London Eye, The Tower of London, Buckingham Palace, Big Ben, Westminster Abbey – dies ist nur eine kleine Auswahl der Wahrzeichen der britischen Hauptstadt.

Es gibt Zeiten für Hiking, und es gibt Zeiten für High Heels!

Jeder, der nach London als Tourist reist, möchte sie einmal gesehen haben und auf dem "Pflichtprogramm" abhaken. Riesenschlangen und unverschämte Eintrittspreise lassen einen zwar erschaudern, aber nicht davon abbringen, dem Massenstrom zu folgen.

Aber wie wäre es, wenn man sich ausnahmsweise für eine individuelle Entdeckungstour, teilweise gar abseits des Touristenrummels, entscheidet? Dabei kann man viele andere Facetten von London kennen lernen und einmalige Erlebnisse sammeln.

1. Street Art

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London: Von Street Art und Friedhöfen

Unsere Bloggerin erkundet unbekanntere Orte in Englands Hauptstadt.

Schlendert man durch London, werden einem früher oder später Graffiti begegnen. Denn London ist berühmt für seine Street Art. Auch wenn Graffiti nicht den besten Ruf genießen, nehmen diese in London eine ganz andere Dimension ein: Viele davon sind beeindruckende Kunstwerke und einige der Street Art Künstler wie Banksy haben es sogar zu Berühmtheiten geschafft. Wer diese Subkultur auf eigene Faust erkunden möchte, könnte sich z. B. nach Shoreditch begeben. In der Nähe der Liverpool Station beginnt ein wahres Street-Art-Paradies – an jeder Ecke und an fast jedem Gebäude finden sich neue und alte Graffiti, manche davon wirklich fast zu schade für die Straße.

Während man davon ausgehen kann, dass London Eye und The Tower of London auch nächstes Jahr Touristen an die Themse locken werden, weiß man hier nicht, wie lange die kunstvollen Bilder erhalten bleiben – wann sie von dem nächsten Künstler übersprüht oder die Gebäude, deren Wände sie schmücken, abgerissen werden.

2. Die Kaugummi-Miniaturen von Ben Wilson

So oft sie kann, entflieht Dana Katz ihrem Büro und erkundet die Welt. Das Motto der smarten Computerexpertin: Es gibt Zeiten für Hiking und es gibt Zeiten für High Heels. Mehr auf ihrem Blog "The Hiking High Heel".

Ja, London hat definitiv ein Kaugummi-Problem. Die Straßen sind nahezu gepflastert mit platt getretenen Kaugummis. Schön ist das nicht und vor allem teuer in der Entfernung. Und während in Singapur dafür Strafe erhoben wird, wenn jemand Kaugummi kaut oder gar auf die Straße ausspuckt, macht der Straßenkünstler Ben Wilson aus der Londoner Kaugummi-Plage eine Tugend: Er bemalt die ausgespuckten Kaugummis und verwandelt sie in kleine Gemälde. Im Entstehungsprozess werden die Kaugummis einer speziellen Behandlung unterzogen: Sie werden mit einer Lötlampe erhitzt, dann geglättet und mit einer Lackschicht überzogen. In jedes seiner kleinen Kunstwerke investiert der Künstler mehrere Stunden Arbeit.
Besucht einfach die Millennium Bridge und haftet euren Blick fest auf den Boden der Brücke. Ihr werden staunen, was ihr da entdecken werdet! Noch erstaunlicher sind die Menschenmassen (auch die unzähligen Touristen), die darüber laufen und diese versteckten Sehenswürdigkeiten übersehen: Sie haben ja auch nur Augen für das London Eye!

3. Teeliebhaber gehen ins Museum

Die meisten Museen in London sind kostenlos. Eintritt wird normalerweise nur für spezielle Ausstellungen erhoben. So lohnt sich z. B. ein Besuch im British Museum oder dem Victoria and Albert Museum.

Für Teeliebhaber und Genießer ganz exklusiv: Das British Museum bietet einige Male im Jahr eine authentische japanische Teezeremonie (kostenlos!): The Way of Tea. Der nächste Veranstaltungstermin ist am 13.03.2015!

4. Borough Market besuchen

Der berühmte Borough Market in London ist ein Augen- und Gaumenschmaus zugleich. Die üppig dekorierten Stände bieten Süßigkeiten, Delikatessen, Feinkost und authentische Gerichte aus aller Welt an. An jeder Ecke lauern köstliche Versuchungen wie Probierhäppchen, feine Olivenöl- und Senfmischungen, ausgefallene Marmeladenkreationen, Käse, Fudge, Schokolade, Kuchen, Pies und Scones, farbenfrohes Obst und Gemüse. Am Ende des Spaziergangs hat man ohne Reue gesündigt und geschlemmt!

6. Auf den Friedhof gehen

Wenn von "Märchenfriedhof" überhaupt die Rede sein kann, dann würde der Highgate Cemetery in London zweifelsohne in diese Kategorie fallen: Mit seinen Gräbern und Gruften, eindrucksvoll von Efeu und dicken Wurzeln überwuchert, könnte der Friedhof im passenden Licht einem erstklassigen Horrorfilm entsprungen sein. Bei Tageslicht ist er wunderschön und versprüht eine geheimnisvolle und mystische Atmosphäre.

Besonders sehenswert sind die Grabkammern der sog. Egyptian Avenue – einer Allee, deren Eingang von zwei Obelisken geschmückt wird. Dieser Bereich spiegelt das früher stark ausgeprägte Interesse an dem Totenkult im alten Ägypten wider. The Egyptian Avenue führt zu einem Areal namens Circle of Lebanon – einer Reihe von weiteren Gruften und Grabkammern, die kreisförmig um einen großen Zedernbaum angeordnet sind. Der Baum ist viel älter als der Friedhof selbst und gehört zu einem der Wahrzeichen von Highgate Cemetery.

Der Friedhof ist ebenfalls dafür berühmt, dass hier einige prominente Personen wie Karl Marx oder der Schriftsteller Douglas Adams ("Per Anhalter durch die Galaxis") ruhen.
Wie die Internetseite des Friedhofs verrät: Personen, die sich dafür interessieren, ihre letzte Ruhestätte hier zu finden, müssen spezielle "Voraussetzungen" mitbringen: Mindestens 80 Jahre alt und/oder unheilbar krank sein.

Glücklicherweise muss man für einen Besuch diese Bedingungen nicht erfüllen. Eine Führung kann über die Internetseite des Friedhofs gebucht werden (12 Pfund für den westlichen Teil des Friedhofs).

Eine kostenlose Alternative oder schöne Ergänzung dazu ist der Brompton Cemetery. Dieser ist frei zugänglich und lädt an einem sonnigen Tag sogar zum Verweilen ein – inmitten von alten, verwitterten Gräbern, Gruften und verzierten Steinkreuzen.

7. Historische Kneipen

Historische Kneipen gibt es in London einige und die meisten davon haben eine mehrere hundert Jahre alte Geschichte. Unsere Erkundungstour führt uns zu Cittie of Yorke und Ye Olde Mitre.
Auch wenn das Gebäude neueren Datums ist, geht die Geschichte von Cittie of Yorke auf das Jahr 1430 zurück. Über einen tunnelähnlichen Korridor gelangt man an die lange dunkle Bar, über der alte Bierfässer hängen. Gegenüber der Bar befinden sich kleine "Gäste-Separees" aus dunklem Holz, die authentische mittelalterliche Atmosphäre versprühen. Die Auswahl an Gerichten ist nicht überragend, aber das Bier hat es dafür in sich.

Ye Olde Mitre gehört wohl zu den verstecktesten Kneipen Londons. Es kursieren Geschichten, dass ein Mann jahrelang ganz in der Nähe gearbeitet hätte, ohne die Existenz der Kneipe zu bemerken. Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass der Eingang sich in einer kleinen und sehr engen Straße befindet. Am leichtesten findet man diese Kneipe, indem man sich den Standort auf einer elektronischen Karte ansieht (z. B. auf einem Smartphone). Und wenn man da ist und zu sich sagt "Da ist doch gar keine Straße!", sollte man einfach "reingehen" und darauf vertrauen, dass da eine ist!

8. Secret Cinema

Ein Kinobesuch in einem Gefängnisgebäude gefällig oder eintauchen in die mondäne Gangsteratmosphäre der 20er Jahre?

Wer an Secret Cinema teilnehmen möchte, muss mitmachen und sich überraschen lassen. Secret Cinema ist eine Eventreihe, die in unterschiedlichen zeitlichen Abständen unter einem speziellen Motto stattfindet. Der Besucher muss sich oft passend zum Thema der Veranstaltung kleiden und wird in eine mehrstündige Komplettinszenierung mit einbezogen: Der Veranstaltungsort ist ein extra dafür eingerichtetes Areal, in dem man sich frei bewegen und mit den anderen Gästen und den Schauspielern interagieren kann. Zum Schluss wird ein Film ausgestrahlt, auf den immer wieder Hinweise während der Veranstaltung gegeben werden, der jedoch bis zum Schluss geheim bleibt.

Und wer es ausprobiert hat, weiß, wie die Devise von Secret Cinema lautet: Tell no one…

Weiterführende Informationen:

The Way of Tea / British Museum: http://www.britishmuseum.org/whats_on/events_calendar.aspx?type=3

Borough Market: http://boroughmarket.org.uk/

Highgate Cemetery: Swain's Ln, London N6 6PJ, http://highgatecemetery.org/

Brompton Cemetery: Fulham Road, London SW10 9UG

Cittie of Yorke: 22 High Holborn, London, WC1V 6BN

Ye Olde Mitre: Ely Court, Hatton Garden, Holborn, London EC1N 6SJ

Secret Cinema: http://www.secretcinema.org/