Berlin - Jens Nowotny ist ein Wettkämpfer. Große Siege will er feiern. Doch die Arena dafür hat der frühere Fußball-Nationalspieler längst gewechselt: vom grünen Rasen im Stadion an den Tisch im Wohnzimmer. Seit 2007 zockt der ehemalige DFB-Kicker regelmäßig und mit großer Leidenschaft Brettspiele. "Weil es nichts Schöneres gibt, als etwas zusammen mit Familie oder Freunden zu machen", sagt der 50-Jährige. "Und da gibt es nichts Schöneres als ein Brettspiel."

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Ungefähr ein Jahr nach seinem Karriereende besuchte Nowotny das erste Mal die weltgrößte Spielemesse in Essen. Seitdem hat ihn das Brettspielfieber gepackt. Rund 1200 Spielschachteln stapeln sich mittlerweile im Haus des WM-Dritten von 2006. Etwa zweimal im Jahr veranstaltet er zudem in Biesfeld (Kürten) einen Brettspieletag.

Im Gegensatz zu früher sieht der heutige Co-Trainer der deutschen U15-Nationalmannschaft bei den Nachwuchsfußballern immer häufiger Spiele in der Trainingstasche. "Die haben immer was dabei, damit die Jungs auch eine gewisse Abwechslung haben", sagt Nowotny. Nicht nur das pure Training soll den Alltag bestimmen.

So sportlich Spiele auch sein können, Brettspiele mit Sport als Thema sind dagegen rar. Es dominieren noch immer Themen wie Fantasy, Mittelalter oder Natur. "Das Problem ist, dass man so ein Fußballthema schlecht adaptieren kann", sagt Nowotny. Spielefreaks würden zudem wenig auf sportliche Themen anspringen. "Da geht es mehr um die Mechaniken oder die Story", sagt der frühere Fußballstar.

Wichtig: Verständigung auf Regeln

Auch der prämierte Spieleautor Steffen Bogen ("Camel Up", "Schnappt Hubi!") sieht beides als komplementäre Formen des Spielens: "Bei den Brettspielen rauchen eher die Köpfe, beim Sport lassen wir mehr die Muskeln spielen." Der Konstanzer Kunstwissenschaftler und Spieleforscher betont aber auch viele Überschneidungen und Gemeinsamkeiten: Ein gelungenes Spiel, ob Sport oder auf dem Brett, beinhalte immer die Verständigung auf Regeln. "Was macht für den Verlauf der Partie den entscheidenden Unterschied?" Auch im Wettkampf sei es wichtig, dies gemeinsam zu klären, sagt Bogen.

Jens Nowotny
Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Jens Nowotny ist Brettspiel-Fan. © dpa / Hannes P Albert/dpa

Fünf empfehlenswerte Brettspiele, mit denen man sich auf die Fußball-EM und Olympia einstimmen kann:

1. Für Fußball-Fans: "Super Goal!"

Ein Mini-Spielfeld, acht Würfel, ein Ball - "Super Goal!" ist Fußball auf ganz kleinem Raum. Zwei Spieler treten gegeneinander an, die Partien laufen in Echtzeit ab und dauern 15 Minuten.

Es gibt jeweils Würfel für verschiedene Pässe, einen Schuss, Verteidigung, Torwartparade, Elfmeter und eine besondere Aktion. So wird der Ball über den (Kunst-)Rasen gesteuert. Durch die kurze Dauer und die kompakte Blechbox bietet sich "Super Goal!" besonders auch auf Reisen - oder Auswärtsfahrten - an.

Autoren: Emanuele Pessi, Marco Ippolito und Stefano Giachi, CreativaMente/Game Factory, ab 6 Jahren, für 2 Spieler, ca. 15 Minuten, Preis ca. 15 Euro

2. Für kluge Köpfe: "Kneipenquiz - Fußball-Spezial"

Das beliebte Kneipenquiz in Brettspielform hat sich längst zum modernen Klassiker entwickelt. Die Fußball-Variante des kooperativen Ratespiels ist zwar nicht mehr top aktuell (von 2020), aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Denn neben sportlichen Fragen zu Welt- und Europameisterschaften gibt es auch Abseitiges zum gemeinsamen Grübeln. So kann beispielsweise auch mit hintergründigem Wissen zu WM-Gastgeberländern gepunktet werden.

Das Grundprinzip bleibt gleich: Gemeinsam müssen pro Runde fünf Fragen beantwortet werden, um sich gegen das Spiel durchzusetzen. Das steuert nämlich die durch Nationaltrikots dargestellten Gegner, die es zu überflügeln gilt. Ein Hingucker ist weiterhin die Verpackung, die gleichzeitig das Spielbrett ist.

Brettspiel "Super Goal!"
"Super Goal!" ist Fußball auf ganz kleinem Raum. Zwei Spieler treten gegeneinander an, die Partien laufen in Echtzeit ab und dauern 15 Minuten. © dpa / Game Factory/Game Factory/dpa

Autoren: Heinrich Glumpler, Darren Grundorf, Marco Teubner und Tom Zimmermann, Moses, ab 12 Jahren, für 3-6 Spieler, ca. 30 Minuten, Preis ca. 25 Euro

3. Für Teamplayer: "Sync or Swim"

Über eine halbe Minute die Luft anhalten oder kunstvolle Figuren aufführen muss die Gruppe beim kooperativen Kartenspiel "Sync or Swim" nicht. Wie beim ästhetischen Synchronschwimmen kommt es aber auf die perfekte Abstimmung an. Mit einem Zeitlimit, das von einer App gesteuert wird, müssen die Spielerinnen und Spieler bestimmte Karten verdeckt vor sich auslegen - nicht passende können weitergegeben werden. Anschließend folgt die Auflösung, ob alle die einzelnen Elemente einer Kür korrekt erfüllt haben. Insgesamt gibt es 15 Level.

Es geht laut und manchmal wild her. Mit etwas Druck müssen alle dabei umgehen können - keiner will immer in die falsche Richtung schwimmen und die Gruppe aus dem Takt bringen.

Autoren: Lucas Hedgren und Divya Hedgren, Bezier Games/Pegasus Spiele, ab 8 Jahren, für 3-6 Spieler, ca. 10-20 Minuten, Preis ca. 23 Euro

4. Für Feinfühlige: "Set & Match"

Trotz bescheidener Tennis-Fähigkeiten sich einmal wie Olympiasieger Alexander Zverev fühlen: Mit diesem Tennis-Schnippsspiel ist das auch zu Hause möglich. "Set & Match" ist schnell aufgebaut und schnell gespielt. Und eine fixe Revanche ist fast immer drin.

Dabei kommt es vor allem auf das richtige Gefühl beim Schnippen an. Soll es ein kurzer Stoppball hinters Netz oder ein kräftiger Schmetterball sein? Für zwei (Einzel) oder vier (Doppel) Spielende ist in diesem Paket alles aus der Tennis-Welt dabei: ob Ass, Tiebreaks oder Doppelfehler. Da das Spiel aus einem französischen Kleinverlag kommt, ist es nicht überall zu bekommen.

Brettspiel "Kneipenquiz - Fußball-Spezial"
Im "Kneipenquiz - Fußball-Spezial" müssen pro Runde fünf Fragen beantwortet werden, um sich gegen das Spiel durchzusetzen. © dpa / Michael Ricks/Moses Verlag/dpa

Autor: Philippe Latarse, Prétexte, ab 7 Jahren, für 2-4 Spieler, ca. 20 Minuten, Preis ca. 28 Euro

5. Für Radfahrer: "Flamme Rouge"

Die Aufgabe bei dem beliebten Radrennspiel ist eigentlich ganz einfach: Mit einem seiner Fahrer als Erster die Ziellinie überqueren. Doch die Kräfte gut einzuteilen und den entscheidenden Ausreißversuch zu erwischen, ist gar nicht so leicht.

Egal, ob schwierige Bergetappe oder flaches Streckenprofil: Bei "Flamme Rouge" können traditionsreiche Radsport-Ereignisse wie Tour de France oder Paris-Roubaix nachgespielt werden. Die beiden Fahrer des eigenen Teams (Sprinter und Rouleur) werden mit Karten voran gezogen. Dabei gilt es, geschickt den Windschatten des Peloton-Hauptfeldes auszunutzen und möglichst wenig Erschöpfungskarten zu kassieren, um im entscheidenden Moment noch genug hohe Karten zu haben. Erweiterungen bringen zudem Kopfsteinpflaster, Verpflegungszonen und Wettereinflüsse ins Spiel.

Autor: Asger Harding Granerud, Lautapelit.fi/Pegasus Spiele, ab 10 Jahren, für 2-4 Spieler, ca. 30-45 Minuten, Preis ca. 30 Euro  © Deutsche Presse-Agentur

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