• Der unterschätzte Rookie: Yuki Tsunoda hat 2021 für jede Menge Unterhaltung am Funk gesorgt.
  • Der ungewöhnliche Rookie: Der Japaner gibt zu, "ein fauler Sack" gewesen zu sein.
  • Der erfolgreiche Rookie: Mit einer Leistungssteigerung verdiente er sich einen Vertrag für 2022.

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Die Wut musste raus, der Frust auch, der Ärger. Fast immer. Yuki Tsunoda drückte dann auf den Knopf und ließ Dampf ab. Ob ihn nun ein Gegner auf die Palme brachte, das eigene Auto, eigene Fehler oder aber einfach die Gesamtsituation - der Japaner schimpfte dann am Funk wie ein Rohrspatz.

Was für die Fans unterhaltsam war, schadete ihm selbst, denn der Rookie vom Rennstall AlphaTauri verlor den Fokus, das Fluchen war eine eklatante Schwäche. Und es war nicht die einzige. Denn der Japaner verrät: "Ich war ein fauler Sack."

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AlphaTauri-Fahrer Yuki Tsunoda, hier vor dem 18. Rennen der Saison in Austin in den USA, erlebt in seiner ersten Saison in der Formel 1 Auf und Abs. Den Grand Prix im US-Bundesstaat Texas beendet Tsunoda später auf Platz neun. Es ist eine seiner fünf Platzierungen unter den besten zehn Fahrern.

Das ist ein ungewöhnliches Geständnis einer ebenso ungewöhnlichen Attitüde für einen Formel-1-Neuling. Doch Tsunoda nimmt nicht nur am Funk kein Blatt vor den Mund, sondern auch außerhalb des Autos. Deshalb gibt er freimütig zu, dass er nach dem Training in seine Wohnung ging, die Playstation anwarf und den Rest des Tages zockte. In der Rennwoche fing er dann hektisch mit den Vorbereitungen an. Zu spät natürlich, erst recht als Rookie.

Der Auftakt lief noch problemlos

Doch das schob der Japaner zur Seite, denn es funktionierte zunächst. Mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen aus der Formel 2 kommend, lief es beim Auftakt in Bahrain problemlos, er wurde Neunter. "Ich hatte es unter Kontrolle gehabt. Deshalb ging ich davon aus, es würde einfach werden", sagte er.

Doch je mehr Zwischenfälle es gab, desto größer wurden die Zweifel, das Selbstvertrauen wurde "angeknackst. Und ich merkte: Es war doch ziemlich schwierig, viel schwieriger, als ich geglaubt hatte."

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AlphaTauri-Fahrer Yuki Tsunoda beobachtet während des dritten freien Trainings vor dem Rennen in Austin in den USA das Geschehen von seinem Arbeitsplatz aus. Den Grand Prix selbst beendet Tsunoda später auf Platz neun.

Deshalb wurde es nicht schlimmer - ein Teufelskreis. Das Selbstvertrauen litt weiter, die Fehler blieben, und Tsunoda fehlte die Erfahrung im Umgang damit, weil es zuvor nur nach oben ging für ihn. "Das hatte ich bis dahin noch nie erlebt. Es war hart. Und dann musste ich kämpfen", sagte er.

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Das Umfeld bei Red Bull Racing kann hart zu seinen Talenten sein. Das bekam Tsunoda später in der Saison zu spüren, als er im Qualifying in Mexiko Max Verstappen und Sergio Perez in die Quere kam. Danach wurde er öffentlich gegrillt.

Franz Tost, der Talenteflüsterer

Ein Vorteil: Alpha-Tauri-Teamchef Franz Tost hat ein Händchen für Talente, er weiß, wie er mit ihnen umgehen muss. Tost sagt, Rookies bräuchten drei Jahre, um die Formel 1 zu verstehen und zu bestehen. "Die Formel 1 ist viel komplexer, als die Leute denken, und das Niveau der Fahrer war noch nie so hoch wie jetzt. Das bedeutet, dass es schwierig ist, wenn man mit einem Rookie antritt. Es ist wirklich schwierig", sagte Tost "The Race".

In der Krise verordnete er Tsunoda deshalb einen Stundenplan, Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko ordnete einen Umzug nach Italien an, zur Teambasis nach Faenza. Tsunoda war näher an seiner Mannschaft dran, Faulenzen war keine Option mehr.

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Yuki Tsunoda ist im AlphaTauri während des vorletzten Laufs der Formel-1-WM 2021 in Dschidda in Saudi-Arabien auf dem Weg zu Rang 14. Diesen Platz belegte Tsunoda zuvor auch beim Großen Preis der Türkei.

Das half ebenso wie sein "Aha"-Moment auf der Strecke. Das war in der Türkei: Bis dahin hatte er nur versucht, keinen großen Fehler zu machen und das Auto auf der Strecke zu halten. "Deshalb war ich auch ziemlich langsam, weil ich mich darauf konzentrierte, keinen Unfall zu bauen", sagte er.

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Einstellung grundlegend geändert

Tsunoda änderte seine Einstellung, gab Gas, fokussierte sich auf Pace und Resultate. "Und dann kamen sieben Rennen in Folge, in denen ich keinen Unfall hatte", sagte er. Er stand zwar klar im Schatten seines Teamkollegen Pierre Gasly, der mit 110 Punkten Gesamtneunter wurde. Tsunoda kam als Gesamt-14. auf 32 Zähler, überzeugte am Ende durch Konstanz und Lernfähigkeit und erhielt schließlich einen Vertrag für 2022.

"Ich hatte nie zuvor eine Saison gehabt mit solchen Höhen und Tiefen. Sehr viel mehr ging nicht. Und jetzt, wo ich das Gute und das Schlechte erlebt habe, kann ich nach vorne schauen", sagte Tsunoda.

Für ihn geht es nun darum, die Lücke zu Gasly zu schließen. "Ich kenne jetzt die Details, bei denen ich mich verbessern muss, damit ich konstant vor meinem Teamkollegen bin. Die Zutaten sind vorhanden." Die Playstation gehört nicht mehr dazu.

Verwendete Quellen:

  • Pressekonferenzen
  • the-race.com: What a 'growing up' year means for Tsunoda’s 2022 hopes

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