal in Kurve 3. Übeltäter war die Hydraulik. Da halfen auch die zusätzlichen Lüftungslöcher nichts, das die McLaren-Ingenieure seit vergangener Woche in die Karosserie geschnitten haben, um die Überhitzungsprobleme des Renault-Auspuffsystems zu lösen.

Pierre Gasly fiel im Vergleich zum Vormittag vom vierten auf den fünften Platz zurück, weil er von Hamilton überholt wurde; behauptete sich aber mit 0,577 Sekunden Rückstand als erster Verfolger der Topteams. Allerdings erlebte die Allianz Toro-Rosso-Honda insofern einen ersten Rückschlag, als der Franzose am Nachmittag nur noch eine einzige Runde drehen konnte (insgesamt 54). Wegen eines Problems mit den Bremsen.

Mittelfeld dicht beisammen

Auf den Positionen sechs bis zwölf lagen alle weiteren Teams innerhalb von gut einer halben Sekunde, was auf eine spannende Formel-1-Saison 2018 hoffen lässt. Nico Hülkenberg (7./1,036) übergab den Renault nach 48 Runden an Carlos Sainz, der weitere 91 Runden schaffte und als Achter fast gleich schnell war.

Dass Renault am Vormittag nicht mehr zum Fahren kam, lag offenbar an Sensorproblemen. Auch Haas wäre gern mehr gefahren als die 96 Runden von Kevin Magnussen (6./+0,902). Am Vormittag hatten sich beim Dänen Teile des Unterbodens gelöst, wie 'auto motor und sport' berichtet; am Nachmittag streikte dann eine ERS-Komponente des Ferrari-Antriebs.

Der zweite Barcelona-Wintertest geht wieder über vier Tage und endet am Freitag. Normalerweise wird von 9:00 bis 13:00 und von 14:00 bis 18:00 Uhr gefahren. Für Mittwoch und Freitag haben sich die Teams vorerst darauf verständigt, die Mittagspause zu streichen und durchzufahren. Die Wetterprognose ist übrigens für die gesamte Woche gut.© Motorsport-Total.com GmbH