Nachdem man 40 Jahre in einer Stadt gelebt und jede ihrer geheimen Ecke kennen gelernt hat, ist es schwer sich vorzustellen, dass man noch nicht alles von ihr gesehen hat.

Meine Heimatstadt Almaty, die größte Stadt Kasachstans, hat mich noch überrascht. Trotz ihrer Größe dachte ich, dass ich alles über sie weiß. Ich war in jeder Nachbarschaft dieser Stadt bereits mindestens ein Mal.

Aber die Zeit vergeht, die Bevölkerungszahl der Erde wächst und die Population von Städten steigt ebenso schnell. Almaty ist da keine Ausnahme. Ich habe mich daran gewöhnt, dass das Gebiet der Stadt immer größer wird, wenn neue Siedlungen und Trabantenstädte dazukommen.

Heute ist Almaty ein Ballungsraum. Nicht so groß wie Los Angeles, London oder Paris, aber es kommt langsam dahin. Wie es sich herausgestellt hat, wächst die Stadt auch dadurch, dass neue Nachbarschaften auf ehemaligen Landwirtschaftsflächen gebaut werden. Und zu meiner Überraschung habe ich vor Kurzem eine davon besucht.

Eine wachsende Randstadt

Der Name des Ortes ist Algabas, er liegt westlich der Stadt. Es gibt mehrere ähnliche Gegenden in der Stadt. Der eigentliche Unterschied von Algabas ist, dass ein echtes Olympiadorf dort eingebaut wurde.

Außerdem ist das Eisstadion "Almaty Arena" ausgebaut worden um die Winter-Universiade 2017 abzuhalten. Die Universiade fand bereits statt (und ist mir dabei kaum aufgefallen), aber die Baugerüste stehen immer noch da.

Ein riesiges Eisstadium mit Platz für 13.000 Besucher steht mitten in der Steppe und wird langsam von neuen Nachbarn umringt. Die Turbinen des Wärmekraftwerks 2 wachsen am Horizont.

In der "Almaty Arena" gibt es mehrere verschiedene Sportklubs und einen Pool. Aber das Problem ist, dass das Stadium weit von der Stadtmitte entfernt liegt. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel außer den Bus 7, der immer überfüllt ist.

Um die Kinder zum Training zu bringen, auf sie zu warten und sie wieder nach Hause zu bringen, müssen Eltern eine Menge Zeit aufwenden. Deswegen gibt es auch nicht besonders viele Kinder, die dort Sport machen. Hoffen kann man nur auf die nähergelegene Nachbarschaft, die mit wachsender Gebäudeanzahl auch größer werden wird.

Sport ist nicht die einzige Notwendigkeit für die Menschen. Es braucht auch noch andere Freizeitmöglichkeiten. Ich bin durch die Nachbarschaft spaziert und habe kein einziges Straßencafé gefunden. Das Café im Stadium zähle ich dabei nicht mit. Nicht sonderlich viele können es sich leisten dort zu essen.

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Almaty: In jeder Großstadt schlummert das Unbekannte

Obwohl unser Blogger in der Hauptstadt Kasachstans geboren wurde, erschließen sich ihm immer wieder unbekannte Orte.

Andererseits gibt es als Freizeitbeschäftigung auch das Kunstzentrum von Almaty. Im ersten Stock finden Sie Handwerk-Workshops, im zweiten Stock einen Bankettsaal im und im dritten das Museum der Nationalinstrumente. Es ist eine sehr seltsame Kombination. Gegenüber vom Kunstzentrum liegt das zentrale Staatliche Archiv, ein Theater, ein Kino und eine Konzerthalle.

Wohnen neben Kunst und Kultur

Ich könnte mir nicht vorstellen, selbst zu einer Kulturveranstaltung zu gehen, die so weit von der Stadt entfernt liegt. Aber ich habe eine Einladung zur Eröffnung des Kunstfestivals "ARTBAT Fest 2017" von alten Freunden erhalten.

Eigentlich fand das Festival früher immer in der Mitte der Stadt statt, aber dieses Jahr wird der zentrale Bereich der Stadt saniert, also musste man nach einem neuen Veranstaltungsort suchen.

Die Eröffnung hat mir sehr gefallen. Die Hauptausstellung namens "The Act of Creation", also der Akt der Schöpfung, unserer Nachwuchskünstler war sehr ansprechend, auch wenn ich mich mit moderner Kunst nicht sonderlich auskenne.

Die Wohnungen im Olympiadorf werden bereits für einen annehmbaren Preis an junge Familien vermietet. Die Miete für eine 2-Zimmer-Wohnung kostet nur 150 Euro. Aber es gibt keine Schulen, Krankenhäuser oder Kindergärten in der Umgebung, da ist nur das Eisstadion.

Die Bewohner von Algabas gehen noch dazu in eine andere Nachbarschaft, um sich artesisches Wasser zu besorgen. Sie sind sich sicher, dass das Wasser dort sehr viel sauberer ist als das aus ihren Rohren.

Am Morgen nach meinem Besuch kam mir ein Gedanke aus dem Nichts: In der Nachbarschaft, wo ich geboren wurde und aufwuchs, war zur Zeit der Sowjetunion alles sehr viel lebendiger, obwohl sie am Rande der Stadt lag.

Es gab ein Lebensmittelgeschäft und ein Kaufhaus, zwei Kindergärten, eine Schule, eine Stadthalle, einen Markt, ein Stadium und sogar ein Restaurant.

Aber hauptsächlich gab es eine große Anzahl von Arbeitsplätzen. Es gab zwar keinen Pool, dafür aber einen See und einen Fluss. Leute fuhren meistens in die Stadt, um in den Zirkus oder Zoo zu gehen.

Er schreibt als Kolumnist für das "Forbes Kazakhstan Magazine", ist Bergführer und leidenschaftlicher Fotograf. Immer mit im Gepäck hat Andrey seine gute Laune.