"Kinderkram", "Geldverschwendung" und "asoziales Verhalten", das waren nur einige der Worte, die mir Kollegen hier in Australien an den Kopf geworfen haben, als ich ihnen vom Silvesterfeuerwerk in Deutschland erzählt habe.

"Über den Unsinn des individuellen Feuerwerks sind wir hier längst hinweg" sagte Rebecca. "Und jetzt verdient die Stadt richtig Geld damit, wie wir hier in Sydney Silvester feiern".

Privates Feuerwerk ist nicht zulässig

Das Gespräch hat mich nachdenklich gemacht und ich habe angefangen zu rechnen. Wissen muss man dazu, dass privates Feuerwerk nicht erlaubt ist – es würde auch schwierig werden, denn Feuerwerkskörper gibt es nicht zu kaufen. Und man sollte wissen, dass jede größere Stadt ein öffentliches Feuerwerk veranstaltet, zu dem der Eintritt natürlich frei ist und zu dem jeder Gast willkommen ist.

Ich nehme die Stadt Sydney als Beispiel. Nicht nur, weil es in Australien (und wahrscheinlich weltweit) das größte und schönste Silvesterfeuerwerk ist, sondern auch, weil viele es schon im Fernsehen gesehen haben. Es wird weltweit übertragen und wird jedes Jahr von mehreren Milliarden Menschen am Bildschirm verfolgt.

Eine Brücke als Bühne

Genau genommen sind es in Sydney in jeder Silvesternacht zwei Feuerwerke: eines um 21 Uhr, das nur 10 Minuten dauernde "Familienfeuerwerk" und das andere natürlich um Mitternacht. Das geht dann über rund 20 Minuten. "Showground" ist die Sydney Harbour Bridge als "Hauptbühne", ein paar Hochhäuser im Umkreis und mehrere Pontons im Hafen.

Das kostet! In diesem Jahr wird die Stadtverwaltung für die beiden Feuerwerke umgerechnet rund 4,5 Millionen Euro ausgeben. Im ganzen Bundesstaat New South Wales (fast zweieinhalb mal so groß wie Deutschland), so wird geschätzt, geben die Gemeinden maximal 10 Millionen Euro für Feuerwerke aus. Das ist die Kostenseite.

Geld verdienen mit dem Feuerwerk

Auf der Habenseite steht, dass in jedem Jahr zwischen 1 und 1,5 Millionen Besucher zum Feuerwerk nach Sydney kommen. Mit diesen Gästen haben die Geschäftsleute in der Stadt im vergangenen Jahr über 90 Millionen Euro Umsatz gemacht. Alleine durch das Steueraufkommen ist das Feuerwerk finanziert, habe ich mir vorrechnen lassen.

Um Kosten und um Sicherheit ging es auch, als vor vielen Jahren das individuelle Abfeuern von Raketen und Kanonenschlägen für illegal erklärt wurde. Es hatte sich gezeigt, dass private Feuerwerke für die öffentliche Hand so teuer wurden, dass die Kosten gegenüber dem Steuerzahler nicht mehr zu rechtfertigen waren.

Alleine hier in New South Wales musste ein dreistelliger Millionenbetrag aufgewendet werden, um die Straßen nach der Silvesternacht wieder zu reinigen, um Schäden an Gebäuden und Fahrzeugen zu reparieren, vor allem aber, um Verletzte zu transportieren und zu versorgen.

Könnte man so vielleicht ein Teil des Flüchtlingsproblems lösen?

Die Zahlen zum diesjährigen Feuerwerk in der Nacht vom 31. Dezember zum 1. Januar liegen naturgemäß noch nicht vor. Geschätzt wird aber, dass zu diesem Jahreswechsel in Deutschland zwischen 130 und 140 Millionen Euro auf Nimmerwiedersehen in die Luft gejagt werden.

Und am Ende des Gesprächs mit den Kollegen frage ich mich dann, wie vielen Menschen man mit 130 Millionen Euro helfen könnte und wie vielen potentiellen Flüchtlingen aus Afrika man damit ein gutes Leben in ihrer Heimat ermöglichen könnte.

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Silvesterfeuerwerk in Sydney

Die Bürger zahlen hierzulande doppelt fürs Silvesterfeuerwerk: Beim zweiten Mal mit Steuergeldern für die Reinigung der Straßen. In Australien ist das anders.

Blogger Dieter Herrmann

Beruflich ist Dieter Herrmann immer wieder in Kriegs- und Krisengebieten als Ausbilder unterwegs. Privat will er es jetzt etwas ruhiger angehen und lebt deshalb seit einiger Zeit in Australien und berichtet aus der Region. Im Blog schreibt er auch über seine Erlebnisse auf Reisen.