Du suchst nach einer alternativen Heizmöglichkeit? Ob sich die japanische Heiztradition Kotatsu in Zeiten hoher Energiepreise eignet – mehr dazu hier.

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Kotatsu ist die Bezeichnung für einen beheizbaren Tisch, der in vielen japanischen Haushalten als Wärmequelle dient. Die Bestandteile sind ein Tischgestell und eine Tischplatte, eine große, dicke Decke und eine Elektroheizung. Die Elektroheizung ist im Rahmen des Tischgestells eingebaut. Zwischen Tischgestell und Tischplatte ist die Decke eingeklemmt, die auf allen Seiten bis auf den Boden reicht.

So kann man sich bodennah um den Tisch unter die Decke setzen. Der Kotatsu spendet nicht nur den sitzenden Personen Wärme, die an dem Tisch arbeiten und essen können, sondern erwärmt auch die Tischplatte selbst. So kann man sie nutzen, um darauf Speisen warm zu halten.

Wo hat der Kotatsu seinen Ursprung?

Die eigentlichen Wurzeln des Kotatsu liegen in China, aber in Japan ist diese Heizmethode ebenfalls seit langer Zeit Tradition. Früher wurde in China eine Grube ausgehoben und mit heißen Kohlen befüllt. Die Kotatsu-Konstruktion wurde darüber aufgebaut. Angesichts der Gefahr einer Kohlenmonoxid-Vergiftung durch die Kohle und der erschwerten Übertragbarkeit in moderne Bauten, wandelte sich die Konstruktion im Laufe der Zeit zu der heutigen Version mit einer Elektroheizung.

Kotatsu – Wie genau funktioniert das Heizsystem?

Die niedrigen Tische, an denen man meist mit Sitzkissen auf dem Boden sitzt, sind in Japan Tradition. Bei einem Kotatsu ist in einen solchen niedrigen Tisch eine Heizung integriert. Es gibt dabei zwei Varianten:

  • Die Elektroheizung ist mittig an der Unterseite des Tisches angebracht.
  • Die Elektroheizung ist in einer Vertiefung im Boden eingelassen.

Die Elektroheizung beheizt den Bereich unter dem Tisch und die dicke Decke sorgt dafür, dass die Wärme nicht entweichen kann. Auch an die Tischplatte, die auf der Decke platziert ist, wird Wärme abgegeben.

In Japan schätzt man den Kotatsu dafür, dass er eine behagliche Atmosphäre schafft und als gemütlicher Treffpunkt für die Familie dient. Man versammelt sich um den Tisch, kann sich unter der Decke aufwärmen und gemeinsam essen.

Wie kommst du an einen Kotatsu?

Es gibt zwei Möglichkeiten, an einen Kotatsu zu kommen: kaufen oder selber machen. Hierzulande einen Kotatsu zu kaufen, ist aufgrund der mangelnden Nachfrage allerdings nicht so leicht. Da es keine lokalen Kotatsu-Händler:innen gibt, müsstest du auf die gängigen Online-Versandriesen setzen. Oft geht der Onlinekauf aber nicht nur mit langen Lieferzeiten und Zollgebühren einher, sondern auch mit weiten Transportwegen, durch die klimaschädliche Emissionen entstehen.

Zudem müsstest du bei ausländischer Ware darauf achten, ob ein Konverter für den Strom zusätzlich nötig ist. In Japan hat das Stromnetz eine Stromspannung von 110 Volt, in Deutschland sind es standardmäßig 240 Volt. Daher bräuchtest du einen entsprechenden Konverter und einen Stecker-Adapter für den importierten Kotatsu.

Da der Kotatsu eine scheinbar simple Konstruktion ist, könnte man auf den Gedanken kommen, einfach selbst einen beheizbaren Tisch zu bauen. Davon raten wir allerdings dringend ab. Eine fehlerhafte Konstruktion kann den Tisch zu einer gefährlichen Brandquelle machen.

Ist der Kotatsu eine Alternative zu unseren herkömmlichen Heizsystemen?

Ob sich der Kotatsu als Ergänzung oder Ersatz für unsere gängigen Heizsysteme eignet, ist fraglich. Das System heizt sehr punktuell. Es wird die Tischplatte und alles, was unter der Decke ist, beheizt. Die Wärme, die darüber hinaus in den Raum ausstrahlt, ist sehr gering.

In Japan herrschen teils ganz andere Bedingungen als in Deutschland, die erkennen lassen, warum beheizbare Tische dort verbreiteter sind als in unseren Breitengraden.

Klima

In einigen Gegenden Japans, in denen das Winterklima mild ist, sind die Menschen weniger darauf angewiesen, ganze Räume über einen längeren Zeitraum zu beheizen. Andererseits gibt es auch Klimazonen, in denen die Winter lang und kalt sind und genauso mit Schnee zu rechnen ist wie hierzulande. Doch auch unter diesen Witterungsbedingungen verlassen sich viele japanische Haushalte ausschließlich auf den Kotatsu.

Heizsystem

Der Grund ist, dass die meisten japanischen Wohnungen nicht über eine Zentralheizung und nur eine unzureichende Isolierung verfügen. Sie sind daher darauf angewiesen, punktuell zu heizen. Aufgrund der fehlenden Isolierung ist das Heizen allerdings sehr teuer. Ein Kotatsu ist eine relativ kostengünstige Möglichkeit, eine Wärmeinsel in der Wohnung zu schaffen, um die das Alltagsgeschehen im Winter herum abläuft. Dafür werden die Kotatsu meist in Räumen aufgestellt, die mit Tatami-Matten ausgelegt sind. Dabei handelt es sich um einen Bodenbelag, der Wärme besonders gut speichern kann. Die übrigen Räume bleiben in der Regel unbeheizt. Warum das auch ein Problem darstellen kann, erfährst du hier: Heizung im Winter komplett ausschalten: 3 Gründe, warum das auch keine Lösung ist

Rohstoffe

In Deutschland dienen zum Heizen meist Kohle und Öl. Japan muss diese Rohstoffe dagegen importieren. Sie sind deswegen teurer, als der Strom, der aus den dortigen Atomkraftwerke stammt. Daher ist es in Japan gängig, mithilfe von strombetriebenen Heizsystemen wie dem Kotatsu zu heizen. Umweltfreundlicher ist das Heizen mit Elektrogeräten auch nicht: Heizlüfter oder Heizstrahler: Geht das auch energiesparend?

Fazit

Alles in allem schafft der Kotatsu keine wirkliche Alternative zu unseren gängigen Heizsystemen. Solltest du diese behagliche japanische Tradition in dein Zuhause bringen wollen, macht es Sinn, den Raum entsprechend anzupassen (wärmespeichernder Bodenbelag statt Fliesen) und die Kotatsu-Konstruktion nicht als Komplettersatz für deine übliche Heizmethode zu nutzen.

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