Potsdam/Cottbus (dpa/bb) - Die drastischen Beschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus werden nach Ansicht von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nicht schnell zu Ende sein.

Mehr News aus Brandenburg finden Sie hier

"Meine persönliche Meinung ist, dass wir diese Maßnahmen nicht bis Ostern werden beenden können, zumindest nicht in Summe", sagte Woidke am Donnerstag im BB Radio. "Ich hoffe natürlich, wir alle, dass wir da aus diesen Maßnahmen auch möglichst schnell wieder herauskommen, aber das hängt auch davon ab, wie sich der Krankheitsverlauf weiter darstellt." Die Maßnahmen würden regelmäßig überprüft. Er warnte vor Hamsterkäufen. "Die anderen brauchen auch noch was!". Seit Montag gelten weitgehende Beschränkungen mit Ausnahmen - vorerst bis 5. April. Die CDU-Fraktion hält keine weitere Verschärfung für nötig.

TOURISTENVERBOT: Der erste Kreis in Brandenburg hat die Beschränkungen verschärft: In Ostprignitz-Ruppin sind seit Donnerstag touristische Reisen aus privatem Anlass verboten. Auch Tagesausflüge sind nicht erlaubt. Gleiches gilt für den Aufenthalt am Zweitwohnsitz - es sei denn, die Nutzung sei für die Ausübung einer erwerbsmäßigen beziehungsweise selbstständigen Tätigkeit im Kreis zwingend erforderlich. Reisende, die sich bereits im Gebiet aufhalten, müssen bis spätestens Samstag ihren Aufenthalt beenden und abreisen. Die Verfügung gilt bis 19. April. Staatskanzleichefin Kathrin Schneider (SPD) kritisierte die Regelung als nicht zielführend. "Wir müssen gemeinsam und abgestimmt vorgehen."

POLNISCHE PENDLER: Die Auswirkungen der Krise schaffen auch Probleme für Pendler. Polnische Berufspendler müssen von diesem Freitag an nach ihrer Rückkehr in die Heimat 14 Tage in Quarantäne bleiben. Die Industrie- und Handelskammern (IHK) in Süd-und Ostbrandenburg sehen dramatische Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. Demnach sind mehr als 25 000 Pendler in Brandenburg und Berlin von der neuen Verordnung Polens betroffen. Finanz- und Wirtschaftsministerium vereinbarten Hilfe. Wenn die Pendler bleiben und weiterarbeiten, sollen sie pro Tag 65 Euro Aufwandsentschädigung erhalten.

Bei den Landwirten liegen die Nerven blank. Von etwa 40 000 Beschäftigten in der Landwirtschaft in Brandenburg seien fast 1000 Berufspendler aus Polen vor allem in der Milchviehhaltung und im Gartenbau tätig, sagte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes. Trotz fehlender Erntehelfer beginnt langsam die Spargelernte. Die Landesärztekammer warnte vor einem Aderlass. In manchen Kliniken vor allem in Grenznähe kämen mehr als 30 Prozent der Beschäftigten aus Polen zur Arbeit - 280 Mediziner zuzüglich Schwestern und Hebammen, sagte Frank Ullrich Schulz, Präsident der Landesärztekammer.

INFEKTIONEN: Die Zahl der vom Land bestätigten Coronavirus-Infektionen stieg am Donnerstag (Stand: 15.00 Uhr) auf 579. Wie das Gesundheitsministerium in Potsdam mitteilte, kamen innerhalb von 24 Stunden 74 neue Fälle hinzu. Nach wie vor ist ein Todesfall im Zusammenhang mit der Viruserkrankung gemeldet.

HILFEN: Das Soforthilfeprogramm für Unternehmen wird stark nachgefragt. Rund 22 000 Betroffene beantragten am ersten Tag bei der Investitionsbank (ILB) Mittel. Die ersten Hilfen seien bereits auf die Konten überwiesen worden, teilten Wirtschaftsministerium und ILB mit. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) stellte weitere Hilfen in Aussicht. "Wir werden weitere Programme aktivieren, um unsere Wirtschaftslandschaft zu erhalten", erklärte Steinbach.

ABITURPRÜFUNGEN: Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) befürwortet den regulären Abi-Termin nach den Osterferien. Den Termin nach hinten zu verschieben halte sie für eine viel schwierigere Situation, sagte Ernst im Landtags-Bildungsausschuss. So würde sich auch ein Nachschreibetermin nach hinten verschieben "und dann sind wir beim Monat Juni angelangt". Es gehe aber darum, es den Abiturienten so leicht wie möglich zu machen. Die Kultusministerkonferenz hatte am Mittwoch beschlossen, dass Schulabschlussprüfungen in Deutschland trotz Corona-Krise nach jetzigem Stand weiter stattfinden sollen.

BETRÜGER: Die Corona-Pandemie ruft in Brandenburg Betrüger auf den Plan, die es vor allem auf ältere Menschen abgesehen haben. Die Täter geben sich dabei oft als Mitarbeiter des Gesundheitsamts aus, wie das Polizeipräsidium Brandenburg mitteilte. Beispielsweise würden E-Mails mit Anhängen verschickt - vermeintlich vom Gesundheitsamt. Beim Anklicken der Anhänge installiert sich Schadsoftware auf dem Computer. Andere Betrüger klingeln den Angaben nach in Schutzkleidung bei älteren Menschen und geben sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamts aus, die die Wohnung desinfizieren wollen. In die Wohnung gelangt, stehlen sie dann Wertgegenstände oder Bargeld.

POST: Briefe und Pakete können nach Angaben der Deutschen Post in Berlin und Brandenburg trotz Corona-Krise ohne wesentliche Einschränkungen zugestellt werden. Die Post sei nach wie vor flächendeckend an sechs Tagen in der Woche im Einsatz, berichtete das Unternehmen. Auch der überwiegende Teil der Partner-Filialen und DHL-Paketshops sei geöffnet. In Einzelfällen könne es aber aufgrund von Krankheit oder fehlender Kinderbetreuung zu geänderten Öffnungszeiten oder vorübergehenden Schließungen kommen.  © dpa

Nachrichten aus anderen Regionen

Die Anrufe falscher Beamter haben die Polizei am Freitag und Samstag in Atem gehalten.

Mehrere Fußballerinnen des Bundesligisten 1. FFC Turbine Potsdam spenden ein Teil ihres Gehalts dem Deutschen Roten Kreuz zur Unterstützung im Kampf gegen den Coronavirus.