Ferrari feiert mit Shooting-Star Charles Leclerc den zweiten Saisonsieg in Folge und entwickelt sich wieder zu einem ernsthaften Herausforderer für Mercedes. Es gibt aber auch einen Verlierer bei Ferrari: Sebastian Vettel droht seinen Nummer-eins-Status zu verlieren.

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Rote Fahnen, begeisterte Tifosi, große Euphorie – der Sieg von Ferrari-Fahrer Charles Leclerc beim Großen Preis von Italien wurde gefeiert wie ein Titelgewinn. Es war das erste Mal seit 2010, dass ein rotes Fahrzeug auf der Heimstrecke von Monza als erstes die Ziellinie überquerte. Zurück bleibt die Erkenntnis, dass Ferrari nach einem schwierigen Saisonverlauf nun wieder ein konkurrenzfähiges Auto hat.

Der Triumph von Leclerc war für Ferrari bereits der zweite Saisonsieg in Folge. Auch beim Großen Preis von Belgien konnte der 21-Jährige triumphieren. Selbst die Konkurrenz aus dem Hause Mercedes war voller Respekt.

"Ich habe alles versucht, aber Ferrari ist einfach so schnell auf den Geraden. Wir haben auch mit den Motoreinstellungen alles versucht. Aber es hat nicht gereicht“, sagte Valtteri Bottas, der in Italien Platz zwei belegte.

Hamilton lobt: Ferrari hat einen super Job gemacht

Auch der Drittplatzierte und WM-Führende Lewis Hamilton lobte: "Ferrari hat einen super Job gemacht. Sie waren einfach schnell, viel schneller auf den Geraden als wir. Selbst wenn man einmal rankommt, kommt man nicht vorbei."

Ist Ferrari nun also auf dem Weg zurück zur alten Stärke? Tatsache ist: Die Rennstrecken von Monza und Spa kamen dem Ferrari mit den vielen langen Geraden und schnellen Kurven sehr entgegen. "Wir haben auf den Geraden natürlich immer den Speed gehabt, wenn die Angriffe kamen", bestätigte Teamchef Mattia Binotto bei RTL.

Dennoch ist der Ferrari noch immer weit davon entfernt, das perfekte Rennauto zu sein. Mag der Ferrari SF90 auf den langen Passagen schnell Höchstgeschwindigkeiten entwickeln, so zeigt sich seine Schwäche in den langsamen Kurven.

"Die Daten zeigen deutlich, dass wir zu wenig Reifenhaftung haben", sagte Binotto gegenüber der "Bild am Sonntag". "Auf Strecken mit vielen Kurven leiden wir also umso mehr. In langsamen Kurven fehlt uns die Balance."

In Belgien und Italien kam diese Schwäche aufgrund der Streckenführung kaum zum Tragen. Die nächsten Rennen werden allerdings eine ganz andere Herausforderung sein. Die Strecke von Singapur, wo am 22. September das nächste Rennen stattfindet, hat viele enge Kurven. Ähnlich verhält es sich bei einigen anderen ausstehenden Rennen des Jahres 2019.

Ferrari-Teamchef: Nun kommen schwierige Strecken

"Wir wissen, dass nun Strecken kommen, die für uns schwierig sind – auch die nächste", gab auch Binotto zu. "Aber wenn man sich den ersten Teil der Saison anschaut, so haben wir da einige Möglichkeiten liegen gelassen und hätten mehr Punkte holen können. Es wird wieder andere Gelegenheiten geben. Wenn wir eine Chance bekommen, möchten wir die auch nutzen."

Kann Ferrari also eventuell noch einmal ins Titelrennen eingreifen? Leclerc ist durch den Sieg zwar an Vettel vorbeigerückt und steht nun in der Fahrerwertung auf Platz 4, hat bei sieben ausstehenden Rennen aber noch beachtliche 102 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Hamilton.

Sky-Experte Nick Heidfeld sagte: "Man darf zwar niemals nie sagen, aber es ist unwahrscheinlich, dass der Titel noch mal greifbar ist. Es war im Vorhinein klar, dass Spa und Monza Ferrari am besten liegen."

Vettel bald nur noch die Nummer zwei bei Ferrari?

Möglicherweise aber ist die aktuelle Situation ein Fingerzeig in Richtung 2020 und verspricht dann ein spannendes Duell zwischen Rot und Silber. Fraglich ist allerdings, ob auch Sebastian Vettel davon profitieren kann oder ob der Deutsche, der in Monza einen rabenschwarzen Tag hatte und Platz 13 belegte, zur Nummer zwei degradiert wird.

Dies glaubt jedenfalls Nick Heidfeld: "In den letzten Rennen war Leclerc ganz eindeutig stärker. Ich glaube auch, dass der Wind bei Ferrari sich jetzt gedreht hat und man intern und in Italien Leclerc als Nummer 1 sieht." RTL-Experte Nico Rosberg sieht das ähnlich: "Es wird immer schwieriger für Sebastian teamintern, weil der Leclerc momentan so hoch fliegt."

Vettel könnte somit also der einzige Verlierer des Aufschwungs von Ferrari sein.

Verwendete Quellen:

  • Formel-1-Übertragung bei RTL am 8. September
  • Bild am Sonntag (8. September): "Vettel ist immer noch hungrig"
  • Sport.sky.de: Nach Vettel-Debakel in Monza: "Der Wind hat sich gedreht"

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