Kabe ist eine traditionsreiche Marke aus Schweden, die ihre Caravans konsequent aufs Durchhalten bei polarer Kälte trimmt. Warmwasserheizungen von Alde samt Heizschlingen in Fußboden und Türschwelle sind darum ebenso Standard wie Rahmenfenster in einem Aufbau, der mit Alu außen und innen, 36 Millimeter XPS-Dämmung, durchlüfteten Kunststoff- statt Holzprofilen und Teppich auf Wänden und Decke seinen Teil zur Winterhärte und zum Wohlgefühl an Bord beiträgt.

Mehr zum Thema Reise

Frisch- und fester Abwassertank, den die meisten anderen Hersteller gar nicht erst anbieten, liegen innen und sind beheizt. Auch Batterie, ein Bedienpanel mit Farbbildschirm, DAB-Radio und Dunstabzug sind generell an Bord, dasselbe gilt für Skischublade und Beleuchtung im Gaskasten mit seiner hohen Ladekante.

Kabe Estate 470 GLE

  • Grundpreis ab: 38.000 Euro
  • Gesamtlänge/Breite/Höhe: 6,87/2,30/2,78 m
  • Zul. Gesamtgewicht: 1.700 kg
  • Schlafplätze: 2+1

Ausstattung

Man würde sich also nicht wundern, wenn das Preisschild an diesem Ausstattungspaket mit einer Vier oder gar Fünf begänne. Tut es aber nicht. 38.000 Euro ruft Kabe für den kurzen Estate 470 auf, den es seit dieser Saison auch als Einzelbetten-Grundriss GLE gibt.

Das Angebot einzuordnen, ist gar nicht so leicht. Nimmt man die Serienausstattung als Vergleichsmaßstab, findet sich einzig der etwas längere Polar 520, der ebenfalls aus Schweden stammt, jedoch nicht mit Einzelbetten und obendrein erst ab 44.190 Euro zu haben ist. Der Grundriss wiederum ist hier und da zu finden, beispielsweise bei Adria (Adora 502 UF), Fendt (Apero 465 TG), Knaus (Azur 460 EU) und Tabbert (Vivaldi 460 E). Bis auf den Azur sind alle Aufgezählten günstiger, technisch aber deutlich einfacher ausgestattet und selbst mit einem tiefen Griff in die Tasche nicht auf das Technik-Niveau des Kabe zu hieven. Für den Knaus ist immerhin eine Warmwasserheizung als 3.290 Euro teures, 55 Kilo schweres Paket-Extra erhältlich, das den Preis auf 42.780 Euro treibt.

Wurde der Rotstift also an anderer Stelle angesetzt? Die Spurensuche beginnt beim Möbelbau. Aber: Zwei Gasdruckaufsteller und Federschnappverschlüsse an den Oberschrankklappen, die mechanische Zentralverriegelung für die vier Küchenschubladen und das praktische Brett zum Ausziehen, das Magnetfallenschloss an der Badtür und die doppelten Böden in den Staukästen zur Verbesserung der Luftzufuhr zu den Heizungskonvektoren liefern keinerlei Hinweise, sind sogar Oberklasse-Attribute.

Plane Klappen, der Verzicht auf abgerundete Profile, sichtbare Möbelverbinder und mit Dekor-Konfetti abgeklebte Schraubenköpfe sowie der führungslose und für diese simple Konstruktion zu teure Rolllattenrost zwischen den Einzelbetten zeigen, dass auch Kabe nicht zaubern kann. Um die unten flachen und oben tiefen Oberschränke vernünftig nutzen zu können, bräuchten sie Fachböden. Die gibt es zwar – aber nur gegen 299 Euro Aufpreis. Nicht die Welt, geht aber doch ein wenig zu weit.

Eine nur halb eingedrehte Schraube in einem Oberschrank, teils unexakt eingepasste Schubladenfronten, Versätze bei den Nähten zweier benachbarter Polster und Sägestaub hier und dort mahnen, unabhängig vom Preis, zu mehr Sorgfalt. Und zwar im Werk wie beim Händler, von dem der Testwagen kam. Im Vergleich zu einem früher getesteten Modell (Estate 600 GDL) verbessert hat sich die Elektroinstallation: Kabelsalat muss im 470er nicht mehr beweint werden. Ungünstig, weil direkt in der "Ladezone" am Batteriekasten platziert, ist hier nur der "Knochen" für die Abschaltung des 12-Volt-Kreises.

An der preislichen Einzigartigkeit des Gesamtpaketes ändern auch ein paar Schrullen nichts. Da sind zum Beispiel Bettaufsteller, die einen Piloten aus dem Cockpit feuern könnten. Folge: Nach jeder Fahrt stehen die Betten offen – außer man hält die Ketten, die den Öffnungswinkel begrenzen, kurz.

Dann aber muss man sie fummelig unter der Matratze aushängen, um an die beleuchteten Stauräume zu kommen. Oder der Duschwannenabfluss, der ohne Verrohrung ins Freie führt, weil er zu tief sitzt, um ans Abwassersystem angeschlossen zu werden. Dazu muss man allerdings sagen, dass man sich die Sache mit dem Duschen aus Platzgründen reiflich überlegen sollte. Apropos Platz: Wer groß und/oder füllig ist, wird zwischen Toilette und geschlossener Badtür bis zur annähernden Handlungsunfähigkeit eingezwängt.

Technik

Statt der serienmäßigen 14-Zoll-Stahlräder trägt der Testwagen 15-Zoll-Alus aus dem Designpaket an selbstnachstellenden Bremsen, die, wie das 1.700-Kilo-Chassis und die Anti-Schlinger-Kupplung, von Zulieferer Knott stammen. Ob die Bodenhöhe wegen der größeren Räder so immens ist? Die Oberkante der Türschwelle liegt in 59 Zentimetern Höhe und, das ist der eigentliche Knaller, die Kurbelstützen reichen nicht bis zum Boden. Dass darum stapelbare Stützenunterlagen beiliegen, ist nett, aber keine Lösung.

Die Bordtechnik ist nicht nur füllig, sondern auch funktional gut. Lichtquellen sind überall dort vorhanden, wo man sie braucht. Die wichtigsten der vielen direkten und indirekten Lichtquellen, nicht aber alle, lassen sich außer am zentralen, sehr umfangreichen Touch-Panel am Eingang auch mit logisch platzierten Lichtschaltern bedienen. Dass die meisten außerdem dimmbar sind, gibt zusätzliche Pluspunkte.

Ebenso die Parkbeleuchtung, die unabhängig vom Zugwagen funktioniert. Auch Steckdosen sind dort, wo man sie braucht, USB-Anschlüsse in den Sockeln aller vier Lesespots vervollständigen das Angebot. Die Heizung mit integriertem Boiler arbeitet mit Gas und Strom und ist mehr als ausreichend gemessen an der Fahrzeuggröße. Ein Leckdetektor ist in der Gasanlage integriert, doch eine Flaschenumschaltung ist nur als Extra erhältlich.

Wohnen

Der neue Grundriss GLE zielt auf Paare, die einen aktiven Reisepartner suchen und nicht den halben Hausstand mitnehmen wollen. Nicht die Zuladungskapazität setzt Grenzen, sondern der Stauraum. Der Kleiderschrank über dem linken Bett ist zwar beleuchtet, aber schmal und niedrig, das Pendant gegenüber ist dem Fernseher vorbehalten. In den Bettstaukästen machen sich Batterie und Elektrik (rechts) und die Tanks (links) breit.

Die Abschirmung zum Gepäck ist gut, der Stauraum genügt für kompaktere Campingmöbel. Dass die Außenklappe rechts Aufpreis kostet (183 Euro, im Komfortpaket mit Nackenkissen und elektrischem Handtuchtrockner 550 Euro), ist ein Minus. Sehr schwer zugänglich und zudem klein sind die Sitztruhen. Dafür gibt es eine Skischublade, die auch fürs Vorzeltgestänge taugt. Unstimmigkeiten gibt es bei den Gewichtsangaben. Auf der Waage ist der Estate deutlich schwerer als im Prospekt.

Wissen sollte man auch, dass das rechte Bett als Zugeständnis an die Aufbaulänge von 5,58 Metern nur 1,81 Meter lang ist. Die hochwertigen Kaltschaummatratzen mit zusätzlichem Topper und der erwähnte Rolllattenrost samt Zusatzpolster lindern dieses Defizit. Wem das Liegegefühl auf dem Matratzenstapel zu kippelig ist, der liegt auch ohne Topper gut.

Beim Bestücken der Küche ist Bedacht gefragt. Denn zwischen den beiden ohnehin nicht üppigen Oberschränken verläuft der Abluftschacht des kräftigen Dunstabzugs, im Korpus macht sich der 1.543 Euro teure Gasbackofen breit, ein Auszug beherbergt zwei Mülleimer. Die Arbeitsfläche ist zwar klein, aber gut nutzbar und hell beleuchtet. Der Absorberkühlschrank mit automatischer Energiewahl steht gegenüber. Größe und Ausstattung überzeugen, die kleinen Schieberiegel statt eines Verriegelungsgriffs nicht.

Ohne Aufpreis baut Kabe auf Wunsch ein 12-Volt-Kompressorgerät ein, das zwar 18 Kilogramm schwerer und zwingend auf Strom angewiesen ist, aber bei Hitze zuverlässiger kühlt als ein Absorber. Die beiden Auszüge unter dem Kühlgerät sind willkommener Zusatzstauraum, gerade wenn ein Backofen im Küchenunterschrank eingebaut ist.

Die Sitzgruppe im Bug erntet mit ihren straffen, gut liegenden und bequem ausgeformten Polstern Lob, die optionalen Nackenkissen machen Ecken und damit den Sitzkomfort rund. Der Einhängetisch wackelt nicht und ist für zwei Personen üppig. Neben der Tür ist das schmale Sitzpolster mit einem Gurt gesichert – so liegt es sicher, jedoch nicht genau auf dem Truhendeckel, der sich, übrigens auch gegenüber, nur mühsam öffnen lässt.

Bleibt am Ende die Erkenntnis, dass der Kabe Estate 470 GLE mehr ist als eine Alternative zu anderen Marken. Er ist ein Be-Sonderangebot.

Das fiel uns auf

(+) Wetter- und einbruchsicher lüften: Die Wandklappe ist bei allen Kabe serienmäßig.
(+) Antennenkabel bis ins Vorzelt, WLAN-Router, Lautsprechervorbereitung hinten. Das alles ist serienmäßig.

(+) (-) Aufwendige Polsterfixierung mit Gurten, aber schlechter Zugang zu den Sitztruhen.

(-) Der Duschwannenabfluss mündet ohne Verrohrung ins Freie. Davon abgesehen ist die Dusche eh eine Notlösung.
(-) Nicht so schön: Versatz in den Küchenfronten, abgeklebte Schrauben mitten auf den Möbeln.
(-) Weil der Boden des Estate so hoch ist, reichen die einfach konstruierten Stützen nicht zum Boden.

Preis

Grundpreis: 38.000 Euro

Fracht/Übergabe/TÜV/Zulassungsbescheinigung II ab 600 Euro

Testwagenpreis: 44.189 Euro

  • ✘ Designpaket (Alu-Felgen, Deichselabdeckung, Tür mitFenster, Heki II, 28 kg): ✔ 1.885 Euro
  • ✘ Komfortpaket (Nackenkissen, Handtuchtrockner, Stauraumklappe, 5 kg): ✔ 550 Euro
  • ✘ Bettverbreiterung (5 kg): 858 Euro
  • ✘ City-Wasseranschluss (1 kg): 567 Euro
  • ✘ Abwasser-Direktabfluss (1 kg): ✔ 186 Euro
  • Kompressorkühlschrank (18 kg): ohne Aufpreis
  • Regale in den Oberschränken (3,3 kg): ✔ 299 Euro

✘im Testwagen enthalten; ✔empfehlenswert

Caravaning werbefrei lesen
Lesen Sie alle Inhalte auf caravaning.de werbefrei und ohne Werbetracking.

Daten und Messwerte

Karosserie

  • Aufbau: Sandwichbauweise mit PU- Schaumisolierung, PU-Leisten und Alu-Innenwand mit Stoffkaschierung. Dach GfK (45 mm), Seitenwände Alu-Glattblech (41 mm), Bug Glattblech, Heck ABS-Schale. Boden Sperrholz-Sandwich (50 mm). Deichselkasten aus ABS, Klappdeckel. Einteilige Aufbautür 169 x 56 cm mit Fenster, Einstiegshöhe 59 cm.
  • Anbauteile: zweiteilige ABS-Heckwand m. integr. Leuchten, Bugelemente aus ABS, integrierte Rangiergriffe.
  • Fenster/Hauben: 6 Rahmen-Ausstellfenster mit Rastaufstellern und Duoplissee-Verdunkelung, Lüftungsklappe,Panoramafenster, 3 Dachfenster.

Möbel

  • Material/Beschläge: Sperrholzmöbel mit Metallscharnieren Gasdruckaufsteller, Schnappverriegelung, Zentralverriegelung an Küchenunterschränken.

Bordtechnik

  • Gas/Heizung: Gas-/Elektroheizung Alde Compact 3030, umlaufende Konvektoren, Fußbodenheizung.
  • Wasseranlage: 40-Liter-Frischwassertank, 32-Liter-Abwassertank, Tauchpumpe.
  • Elektrik: Bordbatterie 130 AH, Ladegerät (30 A), 9 Steckdosen (1 Dinette, 2 x TV-Schrank, 1 Nachtkästchen, 1 Bad, 2 Küche, 2 Batteriefach). 12-V-Steckdose TV-Schrank, 4 USB-Anschlüsse in Lesepot-Sockeln.
  • Beleuchtung: Ambientebeleuchtung rundum, 3 Deckenspots Bug, 1 Deckenleuchte Heck, 4 Lesespots, 3 Spots und 2 Leuchtstreifen Küche, 3 Deckenspots Bad. Vorzeltleuchte. Bettkastenbeleuchtung, Gaskasten- und Skifachbeleuchtung. Autarke Parkbeleuchtung.
  • Küchenausstattung: Dreiflammkocher mit Zündhilfe, Rundspüle mit Hebelmischer und Schneidebrett-Abdeckung. Dunstabzug. Ausziehbare Ablage- und Schneidefläche. Kühlschrank Dometic RML 10.4 S, 128/134 Liter Nutzinhalt, herausnehmbare 12 Liter Gefrierfach. Backofen.
  • Sanitär:Thetford-Banktoilette. Rundwaschbecken mit Hebelmischer. Elektr. Handtuchtrockner, Ausziehbrause.

Wertung

maximal 5 Punkte möglich

  • Wohnen: 3,5
  • Beladen: 2,8
  • Technik: 3,9
  • Fahren: 3,6
  • Preis und Service: 3,9

  © Caravaning

JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.