Die Zukunft von Sebastian Vettel nach 2020 ist weiter ungewiss. Motorsport-Legende Hans-Joachim Stuck findet: Der Ferrari-Star sollte abtreten. Und dann? An einen Posten wie ihn viele Ex-Kollegen innehaben, glaubt der Experte nicht.

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Sebastian Vettel erlebt ein bislang sportlich desaströses 2020. Erst durfte der Ferrari-Pilot wegen der Coronakrise überhaupt nicht auf die Formel-1-Strecken der Welt, dann sollte er Anfang Juli in Österreich endlich Gas geben, doch enttäuschte beim Saison-Auftakt mit Platz zehn.

"Es ist irgendwie der Wurm drin", sagte der vierfache Weltmeister anschließend frustriert. Da blickte er unter anderem zurück auf 2019, ein Jahr, das sportlich vor allem von Enttäuschungen geprägt war.

Auch in seinem fünften Jahr bei Ferrari konnte Vettel die Erwartungen nicht erfüllen. Einmal mehr musste er den Traum von seinem fünften WM-Titel und dem ersten für die Italiener seit 2007 begraben.

Vettel-Desaster in Österreich - Hoffnung auf Besserung

An jenem Sonntag in Spielberg wusste Vettel allerdings auch noch nicht, was ihm nur eine Woche später erneut in Österreich widerfahren wird: ein Totalschaden in Runde eins nach einem Crash mit Stall-Rivale Charles Leclerc. "Es ist im Moment schwer, weil das Negative überwiegt", resümierte Vettel. Aber was bleibt ihm auch anders übrig, als auf Besserung zu hoffen?

Der Vertrag des 33-Jährigen bei Ferrari läuft am Saisonende aus. Ein Nachfolger für den Deutschen haben die Italiener in Carlos Sainz bereits gefunden. Nur Vettel weiß nicht, wie es für ihn anschließend weitergeht.

Stuck: Vettel bei Red Bull? Das muss nicht sein

"Aufgrund der Möglichkeiten, die ihm bleiben, ist es gescheiter, auf der Höhe abzutreten", sagt Hans-Joachim Stuck über Vettel im Gespräch mit unserer Redaktion. "Die Top-Teams sind zu", sagt die Motorsport-Legende weiter. Und sich in einem zweitklassigen Wagen schlagen lassen zu müssen, das habe Vettel nicht nötig.

Zuletzt brachte Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher Vettel bei Red Bull ins Gespräch. Im Boliden der Österreicher war Vettel von 2010 bis 2013 viermal in Folge Weltmeister geworden. Doch von einer Rückkehr zu Red Bull hält Stuck nicht viel. Gegen Stall-Star Max Verstappen hätte Vettel auf der Strecke wohl das Nachsehen, glaubt Stuck.

Und sich anschließend der Kritik stellen zu müssen, habe Vettel nicht nötig, sagt der 69-Jährige. "Ob er sich das antun muss..." Aber ohnehin hat Red Bull klargestellt, dass es aktuell keinen Grund für eine Rückkehr gibt. Man sei mit Verstappen und Alexander Albon zufrieden.

Wie Ralf Schumacher ist aber auch Stuck weiterhin von Vettels Qualitäten überzeugt. "Natürlich" sei der 33-Jährige noch ein Fahrer der Extraklasse. "Er hat sein Können bewiesen. Und das Autofahren hat er auch nicht verlernt. Er wird momentan sicher unter Wert geschlagen. Wenn die Karre nicht geht, kann auch der beste Fahrer nichts machen."

Vettel als Experte? Stuck: "Das ist nichts für ihn"

Wenn Vettel jedoch nicht mehr auf das Gaspedal drückt, sehen wir ihn dann bald am Streckenrand als Experte? "Das ist nichts für ihn. Vettel will fahren. Ich traue ihm zwar zu, dass er das kann, aber ich glaube, das will er nicht", sagt Stuck.

Bis zum Saisonende bleiben Vettel aber - nach aktuellem Stand (14. Juli) - noch acht Rennen, ehe seine Zeit bei der Scuderia endet. Die Chance auf den Weltmeistertitel im Ferrari besteht also noch. Oder?

"Sich in dieser verkorksten Saison noch nach vorne zu schwimmen, halte ich für schwierig. Ferrari ist momentan unterhalb von Mercedes - und muss wegen der Coronakrise auch auf die Kosten achten und wird schon wieder auf das kommende Jahr blicken: Was gibt's da für Reglement-Änderungen? Von Ferrari brauchen wir in diesem Jahr nicht mehr viel erwarten", schätzt Stuck.

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