Im Schatten der allseits beliebten Honigbiene tragen etliche weitere Bestäuberinsekten wesentlich zum Nahrungsangebot und zur Artenvielfalt bei. Welche das sind, stellen wir dir hier vor.

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"Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben", lautet ein Albert Einstein zugeschriebenes Zitat. Tatsächlich ist aber weder mit einer Quelle belegt, ob sich Einstein tatsächlich so über Bienen äußerte, noch ist nachweisbar, warum er den konkreten Zeitraum von vier Jahren angegeben haben soll. Doch die Aussage verweist auf einen wichtigen Fakt: Bienen sind als bestäubende Insekten enorm wichtig. Dem Deutschen Imkerverbund zufolge hängen von Bienen reiche Ernten, üppiges Wachstum und der Fortbestand der Artenvielfalt ab.

Wildbienen: Wichtigere Bestäuberinsekten als Honigbienen

Überall auf der Welt lässt sich seit mehr als einem Jahrzehnt ein massives Bienensterben feststellen. Hierzulande sind davon aber weniger die Honigbienen als vielmehr die Wildbienen betroffen. Von den über 550 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind laut dem BUND gemäß Roter Liste mittlerweile 31 vom Aussterben bedroht, 197 gefährdet und 42 Arten stehen auf der Vorwarnliste. Die Zahl der Honigbienenvölker ist hingegen gestiegen, da die Zahl der Imker:innen zunimmt.

Doch Honigbienen allein können nicht alle Pflanzen bestäuben. Auch Wildbienen wie Hummeln, Sand– und Mauerbienen sind bedeutende Bestäuberinsekten. Bei vielen Wildbienenarten handelt es sich um Spezialisten: Sie haben spezielle Anforderung an ihre Nistplätze, aber auch an ihre Nahrungspflanzen. So gibt es in Deutschland 28 verschiedene Pflanzengattungen, die ausschließlich von bestimmten Wildbienen bestäub werden. Dazu gehören Rotklee, Luzerne und die Tomate. Zudem hängt die spätere Erntemenge auch anderer Pflanzen direkt damit zusammen, wie viele unterschiedliche Bienenarten die Blüten besuchen. Beispielsweise sorgt eine Bestäubung durch Wildbienen für einen reicheren Ertrag an Erdbeeren und Kirschen, Raps, Kaffee und Wassermelonen, als wenn nur Honigbienen sie bestäuben würden.

Eine internationale Studie an 41 Kulturen weltweit schlussfolgert daher, dass Honigbienen die schwindenden Wildbienen nicht ersetzen, sondern nur ergänzen können. Das liegt daran, dass die in der Studie beobachteten wilden Bestäuberinsekten im Vergleich zu Honigbienen die Kulturpflanzen doppelt so effektiv bestäubten. Ein Grund dafür ist unter anderem auch, dass Honigbienen bei schlechtem Wetter nicht ausfliegen – Wildbienen hingegen schon, denn sie sind an unterschiedlichste Bedingungen angepasst.

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Bestäuberinsekten: Auf diese kommt es auch an

Das generelle Insektensterben ist genauso problematisch, denn auch bei Schwebfliegen, Schmetterlingen, Käfern und Wespen handelt es sich um verkannte, aber wichtige Bestäuberinsekten. Sie fliegen zwischen 25 und 50 Prozent der gesamten Blüten auf Agrarflächen an. Mango und Möhren profitieren zum Beispiel besonders von diesen Bestäuberinsekten.

Einige wichtige Bestäuberinsekten sind:

  • Echte Fliegen: Schwebfliegen sind laut einer Studie äußerst robuste Bestäuber. Da Wildbienen aufgrund ihrer spezialisierten Nist- und Nahrungsanforderungen mit Monokulturen nicht viel anfangen können, kann es auf so intensiv bewirtschafteten Flächen zu einem Bestäubungsdefizit kommen. Dieses gleichen dann meist Fliegen wieder aus. Die Gemeine Stubenfliege trägt unter anderem zur Bestäubung von Erdbeer-, Brombeer- und Lauchpflanzen bei.
  • Zitronenfalter: Viele Schmetterlingsarten mögen besonders bestimmte Pflanzen und ihre Blüten. Unter diesen hebt sich der Zitronenfalter aufgrund seiner eingebauten "Heizung" hervor: Er baut Glycerin in seinem Blut auf, was ihn vor dem Erfrieren schützt. So kann der Zitronenfalter auch bei milden Wintertemperaturen aktiv sein. Im Frühjahr gehört er zu den ersten Insekten, die Frühblüher bestäuben.
  • Käfer: Sogenannte Käferblumen sind auf die Bestäubung durch Käfer angewiesen. Dabei handelt es sich nicht nur um Zierpflanzen wie Orchideen, sondern auch um landwirtschaftlich bedeutende Pflanzen wie Palmen.
  • Motten: Wer mit Motten nur einen Schädlingsbefall von Lebensmitteln oder Kleidung in Verbindung bringt, weiß bisher noch nicht, dass diese Insekten auch wichtige Bestäuber sind. Als Motten bezeichnet man umgangssprachlich Nachtfalter. Diese fliegen im Gegensatz zu Bienen und Wildbienen auch weniger produktive Nektar- und Pollenquellen an und sind damit für die Bestäubung einer größeren Vielfalt an Pflanzen verantwortlich.

So kannst du Bestäuberinsekten helfen

Wären nur Honigbienen als Bestäuber unterwegs, würden viele Pflanzen also entweder gar keinen Ertrag oder viel weniger liefern. Zudem würde darunter die Biodiversität leiden: Wenn Pflanzen nur um Honigbienen als Bestäuber konkurrieren müssen, schwinden solche Pflanzen, die von Honigbienen nicht angeflogen werden. Ein Rückgang dieser Pflanzen würde wiederum bedeuten, dass andere Bestäuberinsekten keine Nahrung mehr finden könnten und somit noch stärker vom Aussterben bedroht wären. Ganze Ökosysteme sind also davon abhängig, dass es nicht nur den Honigbienen gutgeht, sondern auch allen anderen Bestäuberinsekten.

Du kannst zum Schutz der Bestäuberinsekten einiges beitragen:

  • Lege einen Schmetterlingsgarten oder insektenfreundlichen Garten an.
  • Dazu gehört unter anderem die Auswahl insektenfreundlicher Pflanzen, aber auch der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide.
  • Biete den Insekten mit Insektenhotels oder gepflanzten Hecken einen Nistplatz an.
  • Vermeide Lichtverschmutzung in deinem Garten, um die Nachtfalter bei ihren Bestäubungsaktivitäten nicht zu stören.
  • Kaufe bevorzugt Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, die sich durch umweltfreundlichere Anbaumethoden als die konventionelle Landwirtschaft auszeichnet.

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