Die Kältewelle hat auch die Formel-1-Testfahrten in Barcelona fest im Griff. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel konnte bislang die schnellste Rundenzeit aufstellen, am letzten Tag der ersten Woche zeigte er sich bislang allerdings zurückhaltend. "Nicht sehr viel" könne man bei Temperaturen von rund 13 Grand Celsius in der Luft und 26 Grad auf dem Asphalt lernen. Der erste Eindruck im SF71H habe dennoch "gepasst", resümiert der Deutsche. Er sieht die silberne Konkurrenz aber vorne.

"Wenn es sehr kalt ist, ist es schwierig, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Und wenn man sich schwer tut, die Reifen überhaupt ans Arbeiten zu bekommen, rutscht man viel rum. Man kann natürlich ein paar Erfahrungswerte sammeln, was das Auto angeht", dennoch werden die Formel-1-Boliden im gesamten restlichen Jahr wohl kaum bei ein paar Grad über dem Gefrierpunkt fahren. Vettel konnte am zweiten Tag mit 98 Runden bereits viele Daten sammeln, am Donnerstag hält er zu Mittag bei 56 Runden.

"Das Gröbste kann man gut einschätzen, was Aero-Daten und so weiter angeht, aber klar hilft es einem immer, wenn es vernünftige Bedingungen hat, dass man dann noch ein besseres Gefühl hat für das Auto und für die Reifen", betont der Vizeweltmeister des Vorjahres. Er lässt sich noch keine konkrete Einschätzung über die neue rote Göttin entlocken. Es sei noch "zu früh", um ein erstes Urteil zu fällen.

Erwartungen wurden bestätigt - Kampfansage Richtung Silber

Dennoch scheint Ferrari im Winter keine völlige Fehlkonstruktion passiert zu sein, denn Vettel ist "soweit zufrieden". "Alles was wir uns erhofft hatten, scheint der Fall zu sein. Aber wo man damit im Vergleich zu den anderen steht, ist schwer einzuschätzen." Denn die Testprogramme der Teams fallen unterschiedlich aus. Die Zeiten können kaum miteinander verglichen werden, da weder die Motoreinstellungen, noch Spritmenge oder sonstige Abstimmungen bekannt sind. "Eher fahren wir nach Australien, alle lassen die Hosen runter - und dann schauen wir, wo wir sind."

Vettels Rundenzeit von 1:19.673 Minuten steht nach wie vor an der Spitze der Gesamttabelle. Der Ferrari-Pilot ist am Donnerstag noch eine Sekunden von seiner eigenen Bestmarke entfernt, was auch den winterlichen Bedingungen geschuldet ist. Im Gegensatz zu den anderen Piloten konnte sich Vettel bereits am Sonntag an den neuen Ferrari gewöhnen. Die Italiener hielten einen Shakedown ab. "Auch wenn's nicht viele Runden waren, hat das gereicht für einen ersten Eindruck. Wir sind so weit zufrieden. Das Auto funktioniert. Wie gut es funktioniert, ist immer die Frage, aber das misst sich ja auch an den anderen."

An den zwei Testtagen war bislang noch kaum Zeit, um an der Abstimmung zu feilen, bemängelt der viermalige Weltmeister. "Wir würden uns wünschen, ein bisschen mehr an der Balance zu arbeiten, ein paar Dinge auszuprobieren, am Set-up zu feilen. Bis jetzt gab's noch nicht viel Zeit auf der Strecke." Vor allem am verschneiten Mittwoch gab es kaum Fahrbetrieb. Kimi Räikkönen blieb den gesamten Tag über in der Garage. Im Nachhinein wäre ein Testlauf im wärmeren Bahrain klüger gewesen, stimmt Vettel zu. "Es ist immer die gleiche Diskussion. Nächstes Jahr ist es dann hier sehr warm. Dort regnet's vielleicht nicht, aber es kann auch einen Sandsturm geben, der dann drei, vier Tage bleibt", gibt er zu bedenken.

Obwohl sich aus den Testfahrten noch kein klares Kräfteverhältnis herauskristallisiert hat, benennt Vettel bereits seinen persönlichen Favoriten: "Mercedes ist der Favorit. Wäre natürlich schön, wenn wir sehr nah dran sind - näher als vergangenes Jahr. Und wenn Red Bull aufschließen kann, wird's interessant." Der Heppenheimer verpasste den WM-Titel im Vorjahr um 46 Zähler, seine letzte Weltmeisterschaft liegt nun bereits fünf Jahre zurück. "Es ist unvermeidbar, dass jeder älter wird, aber es fühlt sich immer zu lang an, wenn über ein Jahr vergangen ist", gibt der 30-Jährige zu. Daher schickt er eine klare Botschaft Richtung Konkurrenz und Tifosi: "Ich möchte sicherstellen, dass wir den Titel zurückholen können. Das ist unsere Aufgabe, unser Ziel - die Weltmeisterschaft nach Maranello zurückzuholen."  © Motorsport-Total.com GmbH