Esel seien störrisch und dumm, heißt es immer wieder. Ein unberechtigtes Vorurteil, wie wir gleich zu Beginn unserer ersten Unternehmung auf der Wohnmobil-Tour durch den nördlichen Schwarzwald erfahren. Bei einer Eselwanderung durch Wald und Wiesen in Freudenstadt-Grüntal lernen wir: "Die Tiere laufen nicht weg, wenn sie sich erschrecken, sondern erstarren und lassen sich durch nichts und niemand drängen", sagt Andreas Harr, der Eselführer.

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Viele Langohren mögen es, wenn man sie etwa an der Brust oder am Rumpf streichelt. Unsere flauschigen Wanderbegleiter wirken freudig erregt: Sie schwenken Hals und Kopf und machen sogar Luftsprünge. Kinder bis 30 Kilogramm Gewicht dürfen auch auf ihnen reiten.

Schöne Orte im Kinzigtal

Danach verlassen wir für ein paar Stunden den "förchtig wilden Wald", wie man die Gegend früher nannte, und fahren nach Freudenstadt. Nachdem wir das Wohnmobil am Panoramabad geparkt haben, schlendern wir leichtfüßig in die Innenstadt. Der hiesige Marktplatz gilt mit seinen 216 mal 219 Metern als größter Deutschlands, entworfen vom Renaissance-Baumeister Heinrich Schickhardt und 1999 neugestaltet zum 400-jährigen Stadtjubiläum. Rundum verlaufen schöne Arkaden mit Cafés und vielen kleinen Geschäften, die zum Stöbern und Einkaufen einladen. Die Kleinen zieht es indes zum Brunnen mit Wasserspielen auf dem unteren Marktplatz.

Über Alpirsbach mit dem berühmten Benediktinerkloster im Zentrum gelangen wir ins Kinzigtal, wo ländlich verträumte Orte und schmucke Schwarzwald-Perlen sich aneinanderreihen, wie etwa die alte Flößer- und Bergbaustadt Wolfach. Hauptattraktion dort ist die Dorotheenhütte, eine der letzten Glashütten im Schwarzwald; in ihren Schauräumen wird bis heute Bleikristall auf traditionelle Weise hergestellt: mit Mund geblasen und von Hand mit Gravuren verziert.

Das Trachtenmuseum in der ehemaligen Kapuzinerabtei in Haslach zeigt die außerordentlich große Formen- und Farbenvielfalt der ursprünglichen Schwarzwälder Volkstrachten. Vom Klosterparkplatz mit einfachem Stellplatz sind es nur wenige Schritte zur schönen, kreisförmig angelegten Altstadt mit zahlreichen Häusern aus dem 18. Jahrhundert.

Weit über die Grenzen hinaus bekannt ist das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in der nahe gelegenen Gemeinde Gutach; es präsentiert sechs alte, mit Original-Hausrat eingerichtete Höfe aus verschiedenen Regionen samt Mühle, Hofkapelle und anderswo längst ausgestorbenen Haustierrassen.

Uhren- und Andenkenläden drängen sich dicht an dicht im Ortskern von Triberg. Das Städtchen ist in erster Linie bekannt für seine Wasserfälle. Nicht weit von den Häusern stürzt der Fluss Gutach über sieben Kaskaden 163 Meter tief in ein enges Tal. Damit sind die Triberger Wasserfälle die höchsten in Deutschland. Sie wirken besonders eindrucksvoll, wenn es, wie bei unserem Besuch, in den Tagen zuvor kräftig geregnet hat.

Highlights: Titisee, Feldberg, Wutachschlucht

Im Süden folgt Titisee-Neustadt. Der Ort gehört zu den am meisten besuchten im Schwarzwald. Etwa 1,8 Millionen Tagesbesucher schieben sich alljährlich durch seine Hauptgeschäftsstraße am See. In den Auslagen, na was wohl? Schinken, Kirschtorten und Kuckucksuhren. Gleich nebenan starten die Ausflugsschiffe zu Rundfahrten auf dem Wasser.

Der Titisee ist ein Moränenstausee aus der Eiszeit. Der kleine Seebach speist den mit zwei Kilometer Länge und 750 Meter Breite größten Natursee im Schwarzwald. Im Westen erstreckt sich das Biosphärengebiet Südschwarzwald mit dem 1493 Meter hohen Feldberg, dem höchsten Berg weit und breit. Nach dem Austritt aus dem See trägt der Seebach die Namen Gutach und später Wutach.

Die Wutachschlucht gilt als eine der spektakulärsten Flusslandschaften in Deutschland. Man erreicht sie nur zu Fuß. Rund 2800 Pflanzenarten wachsen in dem schwer zugänglichen Terrain. Wespenbussard und Wanderfalke nisten in den Kronen. Das Gebiet ist zudem die Heimat vieler Reptilien wie Blindschleiche und Ringelnatter – und übers Wasser zischt der Eisvogel.

Smaragdeidechsen lieben es dagegen sonnig und warm. Man findet sie daher bevorzugt an den Hängen des Kaiserstuhls, eines ehemaligen Vulkans, der sich zu Füßen des Mittelgebirges in der Oberrheinebene erhebt. Fruchtbarer Löss bedeckt den kleinen Höhenzug; er führt zusammen mit dem milden Klima und den geringen Niederschlägen zu den bekanntermaßen üppigen Erträgen im Wein- und Obstanbau. Dass dabei auch die Qualität stimmt, erfahren wir auf einer Weinprobe auf dem Weingut Walter in Opfingen. Das Reisemobil darf hier auf der großen Wiese vorm Haus auch über Nacht stehen.

Gestärkt und erholt geht es am nächsten Morgen via Nordschwarzwald zurück in die Heimat. Eines der großen Zentren dort ist Bad Wildbad. Zu einem wahren Publikumsrenner hat sich der im Jahr 2014 eröffnete Baumwipfelpfad auf dem Sommerberg entwickelt. Auf einer Länge von 1.250 Meter und einer Höhe bis zu 20 Meter windet sich der Bohlenweg durch dichten Nadelwald. Höhepunkt ist der hauptsächlich in Holzbauweise erstellte Aussichtsturm, der aus 40 Meter Höhe einen grandiosen Ausblick über den Naturpark gewährt. Ein toller Schlusspunkt also, der sich ebenso wie die Eselwanderung zu Anfang tief ins Gedächtnis gräbt.

Stellplätze und Infos

Der Stellplatz in Eisenbach bietet einen schönen Panoramablick. Laut Bewertungen in der Stellplatz-Radar App ist die Sportgaststätte nebenan einen Besuch wert: "Der Wirt ist sehr, sehr freundlich, die selbst gemachten Kuchen sind nur zu empfehlen."

Der Stellplatz auf einem Bauernhof liegt sehr idyllisch und "teilweise unter alten Apfelbäumen".

Der Stellplatz in Forbach "hat eine tolle Lage und wir wurden von einem sehr netten älteren Herrn begrüßt und eingewiesen."

"Tagsüber stehen hier viele Pkw" am Parkplatz am Klosterplatz. Er ist dennoch ein perfekter Ausgangspunkt, um Haslach zu erkunden.

Der Stellplatz am Kinrnermartes-Hof ähnelt eher einem Campingplatz und erhält überdurchschnittlich gute Bewertungen: "Super Sanitäranlage und sehr nette Leute."

Der Stellplatz in Todtmoos ist ein promobil-Redaktionstipp und "ideal um mal zur Ruhe zu kommen."

Rund um den Bartleshof gibt es "viele Ausflugsmöglichkeiten".

Jüngst wurden die Preise für den Wohnmobil-Stellplatz in Harmersbach angehoben, was vielen nicht gefällt. "Sauberer Platz, nahe Zentrum."

Exklusiv: Der kleine Stellplatz in Titisee-Neustadt bietet nur drei Stellflächen.

Der besondere Tipp

Ein Gag jagt den nächsten: Schilder mit derben Sprüchen in der Art wie "Gott gebe dir die Gelassenheit einer Bank. Sie muss auch mit jedem A… (anderes Wort für Hinterteil) zurechtkommen", auf der Sitzlehne montiert, säumen den "Gäg-Wäg" am Haberjockelshof in Titisee-Neustadt. Nach der Ankunft mit dem "Wald- und Wiesenwägele" wirbt am Start eine Tafel dafür, das Handy auszuschalten – wozu ein Holzhammer bereitliegt. Fragwürdige Konstruktionen, darunter ein zweistöckiges Plumpsklo, setzen dem Spaß die Krone auf.

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Übernachten an besonderen Orten: Viele Bauernhöfe in Baden-Württemberg bieten Stellplätze für Mobile an – mitten in der ländlichen Idylle, ausgestattet mit Stromanschlüssen, Frischwasserversorgung und sanitären Einrichtungen. Dazu kommen Spielplätze. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Weitere Infos und Tipps für Ihren Campingurlaub im Schwarzwald finden Sie in unserem kostenlosen digitalen Campingführer "Schwarzwald" © Promobil

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