• Der Tod von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz hat Red Bull Racing und AlphaTauri in einen Schockzustand versetzt.
  • Der im Alter von 78 Jahren verstorbene Österreicher habe die Zukunft fixiert, sagt Teamchef Christian Horner.
  • Trotzdem: Es werde sich einiges ändern, kündigt Motorsportberater Helmut Marko an.
Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Andreas Reiners sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Ein Ende ist oft auch immer ein Neuanfang. So ist es auch bei Red Bull Racing nach dem Tod von Dietrich Mateschitz. Der Österreicher, der am 22. Oktober nach schwerer Krankheit verstorben war, hat nicht nur das Bullen-Brausegetränk zu einem weltweiten Erfolg gemacht, sondern auch jede Menge Geld in den Sport investiert. Sein wohl größtes Prestigeprojekt ist der Formel-1-Rennstall, der seit 2005 in der Motorsport-Königsklasse dabei ist und von 2010 bis 2013 vier Mal mit Sebastian Vettel sowie 2021 und 2022 mit Max Verstappen den Fahrertitel holte.

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Red Bull Racing hat die Formel 1 manchmal provoziert, oft überrascht, vor allem aber stark mitgeprägt, ist ein essenzieller Bestandteil, strukturell, aber natürlich auch sportlich. Eine große Frage lautet daher: Wie geht es nach dem Tod von Mateschitz mit dem Team, das zudem insgesamt fünf Mal Mal den Konstrukteurstitel holte, weiter?

Das stärkste und effizienteste Marketing-Tool

"Es wird sich sicher einiges ändern. Es war ja de facto eine Alleinherrschaft. Aber Red Bull Racing ist das stärkste und effizienteste Marketing-Tool des Gesamtkonzerns", sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko bei auto motor und sport. Der Vorteil: Mateschitz hat Marko und Co. immer machen lassen, war natürlich immer involviert, verließ sich aber auf die Entscheidungen der sportlich Verantwortlichen.

"Wir haben schon in der Vergangenheit sehr autark gearbeitet. Wir waren die einzigen, die sich nicht an bestimmte Firmenregeln halten mussten. Diese Eigenständigkeit gab es mit Zustimmung von Mateschitz", so Marko. Es sei aber schon durchgesickert, dass die neue Führung die Formel-1-Aktivitäten weiterführen wolle, so Marko: "Und zwar so wie jetzt, mit einer relativ starken Unabhängigkeit."

Red Bull als Gesamtkonstrukt ist nicht unkompliziert, denn die Mehrheit an Red Bull gehört mit 51 Prozent der thailändischen Familie Yoovidhya, sie hatte den Energy-Drink ursprünglich erfunden. Dem verstorbenen Mateschitz gehörten 49 Prozent des Unternehmens, entscheiden konnte er trotzdem alleine.

Das ändert sich, die Yoovidhya-Familie hat nun deutlich mehr Einfluss. Eine Entscheidung ist bereits gefallen, an der Spitze gibt es eine Teamlösung: Zu der neuen Dreierspitze gehören Oliver Mintzlaff, Franz Watzlawick und Alexander Kirchmayr. Dabei verantwortet Mintzlaff, der von Fußball-Bundesligist RB Leipzig kommt, die Sportprojekte, also auch die Formel 1. Mateschitz‘ Sohn Mark wird sich vor allem auf seine Rolle als Gesellschafter konzentrieren.

Starkes Fundament für die Zukunft

"Die Zukunft ist fixiert", sagte Teamchef Christian Horner auf die Frage nach Veränderungen. "Er hat ein sehr starkes Fundament für die Zukunft gelegt. Und da Red Bull 2026 zum Hersteller von Power-Units wird, war das das fehlende Stück in unserem Puzzle, und er hatte die Vision, das zu ermöglichen."

Red Bull Racing will in Zukunft selbst Motoren bauen, dafür wurde "Red Bull Powertrains" aufgebaut – ein essenzieller Schritt zum reinen Werksteam. "So wie wir es mit dem Chassis gemacht haben, werden wir den gleichen Geist, seinen Geist in die zukünftige Motorenfirma tragen", so Horner.

"Er hatte die Vision und unterstützte den Plan für Red Bull Powertrains, um das Team für die Zukunft und auf lange Sicht aufzustellen." Das Engagement, das Mateschitz dabei gezeigt und was er ermöglicht habe, bringe Red Bull Racing in eine sehr starke Position für viele, viele Jahre, so Horner.

Auch wenn Red Bull Racing den Konzern vor allem Geld kostet. "Für die Summe, die eingezahlt wird, ist Red Bull überproportional auf dem Auto vertreten", sagte Marko. Aber: "Wenn man die Red-Bull-Werbung wegnehmen und an kommerzielle Sponsoren verkaufen würde, dann wären wir hoch im positiven Bereich."

Auch AlphaTauri soll bleiben

Was neben der Weltmeistermannschaft gerne mal untergeht: Red Bull hat zwei Teams, auch das Schwesterteam AlphaTauri soll weiter in der Formel 1 bleiben. Unter dem Teamchef Franz Tost hatte Red Bull Racing über AlphaTauri (früher Toro Rosso) Talente an die Königsklasse herangeführt, auch die Weltmeister Vettel und Verstappen lernten unter Tost.

Laut Marko ist der Verkauf kein Thema. "Es geht dem Konzern gut. Es gibt keine Notwendigkeit finanzieller Natur, das Team zu verkaufen. Es gibt eher eine Notwendigkeit, das Team sportlich wieder auf ein höheres Niveau zu bringen", sagte Marko.

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Bleibt noch die Frage: Was wird aus Marko selbst? Es gebe demnächst Business-Verhandlungen in Thailand, kündigte der 79-Jährige an. "Ich bin unabhängig. Da kommt es auf das Gesamtgefüge an. Wir haben aber noch Einiges vor. Es läuft gerade gut. Wir arbeiten sehr effizient." Weshalb es eigentlich gar keinen Grund gibt, viel zu ändern.

Verwendete Quellen:

  • Pressekonferenzen
  • auto-motor-und-sport.de: Helmut Marko im Interview: So geht es ohne Mateschitz weiter
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